Konzert im Kloster Benediktbeuern

Quadro Nuevo im Allianzsaal: Ungewohnt und doch vertraut

+
Die Musiker von Quadro Nuevo gaben ein außergewöhnliches Konzert.

Mit einem Weihnachtskonzert der besonderen Art haben nun die bekannten Musiker von Quadro Nuevo das Publikum in Benediktbeuern begeistert.

Benediktbeuern „Wir wurden eben gefragt, wie lange wir jetzt schon Weihnachtslieder spielen. Seit gut drei Wochen sind wir schon mit dem Programm unterwegs“, erklärt Mulo Francel dem Publikum im brechend vollen Allianzsaal. „Euer Glück: Jetzt können wir’s richtig gut“, scherzt er.

Wenn Quadro Nuevo sich ansagt, genügt offenbar der schlichte Titel „Weihnacht“, dass die Fans in Scharen kommen. Denn sie wissen, dass sie bei diesem Ensemble immer etwas Besonderes zu erwarten haben. Und so bietet auch das Weihnachtsprogramm bekannte Titel in sehr ausgefallenen Arrangements, die den (allzu) vertrauten Kern erst allmählich enthüllen. Mit Xylofon und Harfe, ganz zarten, sachten Klängen, die irgendwann die Assoziation leise fallender Schneeflocken auslösen, hatte der Abend begonnen. Irgendwann schält sich die Melodie „Leise rieselt der Schnee“ daraus hervor – perfekt umgesetzt. Mit Akkordeon und Saxofon kommt zunehmend Bewegung ins Spiel. Allmählich erwächst daraus „Alle Jahre wieder“, ein ebenso apartes und eigenwilliges Arrangement wie das erste. Das muss man erst einmal schaffen, dies so zu verpacken, dass es zu einem spannenden und neuen Hörerlebnis wird. Die Musiker werden vom Publikum jubelnd beklatscht. Und wie immer streut das Ensemble auch exotische Nummern ein, die von den vielen Reisen inspiriert sind.

Seit 1996 sind die vier schon zusammen und haben seither weltweit konzertiert. Mehr als 3000 Auftritte können sie verzeichnen. Und eine sehr eigene Tonsprache ist entstanden, die in die hiesige Musiktradition Weltmusik-Elemente von Tango bis Klezmer einfließen lässt. Neben Mulo Francel (Saxofone, Klarinetten, Psalter, Mandoline) stehen D.D. Lowka (Kontrabass, Percussion) und Andreas Hinterseher (Akkordeon, Vibrandoneon, Xylofon) auf der Bühne. Und wie ein leibhaftiger Weihnachtsengel sitzt mit wallendem, blonden Haar Evelyn Huber an Harfe und Salterio.

Dorferneuerung und Wohnungsbau stehen 2020 n Benediktbeuern im Fokus

Als „ungewohnt und doch vertraut“ war das Weihnachtsprogramm angekündigt worden. Das trifft es in der Tat. Und diese Mischung macht den Reiz aus. Mit hauchigem Ton, geheimnisumwoben, hebt das Saxofon an. Allmählich schält sich eine Melodie heraus: „Maria durch ein Dornwald ging“. Zart perlende Harfenklänge stimmen ein, ein sattes Kontrabass-Pizzicato tritt hinzu. Francel wechselt zur Klarinette – und aus dem sanften Weihnachtslied wird eine wilde Klezmer-Nummer. Und dann wird es richtig exotisch. Akkordeon, Percussion, Saxofon agieren total rhythmusbetont, dann legt die Harfe ein fulminantes Solo hin. Das Saxofon übernimmt mit einem orientalisch-verschlungenen Motiv vor insistierendem Percussion-Sound. Das entwickelt zunehmende Sogwirkung, lässt den Zuhörer fast schwindlig werden. Und dann begibt sich Francel auf die Reise durch den komplett dunklen Saal. Ein besonders eindrückliches Hörerlebnis.

Vor 250 Jahren in Weihenstephan: Kloster-Krimi um Abt aus Heilbrunn

Mit musikalischen Erinnerungen an eine Reise nach Syrien, wo laut Francel „im antiken Antiochia 62 nach Christus die erste christliche Kirche errichtet wurde“ und das Zusammenleben der verschiedenen Religionen über die Jahrhunderte bestens funktioniert habe, wird es dann einerseits erstaunlich politisch, andererseits auch wieder sehr weihnachtlich. Denn die eigentliche Botschaft dieses Festes lautet schließlich immer noch „Friede auf Erden“.   (Sabine Näher)

Theaterworkshop in Benediktbeuern: Schimpfen mit Zahlen und Gemüse

Kommentare