VonDieter Dorbyschließen
Für die Anwohner des Harzbergs in Miesbach ist es derzeit ein schmerzvoller Zustand. Sie müssen seit Tagen mit ansehen, wie der Hallenwald am Harzberg in Miesbach immer mehr ausgedünnt wird.
„Die Motorsägen röhren seit Tagen“, beschreibt es eine Anwohnerin. „Und die großen Prozessoren mähen ganze Bäume nieder und verwüsten den Waldboden so stark, dass dort sicherlich erst mal nichts mehr wächst.“
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Seit eineinhalb Wochen laufen die Arbeiten im Hallenwald am Harzberg. Wie berichtet, lässt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen dort im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) Bäume fällen, die als Brutstätte für den Schädling infrage kommen. Grundlage ist ein Durchführungsbeschluss der Europäischen Union. Auf derselben Grundlage werden im benachbarten Siedlungsbereich unter Leitung der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Bäume entnommen.
„Uns stehen die Tränen in den Augen“
„Uns stehen seit Tagen die Tränen in den Augen“, beschreibt es die Anwohnerin. „Deshalb werden wir über die Osterfeiertage abends im Hallenwald immer wieder Mahnwachen veranstalten mit Grablichtern und Kerzen, die an die wunderschönen alten Bäume erinnern.“ Sie sollen demonstrieren, dass man zwar den Kampf gegen die Institutionen verloren habe, aber mit der ganzen Vorgehensweise ganz und gar nicht einverstanden sei. „Wir gedenken unserer Bäume, die so sinnlos geopfert wurden.“
Anwohner erwarten weitere Probleme
Die ganze Lage sei katastrophal, stellt die Miesbacherin fest: „Die großen Löcher, die durch die massiven Abholzungen entstanden sind, werden
auch die nachwachsenden Bäume belasten, da das Sonnenlicht und die Trockenheit nun ungefiltert auf die kleinen Bäumchen trifft, die keinerlei Schatten mehr von den alten Buchen bekommen. Und das alles wegen zwei Larven-Funden.“
Christian Webert, Bereichsleiter Forst und stellvertretender Leiter des AELF, sieht solche Aktionen skeptisch: „Es ist absolut legitim, seine Meinung zu äußern. Uns geht es vor allem aber um die Sicherheit, damit auf dieser Fläche nichts passiert. Wir können hier nur an die Vernunft der Bürger appellieren.“ Da ein Verstoß des Betretungsverbots nicht auszuschließen sei, habe man am Donnerstagnachmittag mit großer Sorgfalt das Gelände kontrolliert und freigeräumt.
Erste Gespräche zur Wiederaufforstung
In Sachen Neuanpflanzung habe es jetzt ebenfalls schon erste Gespräche mit Bauhofleiter Jürgen Fischer und Forstrevierleiter Peter Lechner gegeben. „Wir haben uns ausgetauscht, welche Pflanzenmischung auf dem stadteigenen Teil denkbar wäre“, berichtet Webert. „Vielleicht ist sogar vor dem Herbst eine Anpflanzung möglich.“ Auch Sträucher gehörten dazu. Lechner habe zudem den Auftrag erhalten, diesbezüglich Planungen zu erstellen. Webert: „Der Prozess läuft.“
ddy

