Joachim Rau aus Penzberg hat seinen alten Benziner zum Elektro-Auto umgebaut. Vermutlich ist es derzeit der einzige derartige Umbau in der nähren Umgebung, der auch auf der Straße unterwegs ist.
Penzberg – Joachim Rau hasst Verbrennungsmotoren. „Sie machen einen Höllenlärm, sind wartungsintensiv und produzieren Abgase“, nennt der 81-jährige Penzberger drei Gründe für seine Abneigung. Aber Joachim Rau hängt an seinem 32 Jahre alten roten „Daihatsu Charade ts“, den er und seine Frau Regina sich 1987 gekauft haben.
Das Auto, so sein Wunsch, sollte auch seiner Frau noch gute Dienste leisten, wenn er selbst vielleicht nicht mehr lebt. Denn seine Frau hasst Autofahren – zumindest mit einem Diesel oder Benziner. „Elektroauto fahren ist entspannter und einfacher. Man braucht nicht zu schalten und fast nicht zu bremsen“, so Rau.
Schwierigkeiten nach Umbau eine allgemeine Betriebserlaubnis zu bekommen
Schon seit rund zehn Jahren spiele er darum mit dem Gedanken, sein Auto umzurüsten – für Rau, der Maschinenbau und Elektrotechnik studiert hat und später Leiter der Versuchsabteilung Elektronik bei Knorr-Bremse in München war, kein wahnsinnig schwieriges Unterfangen.
Schwierig sei es bisher allerdings gewesen, nach einem derartigen Umbau eine allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) zu bekommen, ohne die man nicht am Straßenverkehr teilnehmen dürfe. Mittlerweile nehme aber der TÜV Süd in Penzberg eine derartige Prüfung des umgebauten Fahrzeugs vor.
120 Kilogramm schweren Motor alleine ausgebaut
Im Oktober 2017 startete Rau sein Projekt, das er in einem dicken Ordner voller Skizzen, Baupläne und Fotos Schritt für Schritt dokumentiert hat: Von einer Spezialfirma aus Niederbayern kaufte er einen Bausatz zum Umbau und baute dann zunächst mithilfe einer Seilwinde, die er in seiner heimischen Garage an der Decke installierte, den 120 Kilo schweren Verbrennungsmotor aus seinem Daihatsu aus.
Mit Hilfe einer selbst gebauten Zwischenplatte verband er dann das nach wie vor benötigte Differentialgetriebe mit dem neuen, 35 Kilo schweren Elektro-Motor. Hinter der Tankdeckelklappe hat Rau einen so genannten Schukostecker installiert. „Über den wird der Akku mit einem Kilowatt von einer normalen Steckdose geladen.“
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Ein großer Aufwand und auch ganz schön knifflig sei der Einbau einer neuen Heizung gewesen. Denn beim Verbrennungsmotor wird der Innenraum über das Kühlwasser geheizt – und diese Art der Heizung ging nun nicht mehr. Also musste Rau eine neue Elektro-Heizung unter das Armaturenbrett bauen.
Und auch den Tacho musste der engagierte Tüftler verändern: Der Drehzahlmesser kam raus, ein Kontrollgerät, das Daten zu Drehzahl, Spannung und Leistung liefert, rein. Immer wieder, erzählt Rau, habe er mit den gekauften Komponenten Probleme gehabt. „Einzelne Komponenten haben nicht zusammengepasst.“ Immer wieder habe er umdenken, Rückschläge wegstecken, improvisieren und knobeln müssen.
„Wenn man aufs Gas drückt, geht das Ding jetzt ab wie eine Rakete“
Mit Erfolg: Im Frühling 2018 war die Umwandlung seines Benziners in ein Elektrofahrzeug geschafft und die ABE erteilt. Rund 8000 Euro hat Rau dieses Projekt gekostet. Etwa 80 Kilometer betrage die Reichweite seines neuen alten Fahrzeugs. Danach werde es an der Steckdose in der heimischen Garage wieder aufgeladen. „Pro zehn gefahrene Kilometer etwa eine Stunde Ladezeit.“
Die maximale Geschwindigkeit beträgt laut Rau 100 Kilometer pro Stunde bei 3000 Umdrehungen pro Minute im fünften Gang. „Wir nutzen das Auto in Penzberg und der nähren Umgebung“, sagt Rau. Aber Vorsicht: „Wenn man aufs Gas drückt, geht das Ding jetzt ab wie eine Rakete.“ 16 Lithium-Ionen-Akkus mit je 3,5 Volt bilden den 85 Kilo schweren Akkublock. „Gefahren wird mit 56 Volt Spannung“, so Rau.
Umbau sollte sein Projekt sein - Für seine Frau
40 Kilo leichter sei sein Auto durch den Umbau geworden – das ist ungewöhnlich, schließlich sind heutige E-Autos in der Regel schwer. Statt früher 810 Kilo wiege es heute nur noch 770 Kilo. Unter anderem weil Kühler, Benzintank oder Lichtmaschine ausgebaut worden seien. Dass er den Umbau alleine gemacht hat, das war Rau wichtig. Es sollte sein Projekt sein. Sein letztes großes. Für seine Frau.
VON FRANZISKA SELIGER
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