VonChristoph Petersschließen
Wie geht es weiter in Sachen Verkehrsführung in der Peitinger Ortsmitte? Diese Frage treibt besonders die Anwohner der Füssener/Obere Straße und Meierstraße um, die über massiven Verkehrszuwachs vor ihrer Haustür klagen. Doch mit einer Lösung tut sich die Gemeinde schwer, wie sich jetzt bei einer Anliegerversammlung zeigte.
Peiting – Gut gefüllt war der Sparkassensaal, viele der betroffenen Anlieger waren erschienen, um zu erfahren, was Verkehrsplaner Christian Fahnberg zur Verkehrssituation im Peitinger Ortszentrum zu sagen hatte. Vor zweieinhalb Jahren hatte die Gemeinde bekanntlich ein Experiment gestartet, die beiden abknickenden Vorfahrten in der Ortsmitte sind seitdem Geschichte. Ein Jahr sollte der Test ursprünglich laufen, doch wegen der vielen Baustellen hatte Fahnbergs Büro erst in diesem April die abschließende Verkehrszählung durchführen können.
Der Vergleich mit den Messungen davor zeige: Das Ziel des Gemeinderats, durch die Änderung der Vorfahrtsregelungen die Kreuzungen zu entschärfen und gleichzeitig den Verkehr am Hauptplatz zu reduzieren, habe man erreicht, sagte Fahnberg. Wo sich vorher binnen 24 Stunden noch 6000 Fahrzeuge über den Hauptplatz quälten, sind es nun nur 3800 – ein Rückgang um 37 Prozent. Allerdings bestätigten die Zahlen des Experten auch das, was Anlieger zuletzt wiederholt bei der Gemeinde beklagt hatten. In der Oberen Straße stieg die Zahl der Fahrzeuge um bis zu 46 Prozent auf 6200, in der Meierstraße gar um knapp 60 Prozent auf 5350. Wenig verwunderlich: Auch der Schwerlastverkehr fahre nun lieber über die Meierstraße als über den Hauptplatz, so Fahnberg. Waren es 2017 noch 200 Lastwagen, sind es nun 325 am Tag – ein sattes Plus von 63 Prozent.
Augenmerk auf den Schwerlastverkehr
Doch wie könnte eine Lösung aussehen? Eine Möglichkeit sei, die Einfahrt in die Meierstraße von der Ammergauer Straße grundsätzlich zu verbieten. Auch ein Linksabbiegegebot von der Meier- in die Füssener Straße sowie ein Geradeausfahrgebot für den Verkehr auf der Füssener Straße hatte der Experte untersucht. Raten freilich wollte Fahnberg zu keinem dieser Vorschläge. Zwar würden all diese Maßnahmen den Verkehr in der Meierstraße theoretisch reduzieren. Allerdings sei fraglich, ob sich jeder an die Beschilderung halte. Und ohne die Vorfahrtsänderungen zurückzunehmen, steige die Gefahr, dass sich der Verkehr am Hauptplatz staue. Die Empfehlung des Experten lautete daher, an der Verkehrsführung nichts zu ändern, sondern stattdessen auf andere Weise die negativen Auswirkungen auf die Meierstraße zu reduzieren. Besonders auf dem Schwerlastverkehr müsse dabei ein Augenmerk liegen.
Einfach wird das allerdings nicht, wie in der Diskussion mit den Anliegern deutlich wurde. Egal ob Durchfahrtsverbot oder eine Beschilderung, die Lkw-Fahrern an der Umgehung den Weg über die Münchener Straße weist: Viele Vorschläge seien rechtlich nicht oder nur schwer umsetzbar, sagte Geschäftsleiter Stefan Kort. „Wir haben einfach das Problem mit den ehemaligen Bundesstraßen im Ort“, sagte Bürgermeister Michael Asam. Viele Spediteure würden ihre Fahrer mit Absicht durch Peiting nach Schongau schicken, um Maut zu sparen.
Zu welchen unschönen Nebeneffekten der viele Verkehr führt, schilderte eine Anliegerin der Meierstraße. Mit laufendem Motor geparkte Lkw, deren Fahrer sich beim Metzger versorgen, Fußgänger, die nicht mehr über die Straße kommen. Dazu die Raser in der Nacht. „Da hat man das Gefühl, die fahren direkt durchs Schlafzimmer“, ärgerte sich Buchberger-Wirt Rainer Schäffler. Immerhin: Seine Forderung, die Tempo 30-Zone in der Oberen Straße zu verlängern, will die Gemeinde umsetzen. Geprüft werden soll eine Ampel in der Meierstraße, um Fußgängern den Übergang zu erleichtern. Für eine Querungshilfe fehle dagegen der Platz, so Asam. Auch Flüsterbelag sei eine Möglichkeit, um die Lärmbelastung zu verringern. Um Fahrverbote durchzusetzen, will man zudem die Aufstellung eines Lärmaktionsplans prüfen. Von einer Schwelle in der Fahrbahn wie am Hauptplatz riet Asam ab. „Das sorgt nur für mehr Lärm.“
Wenig Chancen sah der Rathauschef auch für die Forderung mehrerer Anlieger, endlich die seit langem diskutierte Südspange vom Bachfeld zur Ammergauer Straße zu bauen. Dort habe man Probleme mit der nahen Wohnbebauung, und weiter südlich verhindere das Wasserschutzgebiet eine neue Straße. Zumal diese Verbindung die Meierstraße nur um rund 200 Fahrzeuge entlasten würde, wie Fahnberg ausgerechnet hatte. Man werde die Möglichkeit aber noch einmal im Gemeinderat diskutieren, genau wie alle anderen angesprochenen Vorschläge, versprach Asam. Pragmatisch sah es Fahnberg: Wenn sich etwas ändern solle, dann seien auch die Peitinger selbst gefordert: „30 bis 50 Prozent sind Binnenverkehr.“
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