Markt Peiting

Bewegender Abschied für den „Super-Chef“

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24 Jahre lang war Michael Asam Bürgermeister in der Marktgemeinde. Seine letzte Amtshandlung war am Donnerstagnachmittag die Trauung seines Nachfolgers Peter Ostenrieder im Foyer der Sparkasse. Der Gang danach ins Rathaus über den menschenleeren Platz fällt sichtbar schwer. Doch trotz Corona und der abgesagten Abschiedsfeier lassen ihn seine langjährigen Mitarbeiter natürlich nicht einfach so gehen – und rühren Asam zu Tränen.

Peiting – Michael Asam hatte für seinen letzten Arbeitstag viel geplant. Seine Mitarbeiter noch viel mehr. Sie alle wollten sich von ihrem Chef gebührend verabschieden, der lange Jahre Seite an Seite mit ihnen für das Wohl der Gemeinde da war. Es sollte ein gemischtes Abschieds-Feuerwerk werden. Mit Blasmusik, Fassbier, Brotzeit und jeder Menge lustiger Aufführungen. Man wollte es noch einmal richtig krachen lassen. Doch dann kam Corona.

Ein letztes Zeichen als Ausdruck der Sympathie für den Bürgermeister hängt am Barbara-Brunnen vor dem Rathaus zwischen zwei Bäumen. Ein dickes DANKE für alles für den besten Chef. Und die Hoffnung auf ein Wiedersehen. Sonst nichts. Menschenleer der Platz, alle Fenster des Rathauses geschlossen. Auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß und sein Nachfolger Peter Ostenrieder ziehen lange Gesichter – sie sind sehr gute Schauspieler.

Alle Mitarbeiter haben sich zu einem Spalier aufgestellt - mit Abstand

Für ein letztes Foto postiert sich Asam vor das Plakat. Zwängt sich ein Lächeln ins Gesicht. Ostenrieder schließt den Haupteingang auf und öffnet die Türe. Zwar ein paar Stunden zu früh, aber das ist seine erste Tätigkeit als neuer Hausherr des Rathauses. Dann der Knaller. Alle stehen sie da. Die über Jahre geschätzten und lieb gewonnenen Mitarbeiter. Den Abstand genau eingehalten. Gesichtsmaske selbstverständlich, aufgereiht vom Keller bis zum Dachboden zum letzten Spalier. Ein beeindruckendes Bild.

Die Landrätin geleitet einen nahezu sprachlosen Asam in Richtung Dienstzimmer. Vorbei an seiner großartigen Mannschaft bis hin zum Vorzimmer. Eine bunt geschmückte Barriere versperrt den Zutritt zu seinem Schreibtisch. „Ihr seid‘s ja verrückt“, der erste Kommentar von Asam, der jetzt seine Sprache wieder gefunden hat. Das Wort jedoch ergreift Sabine Hickisch, die Vorsitzende des Personalrats. Ihre Worte in absoluter Kurzfassung: „Ein super Chef, den man ungern gehen lässt“, bestätigt durch lautstarken Beifall. Wie gesagt, vom Keller bis zum Dachboden. Die Barriere in Form eines bunt geschmückten Fahrrads entpuppt sich als Gutschein für ein E-Bike, den heimlichen Wunsch von Asam.

Ein ganz besonderes Geschenk der Bauhofmitarbeiter

Der nächste Hammer vom Bauhof, wo die Mitarbeiter ebenfalls einen heimlichen Wunsch ihres Chefs wissen. Dieser plant schon einen Pool in seinem Garten. Dafür werden die Männer die Ausgrabung vornehmen. Natürlich in ihrer Freizeit. Und einen Zuschuss für die Schwimmeinrichtung legen sie oben drauf. Nicht zu vergessen ein drittes, ganz persönliches Geschenk. Jeder aller Mitarbeiter hat Bilder, Zeitungsausschnitte und Kommentare gesammelt und zur Verfügung gestellt, woraus ein einmaliger Bildband entstanden ist.

„Ihr habt es geschafft, dass mir die Tränen gekommen sind“, so ein bewegter Asam. Er lässt seinen Gefühlen freien Lauf. Man erkennt, wie schwer ihm der Abschied von seiner Mannschaft fällt. Vor Wochen hat er sich noch auf die künftige Zeit gefreut, auf das lange Ausschlafen. Aber jetzt kann er diesen Moment nur mit einem „Sch...“ beschreiben.

Und dann noch ein Abschiedslied

Es folgt ein Gesangsstück aller Mitabeiterinnen des Rathaus-Kindergartens und des Hauses der Kinder. Einmal mehr „wir haben Dich ins Herz geschlossen“, nach einer bekannten Kinderlied- Melodie. Dann die Zurufe zum Abschied: „Super-Chef“, aus weiblichen, „Hallt die Ohren steif“, aus männlichen Kehlen.

Die durften natürlich nicht trocken bleiben. Sekt und Augustiner in gebührendem Abstand. Und ein letzter Ruf von Asam durchs Rathaus an alle: „Ich würde Euch jetzt alle fest umarmen, jeden einzelnen. Aber es kommt ja eine Zeit nach Corona. Da hole ich es nach.“ Und jeder weiß, dass der Michael Asam Wort halten wird. So wie er es für sein Team immer getan hat. 24 Jahre lang.

Hans-Helmut Herold

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