VonDoris Schmidschließen
Der Siegerentwurf kann beides: Er vereint Bürger- und Jugendzentrum unter einem Dach. Wir haben uns den Entwurf näher angeschaut.
Geretsried – Die Südansicht erinnert an die Oper in Norwegens Hauptstadt Oslo. „Ja, dieser Gedanke kam uns auch“, sagt der Münchner Architekt Michael Beck. An sein Büro, Nova-Architekten, ging der erste Preis des Planungswettbewerbs für ein Bürger- und Jugendzentrum in Geretsried-Stein.
An dem Wettbewerb, den die Stadt ausgelobt hatte, beteiligten sich wie berichtet elf Architekturbüros. Ihre Entwürfe sind noch bis Montag, 26. November, im Quartierstreff in Stein ausgestellt. Die Aufgabe, ein Bürger- und Jugendzentrum zu planen, „haben zwei ganz gut hinbekommen“, sagt Stadtbaurat Rainer Goldstein auf Nachfrage. Vorgabe war, dass Jugendzentrum und Bürgerhaus für sich allein funktionieren, sich aber auch zusammen nutzen lassen – und das möglichst unter einem Dach.
Dem Büro Nova-Architekten gelang das am besten. „Insgesamt stellt die Arbeit eine atmosphärische und stimmige Lösung der gestellten Aufgabe dar“, heißt es in der Begründung der Jury, der unter anderem einige Architekten, Bürgermeister Michael Müller, Stadträte sowie Rudi Mühlhans, Geschäftsführer des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit, angehörten. Und vermutlich wird der Bau des Bürger- und Jugendzentrums nach diesen Plänen auch einiges kosten. „Form und Volumen des Gebäudes lassen eher überdurchschnittliche Erstellungskosten erwarten“, so die Jury.
Der Siegerentwurf vereint Jugendzentrum und Bürgerhaus und trennt sie trotzdem klar voneinander ab. Jeder Bereich hat einen separaten Eingang. Der des Bürgerhauses befindet sich an der Westseite des zweigeschossigen Gebäudes. Links neben dem Eingang gibt es ein Lesecafé, einen Medienbereich sowie ein Quartiersbüro. Im hinteren Bereich liegen Garderoben und ein großer Veranstaltungsraum, der sich teilen lässt. Südlich davon befinden sich eine Küche, ein Stuhllager und WCs. Im Obergeschoss sind Mehrzweckräume, zum Beispiel für die Volkshochschule, vorgesehen.
Der eigene Eingang des Jugendzentrums liegt an der Nordfassade. Dieser Teil des Gebäudes ist wie der Jugendtreff Ein-Stein eingeschossig. Geplant sind eine offene Küche, eine Werkstatt und ein großer Multifunktionsraum sowie Toiletten. Ergänzt wird das Ganze durch einen Bandraum, ein Billardzimmer, ein Büro, ein Lager und Gruppenräume. Außerdem gibt es Richtung Süden eine großflächige, überdachte Terrasse. „So lassen sich auch bei schlechtem Wetter die Räume öffnen“, erklärt Architekt Beck.
Der Innenhof des Gebäudes bietet Platz für einen Spiel- und Sportbereich. Eingezeichnet sind Spielgeräte, eine Kletterwand und Sitzgelegenheiten. „Auf die wertvolle und raumprägende Baumgruppe wird dabei Rücksicht genommen“, urteilt die Jury. Das heißt, dass die großen Bäume im Südosten des Grundstücks erhalten bleiben können.
Die Fassade des Gebäudes ist zum großen Teil mit Holzlatten verschalt. Und es gibt laut Beck noch eine fünfte Fassade: das vollständig begrünte Dach. „Das war uns sehr wichtig.“ Einmal natürlich aus ökologischen Aspekten. Und: Da die Nachbarn doch ein relativ großes Gebäude vor sich hätten, sollte das Dach einen freundlichen Charakter haben.
Im nächsten Schritt wird die Verwaltung für den Stadtrat einen Beschlussvorschlag erarbeiten. Gibt das Gremium sein Placet, kann das Planungsbüro seinen Entwurf überarbeiten und mit Kosten hinterlegen. Dann kann der Stadtrat eine Entscheidung über den Bau des Bürger- und Jugendzentrums fällen. Das wird vermutlich nächstes Jahr sein.
nej
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