100 Jahre Stadt Penzberg

Als Penzberg verschenkt wurde - neue Stadtchronik erzählt von Reue, Berühmtheiten und Rätseln

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Autogramm: Reinhard Heydenreuter signierte die neue Stadtchronik bei der Präsentation.
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Welches Geheimnis birgt der Schlossbichl? Was hat es mit der wilden Geschichte um Albero von Bruckberg auf sich, der Penzberg verschenkte? Und wer ist Carl aus Edenhof, Penzbergs berühmtester Sohn, den aber niemand kennt? Darüber und über vieles mehr erzählt Reinhard Heydenreuter in der neuen Penzberger Stadtchronik.

Penzberg – Knapp 230 Seiten zählt die neue Penzberger Chronik mit dem Titel „Geschichte mit Zukunft“, die der Historiker Reinhard Heydenreuter im Auftrag der Stadt Penzberg zum 100-Jährigen geschrieben hat. Am Donnerstagabend stellte er sie auf amüsante Art in der Buchhandlung „Rolles“ vor. Es ist nicht einfach eine Fortsetzung der alten Chronik von Karl Luberger, die 1985 endet. Heydenreuter, ehemaliger Archivdirektor im bayerischen Hauptstaatsarchiv und Professor für Neuere Geschichte und bayerische Landesgeschichte, hat tief in den Archiven gegraben.

Penzberger Stadtchronik: Das „absonderliche Leben“ von Albero von Bruckberg

Eine Chronik ist eigentlich trockener Lesestoff. Heydenreuter weckt aber Neugier. Da sind zum Beispiel die erste urkundliche Erwähnung Penzbergs und das „absonderliche Leben“ von Albero von Bruckberg, dem durch die Urkunde „ersten namentlich bekannten Penzbergers“. Dieser Albero von Bruckberg hat Penzberg, sein Besitztum, dem Kloster Benediktbeuern geschenkt. Aber warum? Heydenreuter hat da eine Theorie: Von Bruckberg war Berater des bayerischen Herzogs Ludwig der Strenge, der im Jähzorn seine Frau Maria von Brabant hinrichten ließ. Schuld gewesen sei von Bruckberg. Denn der Intrigant habe dem Herzog eingeflüstert, seine Frau sei eine Ehebrecherin. Als sich später deren Unschuld herausstellte, stiftete der Herzog als Sühne das Kloster Fürstenfeld. Und von Bruckberg? Ihn, so Heydenreuter, habe womöglich am Ende seines Lebens auch die Reue gepackt. Deshalb schenkte er Penzberg dem Kloster Benediktbeuern.

Auch vom Schlossbichl erzählt Heydenreuter, einem rätselhaften Burgstall, der wohl einem armen Adligen gehörte. „Wir sollten noch heuer eine Ausgrabung oder wenigstens eine Probebohrung starten“, sagte er scherzhaft.

Stadtchronik: Penzbergs berühmtester Sohn, den keiner kennt

Intensiv widmet sich Heydenreuter der Zeit, als Penzberg noch aus Bauernhöfen bestand. Er erzählt die Geschichte von Joseph Anton Carl aus Edenhof, „dem berühmtesten Penzberger, obwohl ihn keiner kennt“. Der Bauernsohn, 1725 geboren, hatte das Glück, dass seine Begabung erkannt wurde und er ein Stipendium erhielt. Er studierte in Paris und Straßburg, wurde Chemieprofessor, Begründer des Fachs „Chemie“ in Bayern und ein Pionier der Geburtshilfe. 1799 starb er in Ingolstadt. „Wir haben bis heute keine Carlstraße in Penzberg“, monierte Heydenreuter. Was natürlich damit zusammenhängen mag, dass es schon eine Karlstraße gibt, benannt nach einem Bergwerksdirektor, wie er einräumte.

Stadtchronik: Abhängigkeit vom Bergwerk war „brutal“

Breiten Raum nimmt natürlich die Bergwerkszeit ein. Das Bergwerk, erzählte er, sei 1871 von einem österreichischen Konsortium übernommen worden. Es habe die Bergarbeiter aus dem Bereich der Habsburger Monarchie hierher geholt. Den Leuten sei es schlecht gegangen, alles sei sehr hässlich gewesen, die Wohnverhältnisse beschreibt er als erbärmlich. Das Bergwerk habe die Abhängigkeit „brutal ausgenutzt“. Geändert habe sich das erst, als Penzberg vor 100 Jahren – gegen den Widerstand des Bergwerks – das Stadtrecht erhielt. „Als ersten Triumph hat die Stadt ein Rathaus gebaut“, so Heydenreuter. Als Stadt und Wohnungsgenossenschaften Häuser errichteten, habe das Bergwerk keinen Pfennig zugeschossen. In der Chronik, die über die Zeit des „Dritten Reichs“ bis zum Leben nach dem Bergwerk führt, wagt Heydenreuter auch eine Definition des Penzbergers. Dieser, schreibt er, sei historisch gesehen, „ein überintegrierter Zuwanderer“.

Der Historiker liefert mit der Chronik eine geballte Ladung an Information. Es gebe auch noch Rätsel wie die Deutung des Namens Penzberg, sagte er am Donnerstag. Am Ende warnte Heydenreuter schmunzelnd: „Es ist kein Bilderbuch, sondern ein Lesebuch, manchmal herausfordernd; wenn Sie es am Abend lesen, können Sie es auch zum Einschlafen nehmen.“

Die Chronik „Geschichte mit Zukunft – 100 Jahre Stadt Penzberg in Oberbayern“ ist im Volk-Verlag München erschienen und kostet 24,90 Euro.

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