„Die Briefmarke ist die Aktie des kleinen Mannes“, hat es früher mal geheißen. Deshalb haben sich vor 25 Jahren die Sammlerfreunde Peiting und Umgebung zusammengefunden und einen Verein gegründet. Briefmarken, Münzen und Postkarten – alles wurde gesammelt. Doch die Zeiten haben sich geändert.
Peiting – „Wir hatten schon mal über 100 Mitglieder“, erinnert sich Franz Bleichner. Seit 25 Jahren ist er Vorsitzender der Sammlerfreunde Peiting und Umgebung. Er war von Anfang an dabei, als 1994 die ersten Kontakte geknüpft wurden. Damals, zum 100-jährigen Jubiläum der Herzogsägmühle, ist eine Sonderbriefmarke herausgegeben worden. Und es gab auch eine Briefmarkenausstellung in Herzogsägmühle.
Bei dieser Gelegenheit ist Franz Bleichner von Direktor Erwin Dürr (Herzogsägmühle) und von Bertold Schumacher, dem bayerischen Landesvorsitzender der Philatelisten, gebeten worden, doch einen Verein ins Leben zu rufen, der sich mit dem Sammeln von Briefmarken, Münzen und Ansichtskarten befassen soll.
So ist es dann auch gekommen. Wenige Monate später sind die Sammlerfreunde als Verein eingetragen worden – als „Sammlerfreunde Peiting-Schongau“. Zum ersten Vorsitzenden wurde Franz Bleichner gewählt, zu seinem Stellvertreter Armin Möhrlein. Den Posten der Schriftführerin übernahm Christa Weingartner (Hohenpeißenberg) und zum Kassier wurde Reinhold Bednarski (Schongau) bestimmt.
Auto mit 9000 Briefmarken beklebt
Auf sich aufmerksam gemacht haben die Sammlerfreunde vor 25 Jahren gleich mit einer besonderen Aktion: Anlässlich des Erscheinens der Sonderbriefmarke „100 Jahre Herzogsägmühle“ ist ein Auto mit rund 9000 Briefmarken beklebt worden.
In den vergangenen 25 Jahren haben die Sammlerfreunde rund 500 Tauschaktionen und 30 Großveranstaltungen abgehalten. Die regelmäßigen Tauschtage finden jeden zweiten Sonntag eines Monats in der Decker-Halle in Herzogsägmühle statt (jeweils von 9 bis 12 Uhr), und in der Bücherei in Peißenberg trifft man sich jeden ersten Montag eines Monats zu einem Tauschabend (von 19 bis 21 Uhr).
Jugend-Briefmarken-Ausstellung zählte zu Großveranstaltungen
Zu den Großveranstaltungen der Sammlerfreunde Peiting und Umgebung zählten die Jugend-Briefmarken-Ausstellung Deutschland-Österreich im Juni 2004 (mit dem Schirmherrn Otto von Habsburg) und die Peißenberger Briefmarkentage im Jahr 2006.
„Bei uns gab es auch schon mal eine Jugendgruppe mit 25 bis 30 Mitgliedern“, berichtet Vorsitzender Franz Bleichner. Doch die hat sich nach und nach wieder aufgelöst. Das bekommen die Sammlerfreunde immer mehr zu spüren. „Wenn der Nachwuchs fehlt, wirkt sich das auch irgendwann auf die Mitgliederzahl aus“, muss Franz Bleichner einräumen. Mittlerweile liegt der Altersdurchschnitt bei den Peitinger Sammlerfreunde bei über 60 Jahre. „Ich selber bin schon 80“, gibt Bleichner offen zu. Sein Stellvertreter ist derzeit Franz Fischer aus Peißenberg, Kassierin nach wie vor Christa Weingartner aus Hohenpeißenberg, und als Schriftführer fungiert Norbert Mayr aus Peißenberg.
„Briefmarkensammeln ist eine interessante Freizeitbeschäftigung, die zugleich auch Bildung vermittelt, weil auf den Marken die verschiedensten Motive abgebildet sind“, klärt Franz Bleichner auf. Besonders gefragt seien Briefmarken mit Sonderstempel, die wichtige Ereignisse dokumentieren.
Das Sammeln hält munter
Ein leidenschaftlicher Briefmarkensammler ist auch Jürgen Heek aus Altenstadt. Der 86-Jährige hatte erst im Alter mehr Zeit, sich seinem Hobby zu widmen. „Briefmarken sammeln ist eine schöne Beschäftigung, das hält munter“, sagt er.
Auch Paul Prokosch aus Schongau hat jahrelang Briefmarken gesammelt. Er hat das fortgeführt, was auch schon sein Vater und sein Onkel gemacht haben. Mittlerweile hat die Sammelleidenschaft bei Paul Prokosch etwas nachgelassen.
Wer wissen will, was seine Briefmarken wert sind, kann sich aus der Bücherei der Sammlerfreunde einen Katalog ausleihen und die Preise nachlesen.
Vorsitzender Franz Bleichner sammelt aber nicht nur Briefmarken, sondern auch Ansichtskarten und Münzen, vor allem historische – von der Kelten- über die Römerzeit bis zur Neuzeit.
Alle, die reinschnupperten, sind geblieben
Der Mitgliedsbeitrag bei den Sammlerfreunden Peiting und Umgebung beträgt derzeit 25 Euro pro Jahr. „Es ist sogar eine Schnuppermitgliedschaft möglich“, sagt Vorsitzender Bleichner. Alle, die mal reingeschnuppert hätten, seien im Verein geblieben.
Die Vorstandschaft hofft jetzt, dass sich wieder mehr Jugendliche für das Sammeln von Briefmarken und Münzen interessieren und dann dem Verein beitreten, damit dessen Fortbestand auch in Zukunft gesichert ist. Ihr 25-jähriges Jubiläum wollen die Sammlerfreunde Peiting und Umgebung allerdings nicht groß feiern. „Da ist nichts vorgesehen“, sagt Franz Bleichner.
MICHAEL GRETSCHMANN
Auch interessant:
Im Peitinger Wellenfreibad gibt es ein Leck. Die Suche nach der undichten Stelle gestaltet sich bislang kompliziert.
Ein Peitinger ärgert sich über seine Sparkasse: Er zahlte den Inhalt seines Sparschweins bar ein - und musste dafür noch zahlen.
