- VonWolfgang Schörnerschließen
Eine Kinder-Karawane in Gummistiefeln soll in zweieinhalb Wochen ins Penzberger Breitfilz ziehen – um einen Teil des Moors von Bäumen und Sträuchern zu befreien, die dort nicht hingehören. Bund Naturschutz, Terre des hommes und AWO-Mittagsbetreuung hoffen auf viele junge Freiwillige.
Penzberg – Etwa 70 Hektar, umgerechnet fast 100 Fußballplätze, umfasst das Breitfilz, ein Moor, dessen östlicher Ausläufer nur 200 Meter vom Rand der Penzberger Innenstadt entfernt liegt. Mehr als zwei Drittel des Breitfilz gelten als intaktes Hochmoor. Es ist wie alle Moore ein wichtiger Faktor für den Klimaschutz – als Kohlendioxidspeicher.
Allerdings ist das Breitfilz auch gefährdet. Bei einer Führung vor zwei Jahren hatte der Diplom-Biologie Helmut Hermann empfohlen, Bäume zu entfernen, die sich in den trockeneren Randbereichen des Moors angesiedelt haben. „Sie müssen raus, um das Moor zu retten.“ Tue man nichts, wachsen sich die noch kleinen Bäumchen zu einem Wald aus, der das Moor zerstört, erklärte er.
Breitfilz-Schutz: Dreierbündnis ruft Kinder zum Mitmachen auf
Genau zu so einer Aktion haben sich die Kinderrechteorganisation „Terre des hommes“, der Bund Naturschutz und die AWO-Mittagsbetreuung zusammengetan. Stattfinden soll sie am „1. Freiwilligen-Tag“, den der Landkreis Weilheim-Schongau für Samstag, 19. Oktober, ausgerufen hat. Was das Dreierbündnis noch braucht, sind Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren, die mitmachen wollen. „Man kann nicht früh genug damit anfangen, Kinder dafür zu sensibilisieren“, sagt Hannelore Jaresch, Vorsitzende des Bund Naturschutz. Auch wenn es, wie sie zugibt, für manche Kinder befremdlich sein mag, etwas auszurupfen, anstatt etwas zu pflanzen.
Breitfilz-Aktion: Moore sind Kohlendioxid-Speicher
Wie wichtig Moore sind, erklärt Uwe Herrmann, dessen Organisation „Terre des hommes“ ein Kinderrecht auf eine gesunde Umwelt propagiert: Erstens wirken Moore gegen das Artensterben, als Rückzugsort für Tiere und seltene Pflanzen. Zweitens nehmen sie mehr Stickstoff auf, als sie abgeben, was der Überdüngung der Landschaft entgegenwirkt. Und drittens nehmen Moore mehr Kohlendioxid auf, als sie abgeben, was für den Klimaschutz wichtig ist. „Deshalb müssen wir etwas machen, um die Moore zu erhalten“, sagt Uwe Herrmann.
Das heißt im konkreten Fall: das Breitfilz von Bäumen und Büschen befreien, die dem Moor das Wasser entziehen. Auf diese Weise, so Hannelore Jaresch, steige das Grundwasser, und das Moor vernässt wieder. Den Einwand, dass Bäume verschwinden, beantwortet Uwe Herrmann mit einem Vergleich: Jene drei Prozent der Erdoberfläche, die aus Moor bestehen, binden doppelt so viel CO2 wie jene 30 Prozent Erdoberfläche, die aus Wald bestehen.
Breitfilz-Aktion: Moorfläche soll von Bäumen und Büschen befreit werden
Unterstützt wird die Aktion vom Diplom-Biologen Helmut Hermann. Denn das Entfernen von Büschen und Bäumen soll „nicht wahllos“ geschehen. „Seltene Pflanzen dürfen nicht beschädigt werden“, sagt Hannelore Jaresch, etwa moortypische Bäume wie Spirken. Beseitigt werden Birken und Fichten. Helmut Hermann hat dafür eine etwa 500 Quadratmeter große Fläche ausgesucht, die hinter der Kleingartenanlage und rund 100 Meter westlich der Bahnlinie liegt. Sie befindet sich nicht unweit des Grabens, der laut Klimaschutzmanager Andreas Wowra vor einigen Jahren als erste Maßnahme zur Moor-Wiedervernässung geschlossen wurde.
Die Kinder haben am 19. Oktober die Aufgabe, umgeschnittene Bäume und Sträucher aus dem Moor herauszuziehen. 30 Buben und Mädchen können mitmachen, so Josef Rippel, Leiter der AWO-Mittagsbetreuung und Vize-Leiter des AWO-Kinderhorts an der Birkenstraße. Gerne auch mit der ganzen Familie.
Anmeldung über den Freiwilligen-Tag im Landkreis
Die Anmeldung für die Penzberger Moor-Aktion läuft über die Internetseite des landkreisweiten „1. Freiwilligen-Tags“: „www.freiwillig-stark.de“.
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