VonChristoph Petersschließen
Am 12. Mai wird der neue Peitinger Gemeinderat erstmals zusammenkommen. Wegen der Corona-Situation findet die konstituierende Sitzung an einem ungewöhnlichen Ort statt. Spannung verspricht die Wahl des 2. Bürgermeisters, denn alles deutet auf ein Duell um den Stellvertreter-Posten hin.
Peiting – Eigentlich ist der Sparkassensaal die gute Stube des Peitinger Marktgemeinderats. Doch in Zeiten der Corona-Pandemie, wo enger Kontakt zwischen Gremiumsmitgliedern sowie unter den Zuschauern wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Virus tunlichst vermieden werden muss, gelten andere Regeln. In den Osterferien tagte der Gemeinderat deshalb in der größeren Schloßberghalle, allerdings musste auch dort die Zahl der Besucher limitiert werden. Derlei Einschränkungen soll es für die konstituierende Sitzung nicht geben. So werden am Dienstag, 12. Mai, der neue Bürgermeister Peter Ostenrieder (CSU) und die neuen Räte ihren Eid in der Dreifachturnhalle leisten. „Hier ist genügend Platz, damit der Sicherheitsabstand gewahrt werden kann“, sagt Ostenrieder.
Während die Vereidigung eher Formsache ist, verspricht ein anderer Punkt auf der Tagesordnung spannend zu werden. Denn in der Sitzung entscheidet der Gemeinderat, welches Mitglied aus seiner Mitte künftig den Posten des 2. Bürgermeisters im Rathaus übernimmt. Bislang hatte diesen Franz Seidel inne. Stolze 24 Jahre bildete der BVP-Rat mit dem scheidenden Rathauschef Michael Asam ein vertrautes Gespann. Im Vorfeld der Kommunalwahl hatte Seidel allerdings angekündigt, kein weiteres Mal kandidieren zu wollen. Vielmehr brachte er nach Ostenrieders Wahlsieg den unterlegenen BVP-Bürgermeister-Kandidaten Andreas Schmid für das Stellvertreter-Amt ins Spiel.
Was auf den ersten Blick naheliegend klingt, birgt auf den zweiten durchaus Brisanz. Denn es ist kein Geheimnis, dass Ostenrieder und Schmid ein eher schwieriges Verhältnis miteinander pflegen. Zwar sagt Ostenrieder auf Nachfrage, dass man sich zusammenraufen und ein „Super-Team“ bilden werde, sollte der Gemeinderat sich für Schmid entscheiden. Doch die Wortwahl zeigt, dass dem neuen Rathauschef eine andere Lösung deutlich lieber wäre.
Die könnte Gunnar Prielmeier heißen. Der langjährige SPD-Gemeinderat soll nach dem Willen seiner Fraktion für das Amt des 2. Bürgermeisters kandidieren. Prielmeier habe bei der Gemeinderatswahl die meisten Stimmen geholt, wenn man die Bürgermeisterkandidaten außen vor lasse, erklärt Fraktionschef Herbert Salzmann. „Er hat einen großen Rückhalt in der Bevölkerung.“ Dazu verfüge er über viel Erfahrung. Salzmann rechnet sich auch deshalb gute Chancen aus für Prielmeier, weil er weiß: „Andreas Schmid ist nicht der Lieblings-Kandidat der CSU.“
Tatsächlich scheinen die Stimmen der Christsozialen dem SPD-Mann sicher zu sein. Die CSU werde keinen eigenen Kandidaten stellen, sondern Prielmeier mittragen, kündigt Ostenrieder im Namen der Fraktion an. Die Vergangenheit in Peiting habe gezeigt, dass seine Partei und die SPD gut miteinander arbeiten würden.
Seidel erwog erneute Kandidatur
Der große Verlierer könnte in diesem Fall die BVP sein. Um das Amt des 2. Bürgermeisters für seine Gruppierung zu retten, die immerhin mit der CSU stärkste Fraktion im künftigen Gemeinderat ist, hatte Seidel zuletzt intern seine erneute Kandidatur angeboten. Schmid sei zwar in seinen Augen prinzipiell der richtige Kandidat, nur benötige man eben auch eine Mehrheit im Gemeinderat, begründet Seidel seinen Vorstoß. Gerade in solch turbulenten Zeiten brauche es ein Gespann aus 1. und 2. Bürgermeister, das miteinander könne. Da Ostenrieder signalisiert habe, mit Schmid ein „gewisses Problem“ zu haben, sei er bereit gewesen, noch einmal anzutreten. Die Fraktion aber habe an Schmid festgehalten, weil man sich keinen Kandidaten aufdrängen lassen wolle. „Das ist schade.“ Seidel geht trotz der Differenzen davon aus, dass die Fraktion bei der Wahl geschlossen abstimme. Schmid selbst will das Hickhack um seine Person nicht kommentieren.
ÖDP das Zünglein an der Waage?
Spannend ist nun die Frage, wie sich die anderen Fraktionen entscheiden. Denn CSU und SPD fehlt gemeinsam mit dem Bürgermeister eine Stimme zur Mehrheit. Wie man sich positioniere, sei noch nicht geklärt, sagt Christian Lory. Der Bürgermeisterkandidat der Unabhängigen Peitinger verzichtet selbst auf eine Kandidatur. Gleiches gilt für Thomas Elste, der für die Grünen das Rathaus hatte erobern wollen. Seine Fraktion werde keinen Kandidaten für das Amt des 2. Bürgermeisters aufstellen, kündigt er an.
So könnte am Ende die ÖDP das Zünglein an der Waage sein, die mit Marion Gillinger zum ersten Mal am Ratstisch vertreten sein wird. Wer ihr Favorit ist, will auch sie nicht verraten. Die Wahl sei schließlich geheim.
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