VonFranziska Seligerschließen
Das Penzberger KinoP steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Betreiber haben alle Mitarbeiter ausgestellt. Für die kommenden zwei Wochen ist das Kino erst einmal geschlossen. Im Anschluss werden die Öffnungstage reduziert. Eine komplette Schließung soll so verhindert werden.
Penzberg – Einfach war es für Claudia und Markus Wenzl nie, das Penzberger KinoP zu betreiben. Als kleines Programmkino, das lieber besondere Filme zeigen möchte statt der großen Blockbuster aus Hollywood, war es für das Betreiber-Ehepaar immer schwierig, viele Besucher in ihre Kinosäle zu locken und genug Einnahmen für den laufenden Betrieb und die Löhne der Mitarbeiter zu erwirtschaften.
Pandemie und Ukraine-Krieg verschärften die wirtschaftliche Situation
Mit der Corona-Pandemie, während derer Kinos phasenweise komplett schließen mussten und später strenge Auflagen hinsichtlich der Besucherzahlen zu beachten hatten, verschärfte sich die wirtschaftliche Situation. Und nach der Pandemie wurde es auch nicht besser. Bereits Ende vergangenen Jahres berichtete Markus Wenzl, dass zwar die Auflagen an die weggefallen seien, die Menschen aber trotzdem nicht ins Kino zurückkämen. Manche, so vermutete Wenzl damals, hätten nach wie vor Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus. Viele würden auf einen Kinobesuch aber wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten durch den Ukrainekrieg verzichten.
Seitdem hat sich die finanzielle Situation für die Betreiber, die für ihr herausragendes Kino-Programm bereits mehrfach ausgezeichnet wurden, nicht verbessert.
Wie Wenzl nun auf Nachfrage der Heimatzeitung mitteilt, seien Anfang diesen Monats alle vier Mitarbeiter ausgestellt worden. Er und seine Frau wollen ab sofort alleine im Kino arbeiten – so, wie zuletzt in den Anfangszeiten des kleinen Lichtspielhauses.
Vor der Pandemie, sagt Wenzl, seien die ersten Monate eines Jahres immer besonders besucherstarke Zeiten gewesen, in denen viel Geld in die Kinokasse gespült worden sei, das auch als wichtiges finanzielles Polster diente, wenn die Besucherzahlen im Sommer saisonbedingt zurückgingen. „Aber heuer haben wir noch keinen Pfennig Geld verdient“, sagt Wenzl. Es kämen viel zu wenige Besucher. „Wir haben heuer in der ersten Jahreshälfte keine Rücklagen aufgebaut.“ Im Mai habe man noch versucht, durch das Zeigen von Mainstream-Filmen mehr Publikum anzulocken. „Aber das ist in die Hose gegangen.“
Dass nun alle Mitarbeiter ausgestellt worden seien, sei eine „Notbremse“, mit der Ausgaben reduziert und der Fortbestand des Kinos gesichert werden solle.
Kino bis 28. Juni wegen Betriebsurlaubs geschlossen
Seit dem gestrigen Dienstag ist das Kino vorerst außerdem für zwei Wochen geschlossen – wegen Betriebsurlaubs, sagt Wenzl. So eine urlaubsbedingte Schließung habe es schon lange nicht mehr gegeben. Ohne Mitarbeiter sei sei es anders aber nicht möglich.
Ab Donnerstag, 29. Juni, sei das Kino wieder geöffnet. Dann aber nicht mehr an sieben Tagen die Woche wie bisher. Da er und seine Frau den Betrieb künftig alleine stemmen wollen, werde das KinoP bis auf Weiteres zwei Ruhetage pro Woche haben; und zwar immer dienstags und mittwochs. Ausnahme seien die bayerischen Sommerferien. In diesen sechs Wochen würden an sieben Tagen pro Woche Filme gezeigt. Die Eintrittspreise blieben unverändert, Sie seien heuer bereits erhöht worden. Dass ein Kino Schließtage einführe, sei in der Brache vermehrt zu beobachten, so Wenzl. Viele Kino kämpften um ihre Existenz.
Der Penzberger hofft nun darauf, dass das neue Konzept ohne Personal aufgeht. Und er hofft, dass die Monate Juli und August zumindest so gut laufen, dass die laufenden Kosten für Miete und Co. gedeckt werden können, bevor im Herbst und Winter die Besucherzahlen jahreszeitlich bedingt hoffentlich wieder steigen.
Heuer findet kein Kino-Open-Air statt
Ein Kino-Open-Air wie in den vergangenen beiden Jahren sei heuer nicht machbar. „Das haben wir nicht im Kreuz“, bedauert Wenzl. Nicht nur deshalb, weil so eine große Veranstaltung für zwei Personen zu viel wäre. Mit dem Open-Air auf der Berghalde sei in der Vergangenheit auch nicht viel Geld verdient worden. Dazu hätten viel mehr Besucher kommen müssen. Immerhin: „Wir haben nicht vor, es ganz aufzugeben“, versichert Wenzl. Vielleicht könne das Festival 2024 wieder stattfinden. Aufgeben möchte Wenzl auch das KinoP nicht. An eine komplette Schließung würden er und seine Frau nicht einmal denken. „Davon gehen wir nicht aus.“ Sie wollen weiter machen. „So lange es geht.“

