- VonWolfgang Schörnerschließen
Die am Penzberger Bahnhof geplante Radl-Garage hat auch in der zweiten Sitzung des Haushaltsausschusses für eine Debatte gesorgt. Es bleibt dabei, dass das Projekt verschoben wird – zunächst aber nur um ein Jahr. Außerdem gab es mehr Details dazu, wie die 600 000 Euro zustande kommen.
Penzberg – Für einen Schreck gesorgt hatten vergangene Woche in der ersten Sitzung des Penzberger Haushaltsausschusses die 600 000 Euro, die für die geplante Radl-Garage im Entwurf des Haushaltsplans 2020 reserviert waren. Die Frage: Wieso kostet eine zweistöckige Radl-Abstellanlage für 200 Fahrräder so viel? Umgerechnet 3000 Euro pro Rad. Schon in dieser Sitzung wurde diskutiert, das Projekt zu verschieben, womöglich um zwei oder drei Jahre. Woraus sich die zweite Frage ergab: Was passiert dann mit den bereits zugesagten – ebenfalls sehr hohen – Fördergeldern von Bahn und Freistaat.
Erste Antworten lagen nun am Montagabend in der zweiten Runde des Haushaltsausschusses vor. Stadtkämmerer Hans Blank erklärte, dass Penzberg die Fördergelder zum 30. April verfallen lassen und sie danach neu beantragen kann. Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann sagte, dass im April wenigstens der Planungsstart erfolgen sollte.
Auch bei Verschiebung erhält Penzberg Fördergelder
Beide gingen aber davon aus, dass Penzberg auch bei einer Verschiebung Fördergeld erhält. Holzmann nannte zudem eine Förderhöhe von zirka 350 000 Euro, mehr als zuletzt bekannt. Tatsächlich finden sich im Haushaltsplan Investitionszuweisungen in Höhe von 342 300 Euro, verteilt über drei Jahre. Die Stadt selbst müsste in diesem Fall folglich noch knapp 260 000 Euro selbst aufbringen.
Zu der Frage, wie die insgesamt 600 000 Euro im Haushaltsplan zustande kommen, äußerte sich Stadtbaumeister Justus Klement am Montag. Er erklärte, dass die eigentliche Kostenschätzung bei 570 000 Euro liege. Darin enthalten sind ihm zufolge zudem zwei digitale Stelen für 30 000 Euro, die originär nicht zur Radl-Garage gehören.
Laut Kostenschätzung entfallen 135 000 Euro auf die Dachkonstruktion sowie 70 000 Euro auf die 200 Fahrradständer in zwei Etagen. Bleiben noch 335 000 Euro übrig: Diese entfallen auf die 350 Quadratmeter große Bodenplatte samt Bohrpfählen (80 000 Euro), auf die Abbrucharbeiten samt Bodenaustausch, Pflasterfläche und neuer Böschung (150 000 Euro), auf Planung (85 000 Euro) und auf die Beleuchtung (19 000 Euro).
Ein normales Fundament sei möglich
Vor einer Woche hatte Kerstin Engel (Grüne) die Frage gestellt, wieso eine Radl-Garage mit Bohrpfählen gegründet werden muss. Laut Klement halten die Pfähle die große Bodenplatte. Ihm zufolge sei aber auch ein normales Fundament möglich.
In jedem Fall muss aber die Torfschicht – man geht von zwei Metern Mächtigkeit aus – entfernt und durch Kies ersetzt werden. Laut Klement würden vom neuen Baugrund auch andere Nutzungen profitieren, etwa der geplante Radweg im Projekt „Bahnbogen“ Er erklärte in der Sitzung, Einsparmöglichkeiten würden geprüft.
Am Montag wurde wie vergangene Woche auch diskutiert, ob die jetzigen Fahrradständer überhaupt die richtige Stelle für die neue Radl-Garage sind. Bürgermeisterin Elke Zehetner (SPD) sagte, dass sich vielleicht bessere Möglichkeiten ergeben, wenn über das gesamte Bahnhofsareal diskutiert wird.
Neue Standortdiskussion erst nach den Wahlen
Was dem im nächsten Jahr neu gewählten Stadtrat überlassen wird, aber angesichts des komplexen Themas vermutlich so schnell kein Ergebnis zeitigt. Einer neuen Standortdiskussion war auch Kerstin Engel nicht abgeneigt, sie kritisierte aber: „Wir müssen endlich mal das Gebiet fertig planen, egal ob Wahlkampf ist oder nicht.“ Woraufhin sich Zehetner auf den Stadtrat berief: Er habe bei der Festlegung der Prioritätenliste entschieden, dass darüber erst nach der Wahl gesprochen wird.
Am Ende wollte der Haushaltsausschuss die Radl-Garage nicht ganz aus dem Entwurf verbannen. Für nächstes Jahr ließ er 30 000 Euro für die Planung im Entwurf. Weitere 570 000 Euro stehen nun für 2021 im Finanzplan.
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