Alles zurück auf Start

Da Kini funkt dazwischen: Was Ludwig II. mit einem Funkmast in Prien-Stock zu tun hat

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Die Sichtachse des frischgebackenen Welterbes Schloss Herrenchiemsee – wird sie von einem geplanten Mobilfunkmast (rotes Kreuz) in Prien-Stock gestört?
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Das Mobilfunknetz in Prien-Stock lässt zu wünschen übrig. Deshalb soll ein neuer Mast her. 42 Meter hoch und schlank. Wird dadurch die Sichtachse des UNESCO-Welterbes Herrenchiemsee beeinträchtigt?

Prien am Chiemsee – Ein Mobilfunkmast rund 300 Meter vom Chiemseeufer entfernt? In Stock? Nach Ansicht der Marktgemeinde nötig, um die vorhandene Versorgung – inklusive 5G – zu verbessern. Als geeigneter Standort kam nach Ansicht von Verwaltung und Marktgemeinderat eine 156 Quadratmeter große Ecke des großen Parkplatzes „S2“ (Nähe Klinik St. Irmingard) infrage. Denn mitten in die benachbarten Grünflächen wollte man den 42 Meter hohen schlanken Schleuderbetonmast nicht stellen.

Das wäre allerdings die einfachste Lösung gewesen, denn dazu wäre aufgrund des Mobilfunk-Vorrangs kein aufwendiges Genehmigungsverfahren notwendig. So aber ging die Marktgemeinde in die Änderung des Bebauungsplanes „Stock - Süd“. Im vereinfachten Verfahren. Das allerdings lehnte das Landratsamt jetzt ab: Es handele sich nicht um eine typische Maßnahme der Innenentwicklung, deswegen sollte, um einen angreifbaren Verfahrensfehler zu vermeiden, ein Normalverfahren durchgezogen werden. „Wir müssen wieder zurück auf Start“, kommentierte dies Bauamtsleiter Thomas Lindner.

Tiere, Pflanzen, Landschaftsbild

Zum qualifizierten Bebauungsplanverfahren gehört ein Umweltbericht. In dem sind nicht nur alle Pflanzen- und Tiervorkommen enthalten, es geht auch um das Landschaftsbild. Die Regierung von Oberbayern sieht aufgrund des gewählten Standorts keine große Beeinträchtigung, auch wenn der Funkmast zwölf Meter höher ist als im Regionalplan vorgesehen. So ihr Schreiben bei der Anhörung der Träger öffentlicher Belange. Das möge die Untere Naturschutzbehörde (UNB) am Landratsamt überprüfen, heißt es weiter.

Umweltbericht nicht vor Herbst

Die geht in ihrer Antwort allerdings so gar nicht auf das Landschaftsbild ein. Am wichtigsten ist ihr der Schutz des Wurzelwerks der umgebenden Bäume, wie Bürgermeister Andreas Friedrich im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung und chiemgau24.de festhält. Der Umweltbericht ist noch in Arbeit, wohl nicht vor Herbst fertig, fügt der Bürgermeister hinzu.

Wird Welterbe zum Problem?

Das Problem: Schloss Herrenchiemsee, Ludwig II. unvollendete Verbeugung vor Versailles. Seit Mitte Juli UNESCO-Welterbe. Teil des Bewerbungsprozesses ist die Verpflichtung der Kommunen, die Sichtachsen um das Bauwerk frei zu halten. Ist der Handy-Spargel vom Schloss aus zu sehen?

Die Verwaltung der bayerischen Schlösser, Gärten und Seen hat da mal was vorbereitet. Und dafür ein für Windkraftanlagen gedachtes Visualisierungstool zweckentfremdet. Die damit erstellten Grafiken zeigen: Die zentrale Sichtachse vom Schloss über die Insel aufs Festland wird vom Mobilfunkmast nicht gestört. Er ist vom Schloss aus schlicht nicht zu sehen. Auch vom großen Kanal aus sieht man zwar das Prienavera, nicht aber den Mast. Der ist nur vom Schiff oder von Urfahrn aus zu sehen.

Wie man sieht, sieht man nichts: Der Blick vom großen Kanal auf der Herreninsel aufs Festland. Das Prienavera ist als heller Fleck in der linken Bildhälfte zu erahnen.

Schlanker Mast in gedeckten Farben

Da allerdings stört er nach Ansicht der Schlösser-, Gärten- und Seen-Verwaltung das Landschaftsbild denn doch. Wenn es keinen geeigneteren Standort gebe, sollte der Mobilfunkmast zumindest nicht in grellen Farben sondern in gedeckten Tönen gestrichen werden. Was laut Lindner ohnehin geplant ist. Und einen geeigneteren Standort hat die Gemeinde lange gesucht, aber nicht gefunden, erklärt Friedrich auf Nachfrage der Redaktion.

Leistungsstarker Mast auf der Herreninsel

Kuriosum am Rande: Vier Wochen, bevor die Königsschlösser tatsächlich Welterbe wurden, wurde auf der Herreninsel ein leistungsstarker Mobilfunkmast aufgestellt. Der wird laut Schlösser-, Gärten- und Seenverwaltung demnächst in Betrieb genommen. Ob der nicht den Bau des Stocker Masten entbehrlich machte? Tut er nach Ansicht des Priener Bauamtes nicht. Die Leistung reicht nicht aus.

Was Ludwig II. zu dem Mast gesagt hätte? Kann nur gemutmaßt werden. Eines ist sicher: Der in vielerlei Hinsicht weltfremde Kini war ein Technik-Narr.

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