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Die Schongauer Baufirma Haseitl verantwortet am Bahnhof Ost das größte Wohnbauprojekt in Peiting seit Jahrzehnten. In der Ortsmitte beginnt das Unternehmen gerade mit dem Bau eines Ärztehauses. Im Interview spricht Geschäftsführer Peter Schrehardt über den aktuellen Stand der Bauvorhaben, Gerüchte um vollgelaufene Keller und ein neues Kino für die Peitinger.
Herr Schrehardt, am ehemaligen Barnsteiner-Gelände in der Peitinger Ortsmitte rührt sich endlich etwas. Wie froh sind Sie, dass es mit dem Bau des von Ihrer Firma geplanten Ärztehauses jetzt losgeht?
Selbstverständlich bin ich froh, wir hätten ja gerne schon letztes Jahr begonnen, aber der Genehmigungsprozess hat leider längere Zeit in Anspruch genommen.
Das Bauvorhaben war nicht unumstritten. Marktbaumeister Fabian Kreitl übte Kritik am Entwurf, die moderne Architektur passe aus städtebaulicher Sicht nicht ins Zentrum. Besonders die negative Dachgaube wurde kritisiert.
Geschmäcker sind unterschiedlich, das gehört zu so einem Prozess dazu. Der Gemeinderat und der Bürgermeister haben sich mehrheitlich für diesen Entwurf ausgesprochen, den das Landratsamt auch so genehmigt hat.
Was die Peitinger brennend interessieren dürfte: Wie soll das Haus genutzt werden? Bislang war von einer Arztpraxis und acht Wohnungen die Rede.
Es ist ein relativ großes Gebäude, wir bauen bis an die Grenzen, um alles auszunutzen. Die Nutzfläche liegt bei 1200 Quadratmeter. Im Erdgeschoss soll eine Apotheke entstehen, die weiteren Flächen im ersten Geschoss und im Dachgeschoss werden für Praxen vorgesehen. Mieter können Ärzte sein, aber auch etwa Physiotherapeuten.
Auf dem einstigen Barnsteiner-Gelände in der Ortsmitte haben die Bauarbeiten fürs Ärztehaus begonnen.Also keine Wohnungen?
Nein, die Nachfrage war zwar immer da, eine gemischte Nutzung macht aber bei dieser Größe keinen Sinn. Dafür sind die Ansprüche zu unterschiedlich. Das wäre nur gegangen, wenn wir im Umgriff Nachbargebäude hätten zukaufen und so größer bauen können. Das hat leider nicht geklappt.
Stehen die künftigen Mieter schon fest?
Mit einigen Interessenten stehen wir kurz vor dem Abschluss. Wir möchten möglichst Peitinger Ärzte für den Standort begeistern. Erst wenn das nicht zum Erfolg führt, werden wir uns anderweitig umschauen. Dass der Bedarf da ist, steht aber außer Frage.
Und in Sachen Apotheke?
Auch da sind die Verhandlungen weit gediehen, unterschrieben ist der Vertrag aber noch nicht. Das alles will ja gut überlegt sein, die Mietverträge laufen über zehn Jahre, das erlaubt keinen Fehler bei der Auswahl und Belegung.
Haseitl-Geschäftsführer Peter Schrehardt.Wichtig war den Gemeinderäten, dass die Tiefgarage auch als öffentlicher Parkraum zur Verfügung steht.
Das ist auch so. Statt ursprünglich 14 werden es sogar 18 öffentliche Stellplätze in der Tiefgarage sein. Neun weitere stehen den Mietern zur Verfügung. Oberirdisch kommen noch einmal zwölf Parkplätze dazu.
Wird das Parken in der Tiefgarage etwas kosten?
Es ist vorgesehen, dass die erste Stunde kostenfrei ist und danach eine Parkgebühr erhoben wird.
Wie sieht es mit dem Zeitplan aus? Wann soll das Gebäude fertig sein?
Ziel ist der 31. März 2021, also in gut einem Jahr.
Das noch viel größere Bauprojekt Ihrer Firma in Peiting läuft aktuell gegenüber des Bahnhofs Ost auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände. Glaubt man Gerüchten, geht dort nicht alles planmäßig vonstatten.
Man sagt ja immer, an allen Gerüchten ist ein Stückchen Wahrheit, nur wie groß das Stückchen ist, ist ja immer die Frage.
