Seit Monaten bangen hunderte Beschäftigte bei Hörmann Automotive Penzberg (HAP) um ihre Arbeitsplätze – sie werden die nächsten Wochen weiter bangen müssen – und mit ihnen ihre Familien.
Update vom 11. April: Jetzt ist klar, wie es in Penzberg weitergeht: Das Werk von HAP wird komplett geschlossen. Das hat der Hörmann-Konzern am Donnerstag bekannt gegeben.
HAP-Mitarbeiter sind verzweifelt: „Die Motivation ist im Keller“
Penzberg – Beim letzten Verhandlungstermin zwischen der Penzberger Geschäftsleitung, der Hörmann Holding, der IG-Metall und dem Betriebsrat Ende Februar hatte sich der Arbeitgeber dazu verpflichtet, bis 20. April eine Betriebsvereinbarung vorzulegen (wir berichteten).
Wer nun aber gehofft hat, diese Vereinbarung könnte vielleicht eher vorliegen und die Beschäftigten damit endlich Klarheit über die Zukunft ihres Betriebes bekommen, wird vorerst enttäuscht. „Es gibt nicht Neues. Die Gefechtslage ist unverändert“, teilt Josef Brunner von der IG-Metall Bayern auf Nachfrage mit.
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Das bestätigt auch Thomas Nachtmann. Der HAP-Betriebsratsvorsitzende rechnet auch nicht damit, dass die Betriebsvereinbarung vor dem 20. April vorliegen wird und kritisiert das Vorgehen des Hörmann Konzerns als „hinhalten und beschwichtigen“. Nicht zu wissen, wie es weitergeht, das sei für die Beschäftigten eine „Hängepartie“, die „brutal an den Leuten und ihrer Psyche nagt“, gibt Nachtmann die Stimmung im Betrieb wieder. Bei vielen seiner Kollegen sei „die Motivation im Keller“.
Penzberg: Werden noch mehr als 400 Mitarbeiter bei HAP entlassen?
Wie bereits mehrfach berichtet, steht derzeit ein Stellenabbau von bis zu 400 Mitarbeitern in dem Penzberger Werk im Raum. Der Betriebsrat fürchtet indes, dass noch mehr Beschäftigte ihren Job verlieren könnten. Derzeit arbeiten bei HAP über 600 Stamm-Mitarbeiter.
Schwer wiegt auch der Umstand, dass es bis dato keine Zusagen für Abfindungen gäbe, so Nachtmann. „Wir erwarten bei Arbeitsplatzverlusten, dass den Leuten Abfindungen gemäß Sozialplan gezahlt werden“, betont Nachtmann.
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Wenn HAP selbst dafür nicht die nötige Substanz habe, müsse der Gesellschafter, also Hörmann, dafür gerade stehen. Es sei eine „Sauerei“ so mit Menschen umzugehen, die jahrelang Lohnverzicht geleistet und Beiträge eingezahlt hätten. Nachtmann stellt klar, dass der Betriebsrat von seiner Forderung nach Abfindungen nicht ablassen wird. „Diese Zusagen erwarten wir.“ Und wenn sie nicht gemacht werden? Dann „werden wir für unsere Abfindungen kämpfen – mit den legalen Mitteln, die wir zur Verfügung haben“. Konkreter wollte Nachtmann nicht werden.
Penzberg: Die HAP-Firmenzentrale hüllt sich in Schweigen
Sollte die Betriebsvereinbarung bis 20. April vorliegen, hat der Betriebsrat von HAP laut Nachtmann bis 5. Mai Zeit, dazu Stellung zu nehmen. Für den 10. Mai sei der nächste Verhandlungstermin anberaumt.
Um eine Stellungnahme gebeten, verwies der Konzern gestern nur auf diesen angesetzten Verhandlungstermin. VON FRANZISKA SELIGER