Podiumsdiskussion

Was wird aus dem ehemaligen Alpamare? Hoefter und Stadt entwerfen gegensätzliche Visionen

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Seit 2015 ist das Alpamare in Bad Tölz geschlossen.
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Seit das Alpamare und der Jodquellenhof in Bad Tölz geschlossen sind, ist die Lage zwischen Stadt und Jod AG verfahren. Nun äußerten sich beide Seiten öffentlich.

Bad Tölz – Man müsse miteinander reden: Das ist eine der am häufigsten gehörten Forderungen, wenn es um das belastete Verhältnis zwischen der Stadt Bad Tölz und der Jod AG geht. Genau das ist nun am Dienstagabend passiert – sogar öffentlich: Auf Einladung der Freien Wählergemeinschaft (FWG) tauschten sich Jod-AG-Chef Anton Hoefter, Bürgermeister Josef Janker (CSU) sowie FWG-Stadtrat und Bürgermeisterkandidat Michael Lindmair in einer Podiumsdiskussion aus. Die Tatsache dieses gemeinsamen Auftritts ist schon an sich eine Nachricht wert. Ob er auch der Anfang von etwas Neuem war, blieb offen.

Für die meisten Bürger ist die Gelegenheit selten, einmal von Hoefter aus erster Hand zu hören, welche Vorstellungen er für die künftige Nutzung der ehemaligen Areale von „Jodquellenhof“ (geschlossen 2014) und „Alpamare“ (geschlossen 2015) hat. Das ist eine zentrale Frage für die Zukunft des ganzen Badeteils. Entsprechend groß war das Publikumsinteresse: Der Saal der „Alten Schießstätte“ war mit geschätzt 150 Besuchern voll.

Vision fürs Badeteil Bad Tölz 2030: Spielende Kinder und Picknick im Kurpark

Sehr anschaulich schilderten die Teilnehmer zu Beginn auf Aufforderung von Moderator Tobias Fuhrmann ihre Visionen für einen Spaziergang vom Vichyplatz bis zum Kurhaus im Jahr 2030. Gemeinsam hatten Hoefter und Lindmair dabei noch, dass sie den Kleinen Kursaal als eine „Markthalle“ sahen. Auf dem Weg über die Ludwigspromenade ließ der Jod-AG-Chef allerdings „Büroflächen links und rechts“ vor das geistige Auge der Zuhörer treten. „Dort könnten sich kleinere und größere Unternehmen ansiedeln – aus Wirtschaftszweigen, die zukunftsträchtig sind.“ Dazu malte sich Hoefter aus, dass auf der Ludwigspromenade und den umgebenden Grünflächen Kinder spielen, und Arbeitnehmer in der Mittagspause picknicken. Denn bis dahin sei das Badeteil ein Viertel, in dem es eine gute Mischung aus Arbeiten und Wohnen, aus Familien, jungen und älteren Menschen gebe. In der Wandelhalle des Jahres 2030 schwebte Hoefter in der Rotunde ein gastronomischer Betrieb vor, „betrieben von Peter Frech, mit einem großen Grill in der Mitte“.

Hoefter: Zukunft von Bad Tölz liegt nicht im Tourismus

Etwas anders gestaltete sich der gedankliche Kurpark-Spaziergang mit Lindmair. Er malte den Zuhörern nämlich aus, wie 2030 die Hotelgäste aus dem bestens etablierten Hotel Jodquellenhof strömen und wie schöne Klänge aus einem Musikpavillon im Herdergarten erklingen. In der Wandelhalle stellte er sich neben einer Gastronomie auch einen Veranstaltungs- und Seminarraum vor. Fürs Kurhaus entwarf er das Bild von einem schönen Innenhof auf der Rückseite, einer Tiefgarage unter der Türk-Wiese und einem weiteren Seminargebäude, über eine Brücke verbunden mit dem Kurhaus.

Großes Publikumsinteresse: Der Saal der „Alten Schießstätte“ war am Dienstagabend voll.

Janker ergänzte diese Vision um den Wunsch, dass im „Jodquellenhof“ auch ein Spa untergebracht wäre. Seine Vision fürs Badeteil entspreche weiterhin den Eckdaten des Konzepts „Neue Tölzer Hotelkultur“ von 2011.

Als Fuhrmann das Publikum abstimmen ließ, ob ihnen die Vision Lindmairs oder Hoefters besser gefalle, hoben je etwa gleich viele Menschen die Hand.