Es wird von voll gelaufenen Kellern und einer unter Wasser stehenden Tiefgarage erzählt. Klären Sie uns auf: Wie groß ist das Stückchen Wahrheit?
Da muss ich ein bisschen ausholen. Wir hatten ein Bodengutachten, das die Gemeinde Peiting in Auftrag gegeben hatte, die das Grundstück bekanntlich an uns verkauft hat. Darin gab es auch eine Empfehlung, wie Gebäude zu gründen seien. Weil das Grundwasser erst in einer Tiefe von acht Metern anzutreffen sei, war die klare Aussage, dass keine wasserdichten Keller erforderlich seien.
Das heißt, man hat sich auf diese Aussage verlassen und entsprechend gebaut?
Um wirtschaftlich zu bleiben und einen günstigen Preis anbieten zu können, haben wir uns entschlossen, entsprechend dem Gutachten auf Fundamenten zu gründen, also Bodenplatten zu betonieren, die keine wasserdichte Funktion haben. Die Kelleraußenwände sind dagegen aus wasserdichtem Beton.
Nachvollziehbar. Das Wasser wurde aber dann doch zu einem Problem?
Nicht sofort. Bei den Aushubarbeiten, die wir im übrigen durch das gleiche Büro haben begleiten lassen, das auch das Gutachten erstellt hat, war alles okay. Wir haben trockene Verhältnisse vorgefunden. 2018 war allerdings auch ein außergewöhnlich trockener Sommer.
Die böse Überraschung kam also später.
In der Tat. Im Februar 2019 hat unser Polier festgestellt, dass im Bereich der Fundamente der Tiefgarage Wasser war. Damals hat man das wegen der starken Schneefälle erst einmal als Oberflächenwasser betrachtet und es abgepumpt. Aber als es nach Wochen nicht verschwand, haben wir den Bodengutachter hinzugezogen. Es stellte sich dann heraus, dass es sich um Grundwasser handelte.
Dann war sicher guter Rat teuer.
Wir haben daraufhin einen zweiten Gutachter eingeschaltet. Es wurden Sondierungsbohrungen durchgeführt, um die tatsächlichen Grundwasserstände festzustellen. Das Ergebnis war, dass das Grundwasser bis unter den Bodenplatten stand. Die Gerüchte, wonach die Tiefgarage meterhoch unter Wasser war, stimmen also nicht.
Ein großes Problem war es aber schon.
Ja, denn die Gebäude müssen so ausgelegt werden, dass sie einem außerordentlichen Regenereignis standhalten. Der berechnete Wasserstand bei einem Jahrhunderthochwasser wäre in diesem Fall in Höhe der Kellerdecken gelegen.
Das heißt, so konnte es nicht bleiben.
Wir haben dann schnell mit dem TÜV und unserem Statiker nach Lösungen gesucht, wie wir das ganze nachträglich in den Griff bekommen.
Wie haben die Käufer auf die Nachricht reagiert?
Teilweise gab es natürlich Nachfragen von verunsicherten Käufern. Wir haben ihnen aber versichert, dass wir alles so nachrüsten, dass sie sich keine Sorgen um ihre Keller machen müssen. Uns ist schließlich daran gelegen, dass alles mangelfrei ist und alle beruhigt schlafen können.
Klingt nach keiner ganz einfachen Aufgabe.
Stimmt. Wir mussten in den Stadt- und Reihenhäuser den Estrich und die Zwischenwände wieder zurückbauen. Dann wurde die Bodenplatte mit weiterem Beton verstärkt und abgedichtet. Die Trockenbauwände wurden durch Betonwände ersetzt, die Kellerfenster durch wasserdichte Varianten. Aktuell sind wir dabei, die Maßnahmen auch bei den Mehrfamilienhäusern abzuschließen.
Die Mehrkosten belaufen sich auf eine siebenstellige Summe
Bleibt noch die Tiefgarage.
Auch da sind wir derzeit dran. Diese sollte ursprünglich gepflastert werden, damit Wasser versickern kann. Jetzt wird eine tragende Bodenplatte eingebaut. Dafür muss der bereits eingebrachte Kies wieder ausgebaggert werden.
Das klingt alles sehr aufwendig und vor allem teuer.
Das ist richtig. Die zusätzlichen Kosten belaufen sich auf eine siebenstellige Summe.
