VonChristoph Petersschließen
Seit Monaten protestieren die Anlieger am Bühlach gegen den Neubau des Marienheims vor ihrer Tür. Entsprechend enttäuscht sind sie über die jüngste Nachricht, dass ein Verbleib der Einrichtung am aktuellen Standort nicht möglich ist, und erneuern ihre Kritik an den Plänen. Derweil bahnt sich eine überraschende Wende an.
Peiting – Es ist ein dicker Unterlagen-Ordner, den Jürgen Schleich und seine Mitstreiter zum Termin mitgebracht haben. Seit die Anlieger am Bühlach im vergangenen Oktober aus den Schongauer Nachrichten von den Plänen für einen Neubau des Marienheims auf dem gemeindlichen Grundstück gegenüber des neuen Friedhofs erfahren haben, wehren sie sich gegen das Bauvorhaben in unmittelbarer Nachbarschaft.
Es geht um die Größe des Gebäudes, das die AWO an dieser Stelle in exponierter Lage am Berg plant – „mitten im Naherholungsgebiet“. Darum, dass ein Projekt „mit aller Macht durchgedrückt“ werden soll über die Köpfe der Betroffenen hinweg.
Sie kritisieren den Bürgermeister, von dem man nicht wisse, ob er in der Angelegenheit als Bezirkstagsvizepräsident, AWO-Kreisvorsitzender oder als Rathauschef der Gemeinde spreche. Niemand sei gegen die Menschen, die im Marienheim betreut werden, dies zu betonen, ist Schleich und den anderen Familien wichtig. „Das ist eine wichtige Einrichtung.“ Eine, die in den Augen der Anlieger jedoch am besten dort aufgehoben sei, wo sie bereits seit Jahrzehnten beheimatet ist. Denn wo könne Inklusion besser funktionieren als mitten im Ort?
Viel Hoffnung hatte man deshalb auf die neuerliche Untersuchung des alten Gebäudes gesetzt, die im November beim runden Tisch mit der Gemeinde vereinbart worden war. Ein Architekt sollte prüfen, ob der Altbau nicht doch so umgebaut werden könnte, dass er den neuen gesetzlichen Anforderungen genügt, die das Pflege- und Wohnqualitätsgesetz vorschreibt. Entsprechend groß war jetzt die Enttäuschung, als die Verantwortlichen des Marienheims das Ergebnis in einem Rundschreiben an die Peitinger Bürger verkündeten. Ein Umbau sei nicht möglich.
Die Fragen, die sich Schleich und seine Mitstreiter stellen: Konnte in so kurzer Zeit überhaupt eine gewissenhafte Prüfung stattfinden? Und welche Vorgaben seien dem Architekten gemacht worden? Wurde überhaupt geprüft, ob eine Einrichtung mit weniger als den geplanten 70 Plätzen eine Alternative für den Umbau wäre? „Uns fehlen Zahlen, Daten und Fakten. Wenn es nichts zu verbergen gibt, dann sollte es kein Problem sein, uns den Abschlussbericht vorzulegen.“
Mitbetreiber kritisiert Anwohner
Adolf Kapfer macht kein Geheimnis daraus, was er von der Forderung der Anlieger nach mehr Transparenz hält. Was ein Unternehmen veröffentliche, sei immer noch dessen Sache, sagt der stellvertretende AWO-Kreisvorsitzende, dessen Familie die Mehrheit an der Betreibergesellschaft des Marienheims hält. „Wir haben hier keine Kolchosenwirtschaft, wo Volksmilizionäre bestimmen, was ein Unternehmen tun muss.“ Dennoch werde die AWO genau begründen, weshalb ein Umbau nicht möglich sei. „Auch wenn sie das gar nicht müsste.“ Kapfer ist sich außerdem sicher: Die Anwohner seien nur gegen die Pläne, „weil sie die Leute da draußen nicht haben wollen“.
AWO will alternativen Standort vorschlagen
Dennoch scheint der Protest etwas bewirkt zu haben. Die AWO werde einen Vorschlag zu einem alternativen Standort machen, lässt Kapfer die Katze aus dem Sack. „Damit in Gottes Namen endlich Frieden einkehren kann.“ Wo sich dieser befindet, das will der Peitinger noch nicht verraten. In der nächsten Gemeinderatssitzung wird es laut Tagesordnung einen Sachstandsbericht zum Marienheim geben. Nicht nur die Anlieger am Bühlach dürften ihn mit Spannung erwarten.
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