Der Tölzer Geologe Kurt Kment nahm die Zuschauer bei einem Vortrag im Naturparkhaus Hinterriß mit auf eine spannende Zeitreise in die Erdgeschichte.
Hinterriß – Die Gipfel im Vorkarwendel – etwa Vorderskopf, Rohnberg und Schafreuter – haben vielleicht nicht die spektakulären hochalpinen Formen wie die höheren Felszinnen des Hauptkamms. Doch sie bieten eine Menge geologischer Besonderheiten, darunter einen Ort von einzigartiger wissenschaftlicher Bedeutung. Die „vielfarbige, geheimnisvolle Welt der Gesteine“ zeigte jetzt der Tölzer Diplom-Geologe Kurt Kment anhand von Fotos bei einem Vortrag im Naturparkhaus Hinterriß.
Das geübte Auge des Geologen findet im Vorkarwendel relativ dicht nebeneinander viele Zeugnisse aus den vier Erdzeitaltern Trias, Jura, Kreide und Tertiär. Mit einem „Goldenen Nagel“ markiert ist Kment zufolge ein „schwer zugänglicher, für Geologen jedoch äußerst bedeutsamer und weltweit einzigartiger Ort“ bei Hinterriß. Mit dem „Goldenen Nagel“ werden besondere geologische Formationen „aufgespießt“, die ab diesem Zeitpunkt international als Referenzpunkt für die Forschung dienen. Im Fall des Ortes bei Hinterriß wird der erdgeschichtliche Übergang vom Trias zum Jura ungewöhnlich gut dokumentiert.
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Wie Kment erläuterte, werden unterschiedlich harte Gesteinsschichten (zum Beispiel Plattenkalk, Mergel und Ton) von der Bodenerosion unterschiedlich schnell abgetragen. An den sichtbaren Übergängen erschließe sich dem Geologen die Geschichte von der Entstehung und Abtragung des Gebirges. Bei der Spurensuche lassen sich demzufolge viele Fossilien finden: Das sind die versteinerten Zeugnisse von Jahrmillionen alten Ammoniten und Schnecken, seltener auch von Wirbeltieren wie Fischsauriern, die hier im Urozean lebten.
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Für die Bodenschätze des Karwendels habe sich der Mensch spätestens seit dem Mittelalter interessiert. Dafür führte Kment wichtige Beispiele auf: den immer noch betriebenen Ölschieferabbau im Bächental, eine uralte Bergwerkshalde am „Kasten“ im innersten Zentrum des Gebirges sowie die historischen Bergwerkstollen bei Mittenwald, Scharnitz und im Halltal. Dort wurden früher Blei, Zink und andere wertvolle Erze abgebaut.
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Das Naturparkhaus bietet den Besuchern einen Themenweg „Goldener Nagel“ sowie einen „Geocache Nature Trail“ mit sieben Stationen an, die das Wissen über die geologischen Besonderheiten vermitteln.
Ein weiterer Vortrag
eines Experten aus dem Tölzer Land steht am Donnerstag, 11. Juli, um 19.30 Uhr auf dem Programm des Naturparkhauses. Dann spricht der Forstbeamte und Kochler Revierleiter Max Leutenbauer über forsthistorische Themen.
Rainer Bannier