Müssen die Käufer jetzt mit hohen Nachzahlungen rechnen?
Nein, für sie ist es kostenneutral. Den Fehler hat der Bodengutachter gemacht, wir versuchen jetzt, ihn dafür haftbar zu machen.
Hat sich durch die zusätzlichen Baumaßnahmen der Bezugstermin verzögert?
Wir gehen derzeit davon aus, dass wir unseren vertraglich vereinbarten Termin, die Eigentumswohnungen und Häuser zum 31. März zu übergeben, einhalten können. Es kann aber sein, dass es in der Tiefgarage noch Einschränkungen gibt.
Sie sind jetzt schon lange in diesem Geschäft, haben Sie so etwas schon einmal erlebt?
Ein gewisses Risiko gibt es immer, aber so etwas habe ich noch nie gehabt.
Einen ersten Eindruck, wie das Gebäude entlang der Bahnhofstraße nach Fertigstellung aussehen soll, liefert ein Aquarell der Schongauer Architektin Christiane Hörner.Wenn Ende März Eigentumswohnungen und Häuser an ihre neuen Besitzer übergeben werden, ist die Baustelle noch nicht abgeschlossen.
Stimmt, die Mietwohnungen, die im Gebäude entlang der Bahnhofstraße entstehen, werden vermutlich im Mai fertig, nachdem mit diesem Bauabschnitt später begonnen wurde.
Im Wahlkampf ist das neue Wohnviertel derzeit auch immer wieder Thema. Manch Bürger stört sich an der engen Bebauung. Was sagen Sie dazu?
Zu erst einmal: Es war von der Gemeinde eine geschlossene Bebauung gewünscht. Zudem heißt das Objekt nicht ohne Grund Ahornpark. Ich kenne keine vergleichbare Anlage, die über einen Innenhof mit solch einem großen Baumbestand verfügt. Und glauben Sie mir, die Fassade wird ansprechend, wenn sie fertig ist.
Nachfrage nach Wohnungen übersteigt Angebot
Kommen wir zurück zu den Wohnungen. Überall wird von Mangel an Wohnraum gesprochen, auch in Peiting. Entsprechend groß müsste der Ansturm auf das neue Angebot sein.
Alle 18 Eigentumswohnungen sind verkauft. Das gilt auch für die 14 Häuser. Für die 53 Mietwohnungen gibt es bereits 160 Anfragen und Reservierungen. Das zeigt den Bedarf. Ein Großteil der Bewerber sind Menschen, die aus Peiting kommen oder einen Bezug zur Marktgemeinde haben.
Wer dort wohnen will, muss allerdings eine Bedingung erfüllen.
Die Wohnungen sind gefördert nach den bayerischen Förderrichtlinien. Für die Mieter bedeutet das, sie dürfen ein gewisses Einkommen nicht überschreiten. Bei einem Zwei-Personen-Haushalt liegt die Grenze etwa bei 60 000 Euro zu versteuerndem Einkommen. Pauschalisiert heißt das, dass für 50 Prozent der Bevölkerung das Anrecht besteht, eine solch geförderte Wohnung mieten zu können.
Wenn man sich die hohe Nachfrage anschaut, müsste die Gemeinde eigentlich noch mehr tun in Sachen Wohnbau?
Das gilt nicht nur für Peiting, sondern für alle Gemeinden. Das Modell, das hier verwirklicht wurde, ist mit seinem Mix aus Angeboten für verschiedene Bedürfnisse sicher nachahmenswert.
Wechseln wir zum Schluss noch auf die andere Straßenseite. Schon vor Jahren haben Sie eine Planung für die Entwicklung des Bahnhofgeländes vorgestellt, das auf viel Begeisterung gestoßen ist. Nur passiert ist bislang wegen fehlender Bahngrundstücke nichts. Sind Sie überhaupt noch interessiert an dem Projekt?
Da kann ich ganz klar sagen: Wir würden das Gelände nach wie vor sofort kaufen und bebauen.
Als Sie die Planung vor vier Jahren vorstellten, war die Rede von einem Kino. Sie klangen damals sehr zuversichtlich. Sind Sie das immer noch?
Wir haben einen sehr guten Kontakt zu einem Betreiber, der mehrere Kinos besitzt. Er war damals fest entschlossen, es gab schon fertige Pläne eines Architektenbüros. Ich würde das sofort wieder aufgreifen.
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