Michael Lindmair will als Bürgermeister auf Kompromiss hinwirken

Hoefter machte klar, dass er die Zukunft von Bad Tölz nicht im Tourismus sieht. „Tölz liegt weder am Meer, an einem See noch in den Bergen.“ In den vergangenen zehn Jahren seien die Übernachtungszahlen hier um 30 Prozent zurückgegangen, während sie in Oberbayern im gleichen Zeitraum um 30 Prozent gestiegen seien. Tölz brauche keine neuen Betten, wenn die vorhandenen zu weniger als 40 Prozent ausgelastet seien. „Tourismus in Tölz – das ist für mich bloß der romantisch verbrämte Blick zurück“, sagte er. Das sei „Zeitverschwendung“.

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Janker widersprach: Die Bettenauslastung sei in Bad Tölz mit gut 45 Prozent etwa so hoch wie am Tegernsee. „Das ist bei Gott nicht schlecht.“ Die aktuell „hervorragenden Zahlen“ der heimischen Gastgeber zeigen laut Janker: „Man kann hier Geld mit dem Tourismus verdienen.“ Auch Lindmair betonte: „Ich glaube auf alle Fälle, dass touristische Unternehmen in Tölz wirtschaftlich zu betreiben sind.“ Tölz punkte mit seiner „super Lage in der Mitte zwischen München und den Bergen“. Ein Grundeigentümer könne freilich mit Wohnbebauung einen weit höheren Erlös erzielen als mit einer touristischen Nutzung. „Es darf allerdings nicht der Anspruch der Stadt sein, der Vision nachzugehen, mit der der Einzelne am meisten Gewinn macht.“

Damit man bis 2030 überhaupt eine Veränderung sehe, sei ein Kompromiss nötig, so Lindmair. „Den würde ich gerne herbeiführen, wenn ich Euer Bürgermeister sein darf.“ Dazu würde er als ersten Schritt mit dem neuen Stadtrat in Klausur gehen und sich untereinander auf ein Konzept einigen, „mit dem alle leben können“.

Irgendwann vernagelte Fenster wie einst in Bad Heilbrunn?

Auch Hoefter erklärte, er wolle keinen Stillstand. „Entstanden ist der Stillstand aber in erster Linie dadurch, dass sich die Mehrheit im Stadtrat auf eine rein touristische Nutzung festgelegt hat, die nicht umsetzbar ist. Wenn das behoben ist, kann man über Kompromisse reden.“ Wie berichtet hat die Jod AG Klage gegen den entsprechenden Bebauungsplan eingereicht. Eine Gerichtsentscheidung steht noch aus.

Gemeinsamer Auftritt: Unter der Moderation von Tobias Fuhrmann (li.) diskutierten auf dem Podium (v. li.) Anton Hoefter, Michael Lindmair und Josef Janker. Die ebenfalls eingeladene Tourismus-Forscherin Felizitas Romeiß-Stracke war erkrankt.

Tunlichst vermied es Hoefter, sich öffentlich auf irgendetwas festlegen zu lassen. Selbst auf Fuhrmanns Frage, ob er versprechen könne, dass es am „Jodquellenhof“ keine vernagelten Fenster geben werde wie einst am Kurhotel in Bad Heilbrunn, klang der Jod-AG-Chef unverbindlich: „Wenn wir eine gute Lösung finden, werden wir eine Situation wie in Bad Heilbrunn vermeiden können.“

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SPD-Stadtrat Willi Streicher, der im Publikum saß, bat Hoefter konkret, den Parkplatz hinter dem Alpamare zu aktivieren und in Zukunft den Herderpark nicht mit Bebauung zu überplanen („Mir würde das Herz bluten“). Die Nutzung des Parkplatzes blockiere die Stadt selbst mit dem Bebauungsplan, der nur eine rein touristische Nutzung der Flächen zulasse, sagte dazu Hoefter. Und zum Herderpark antwortete er: „Wenn wir planen, dann tun wir das sorgfältig. Wir wollen einen Großteil des Parks schützen.“

Bub schlägt für Alpamare-Gelände eine Kartbahn vor

Für Belebung sorgte eine weitere Wortmeldung aus dem Publikum: Max, etwa zwölf Jahre alt, schlug vor, auf dem Alpamare-Gelände eine Kartbahn zu schaffen. „Sonst kann man in meinem Alter im Badeteil nichts machen.“ Lindmairs Antwort: „Eine Kartbahn ja, aber nicht im Badeteil.“ Hoefter zeigte sich aufgeschlossener. Er habe selbst seine Kindheit im Badeteil verbracht. „Da hieß es immer nur: ,Pssst. . .leise!‘“ Ein Kurpark habe keinen Sinn mehr, „wenn es keine Kur mehr gibt. Machen wir also was Cooles draus“, so Hoefter. Da schreckte Janker auf: „Der Kurpark steht unter Denkmalschutz und ist wichtig, solange wir das ,Bad‘ Tölz erhalten wollen. Lasst die Finger vom Kurpark!“

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