- VonWolfgang Schörnerschließen
Schock in Penzberg: Das Werk von HAP wird geschlossen. Das hat der Hörmann-Konzern bekannt gegeben. Jetzt äußert sich der ehemalige Werksleiter dazu - und macht klare Aussagen.
HAP-Werk in Penzberg wird geschlossen - Ex-Werkleiter äußert sich
Update, 12. April: Am Donnerstag hat der Hörmann-Konzern verkündet, bis Juni 2020 sein Penzberger HAP-Werk mit über 700 Arbeitsplätzen (630 Beschäftigte der Stammbelegschaft und rund 90 Leiharbeiter) zu
schließen und die Produktion zu verlagern, großteils in die Slowakei. Ralf Simon (75) kennt das HAP-Werk in Penzberg sehr gut. Er war von 1993 bis 1995 Werkleiter, als der Standort an der Seeshaupter Straße noch zu MAN gehörte. Später kehrte er zurück, um das Werk 2005 als ACP in die Selbstständigkeit zu führen. 2006 übernahm der Hörmann-Konzern bereits Anteile an ACP. 2008 übernahm der Konzern den Standort komplett. Ralf Simon verließ das Unternehmen 2009. Redakteur Wolfgang Schörner sprach mit ihm über die angekündigte Werkschließung.
Erstmeldung vom 11. April: HAP-Werk in Penzberg schließt
Penzberg - Der Hörmann-Konzern mit Sitz in Kirchseeon hat am Donnerstag die Verlagerung und Betriebsschließung des Penzberger HAP-Werks bekannt gegeben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden am Donnerstag im Rahmen einer Belegschaftsversammlung durch Dr. Michael Radke, CEO der Hörmann Gruppe, über diese Entscheidung und die weiteren Schritte informiert. „Wir bedauern die Schließung des Werkes Penzberg sehr“, erklärte Michael Radke in einer Stellungnahme des Konzerns. „Angesichts der seit Jahresbeginn schnell ansteigenden Verluste und des hohen Finanzbedarfs sehen wir leider keine Möglichkeit mehr für eine nachhaltige Fortführung der Gesellschaft.“
HAP-Werk in Penzberg wird geschlossen: Verlagerung der Produktion
Das Werk Penzberg soll laut Konzern bis zum 30. Juni 2020 geschlossen werden, wobei ein Großteil der Verlagerung bereits bis Ende 2019 erfolgen wird. Die Produktion werde in andere Werke des Geschäftsbereichs Automotive, der größte Teil in das in 2017 eröffnete Werk in Banovce in der Slowakei, verlagert. Infolge der Produktionsverlagerungen werden schrittweise alle rund 630 Arbeitsplätze am Standort Penzberg entfallen.
Folgende Begründung nennt der Hörmannn-Konzern in seiner Stellungnahme: „Das Werk Penzberg befindet sich seit vielen Jahren unter hohem Preisdruck, der sich durch starke Wettbewerber aus Osteuropa und den erhöhten Wettbewerbsdruck in der Nutzfahrzeugindustrie in den letzten Jahren deutlich verschärft hat. Nur durch regelmäßig erneuerte Ergänzungstarifverträge und weitreichende Entgeltverzichte der Mitarbeiter ist es seit der Finanzkrise 2009 gelungen, die Arbeitsplätze im Werk Penzberg über viele Jahre hinweg zu erhalten. Auch Gesellschafter und Geschäftsführer haben in den letzten Jahren alles unternommen, um die technologische Erneuerung des Werks voranzutreiben.“
So begründet Unternehmen Schließung des HAP-Werks in Penzberg
Weiter heißt es in der Konzern-Stellungnahme: „Seit der Übernahme in 2008 wurden mehr als 40 Mio. Euro in das Werk Penzberg investiert, ohne nur einen Euro Gewinn zu entnehmen. Im Jahr 2018 ist die HAP in die Verlustsituation geraten und weist einen Fehlbetrag in Höhe von 4,6 Mio. Euro aus – trotz einer hohen konjunkturbedingten Nachfrage und einer hohen Auslastung. Diese defizitäre Entwicklung setzt sich im laufenden Geschäftsjahr fort: Die Gesellschaft rechnet in 2019 mit einem erneuten Verlust von über 8 Mio. Euro. Bedingt durch die in der Nutzfahrzeugindustrie üblichen, relativ kleinen Losgrößen ist die Fertigung im Werk Penzberg durch einen hohen manuellen Arbeitsaufwand und eine hohe Personalintensität geprägt. Die Produktion von relativ einfachen Komponenten für Nutzfahrzeuge im Hochlohnland Bayern stellt aber seit geraumer Zeit ein strukturelles Problem dar – die Kosten sind im Branchenvergleich zu hoch. Auch die betriebswirtschaftliche Bewertung des zuletzt vom Management der HAP erarbeiteten Zukunftskonzepts für eine weitreichende Automatisierung der Produktion hat ergeben, dass die HAP bei hohen erforderlichen Investitionen im unteren zweistelligen Millionenbereich bis 2023 keine stabile Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage mehr erreichen kann. Externe Gutachten zu verschiedenen Zukunftskonzepten bestätigen, dass eine Rückkehr in eine nachhaltige Profitabilität bei diesem Produktspektrum aus strukturellen Gründen leider nicht mehr darstellbar ist.“
HAP-Werk in Penzberg wird dicht gemacht: 630 Arbeitsplätze betroffen
Der Hörmann-Konzern kündigte am Donnerstag ein „Sozialpaket zur Milderung der Folgen des Arbeitsplatzverlusts“ an. „Die Hörmann Gruppe“, wird Michael Radke in der Stellungnahme zitiert, sei sich „seiner sozialen Verantwortung für die betroffenen Mitarbeiter sehr wohl bewusst und wird diese im Rahmen der begrenzten finanziellen Möglichkeiten auch bestmöglich wahrnehmen“. Zu dem Sozialpaket gehören laut Konzern „neben einem Sozialplan (in Anlehnung an den bestehenden Rahmensozialplan) ein Sonderfonds für soziale Härtefälle und eine konzertierte Aktion zur Vermittlung offener Stellen in enger Zusammenarbeit der Hörmann Personalabteilung, der Agentur für Arbeit und verschiedenen Institutionen der Politik.“ Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Alle freien Stellen an anderen Standorten der Hörmann Gruppe sollen den Mitarbeitern des Werks Penzberg mit Priorität angeboten und ein Standortwechsel durch Mobilitätshilfen unterstützt werden. Für die Gestaltung der Verlagerung und Betriebsstilllegung wurde die Hörmann Automotive Penzberg GmbH heute aus dem Konzern der Hörmann Industries GmbH ausgegliedert und an die nicht-öffentliche Hörmann Beteiligungsgesellschaft „FTH Fahrzeugteileholding GmbH“, Chemnitz, übertragen.“ Für die Finanzierung des Sozialpakets kündigt Hörmann Automotive ein Volumen von rund 20 Mio. Euro an, das der Konzern der HAP zur Verfügung stellt. Die Geschäftsführung, heißt es weiter, beabsichtige, bereits in der nächsten Woche die Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IG Metall über einen Interessenausgleich und Details des Sozialplans aufzunehmen.
Über Monate bangten hunderte Beschäftigte bei Hörmann Automotive Penzberg (HAP) um ihre Arbeitsplätze – und mit ihnen ihre Familien.
