VonTamara Scheidschließen
50 Schüler aus Jahn-, Lettenholz- und Südschule lernen bei einem besonderen Projekt, wie eine Stadt funktioniert.
Bad Tölz – Durch seine Stadt marschierte der zehnjährige Korbinian, als würde er tagtäglich nichts anderes machen. Kannte jede Firma und die meisten Mitarbeiter. Erst einen Tag zuvor haben ihn die anderen Kinder zum Bürgermeister gewählt, zum Oberhaupt der Kinderstadt „Südtal“ – ein Projekt, das drei Tage lang in den Räumen der Tölzer Südschule stattgefunden hat.
Ein Jugendcafé mit Getränken, Brownies und Zuckerwatte, ein Fitness-Studio in der Turnhalle, eine Holzwerkstatt, in der Tischtennisschläger, Notizständer und Bilderrahmen hergestellt wurden: Vielfältig war das Angebot für die Mädchen und Buben, kreativ zu werden und in verschiedene Berufe spielerisch hineinzuschnuppern. Trotz der Ferien kamen 50 Kinder von der dritten bis zur sechsen Klasse aus Jahn-, Lettenholz- sowie der Südschule zusammen, um bei dem in dieser Form neuen Projekt mitzumachen. Und dabei sollten sich die Teilnehmer nicht nur kennenlernen und Spaß haben, sondern auch kreativ werden und Erfahrungen sammeln. Sei es in der Küche des Restaurants „Zum Feinschmecker“, in der täglich das Mittagessen zubereitet wurde, in der Fahrradwerkstatt, wo der richtige Umgang mit Werkzeug erlernt werden konnte, oder in der Kreativwerkstatt, in der Ohrringe, Anstecker und Knetseife hergestellt wurden.
Ebenso wurden freie Arbeitsplätze beim Arbeitsamt gemeldet, wie auch der Lohn pro geleisteter Arbeitsstunde bei der Bank ausgezahlt. Auch eine eigene Währung haben sich die Kinder für ihre Stadt ausgedacht: Für eine Stunde Arbeit etwa gab es vier Dolly, davon musste ein Dolly versteuert werden. Ihre Einnahmen durften die Mädchen und Buben wiederum in anderen Firmen ausgeben.
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Organisiert haben das Projekt die Schulsozialarbeiterinnen Kerstin Laugk (Jahnschule), Birgit Armbruster und Stefanie Koehler (beide Südschule) in Zusammenarbeit mit vielen haupt- und ehrenamtlichen Helfern. Gesponsert hat das Projekt das Amt für Jugend und Familie. So konnten die Organisatoren im Vorfeld genügend Materialien und Lebensmittel kaufen.
Am Ende eines jeden der drei „Arbeitstage“, die jeweils bis 15 Uhr dauerten, trafen sich die Mädchen und Buben zu einer Bürgerversammlung. Dort besprachen sie, wie der Tag gelaufen ist, was gut war und was verbessert werden musste, erklärte Armbruster.
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Im Herbst wollen sich die Verantwortlichen zusammensetzen und überlegen, ob das Projekt auch im kommenden Jahr stattfinden soll, sagte Laugk. Wenn es nach Bürgermeister Korbinian geht, lautet die Antwort: auf jeden Fall. „Die Kinderstadt hätte ich gerne drei Wochen“, sagte er. „Oder sogar alle sechs Wochen der Sommerferien.“
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