Unstrittig ist: Die überfüllte Realschule in Gmund benötig eine Erweiterung. Nach deutlicher Kritik hat nun auch die Gemeindepolitik eingelenkt. Es läuft auf einen zweistöckigen Anbau vor der Schule hinaus.
Gmund – Die Gmunder Realschule ist Opfer ihres eigenen Erfolges: Wegen der großen Beliebtheit ist das Schulhaus schnell zu klein geworden. Ein Anbau ist unausweichlich. Im Mai und Juni befasste sich der Gemeinderat bereits ausführlich mit den vorgeschlagenen Anbauvarianten: hinter der Turnhalle, zwischen Turnhalle und Schule oder vor der Sc1hule, entweder zwei- oder dreistöckig. Aus schulischer Sicht wäre die letzte Standort-Variante optimal, so Schulleiter Tobias Schreiner. Durch die Lage vor dem Schulhaus würden weder der Sportbetrieb in der Halle noch der Schulbetrieb beeinträchtigt. Im Gemeinderat stieß diese Variante aber auf Gegenwind: Bürgermeister Alfons Besel (FWG) kritisierte, dass sich der geplante Bau über die Baugrenzen hinweg erstrecke und außerdem das Ortsbild beeinträchtige.
Dass die Anbaupläne auf großes Interesse stoßen, zeigte jetzt die Beteiligung an der Sitzung des Ortsplanungsausschusses: Schulleiter Tobias Schreiner, Konrektor Stephan Wörle und Vertreter des Elternbeirates waren ebenso anwesend wie Bewohner der benachbarten Bernöckersiedlung. Architekt Joachim Staudinger stellte Pläne zum zwei- und dreigeschossigen Anbau vor.
Jeweils fünf Klassenzimmer könnte ein solcher Anbau fassen, drei im Erdgeschoss, zwei im ersten Stock. Das dreigeschossige Gebäude, das etwas kürzer wäre als die zweistöckige Variante, bewegt sich zwar innerhalb des Bebauungsplanes, wäre aber auch aus Sicht des Architekten wesentlich „wuchtiger“. Beide Anbauten könnten über einen drei Meter breiten Gang direkt an das Hauptgebäude angeschlossen werden, wodurch die Barrierefreiheit erhalten bliebe.
Auch das könnte Sie interessieren: Zeugnisverleihung in der Realschule Tegernseer Tal: Beim Abschied flossen nicht nur Freudentränen
Hatte der Gemeinderat gegen den Anbau vor der Schule zuletzt noch Kritik formuliert, merkten die Zuhörer schnell die veränderte Stimmung bezüglich des Vorhabens. „Wir können uns glücklich schätzen, eine so erfolgreiche Schule in unserer Gemeinde zu haben“, lobte Besel. Vizebürgermeister Georg Rabl (FWG), der ursprünglich gegen eine solche Lösung war, konnte sich dazu durchringen, der zweistöckigen Variante zuzustimmen. Zwar würden beide Anbauvarianten vor dem Schulgebäude das Grundbild zerschlagen, ein Nebengebäude mit nur zwei Stockwerken würde es aber nicht völlig kaputt machen, so Rabl.
Auch Barbara von Miller (SPD) war für einen zweistöckigen Anbau, „auch wenn‘s mir furchtbar leid tut für die Anwohner“. Diese hätten wegen des Baus der Realschule und des Bahnsteigs schon genug Kompromisse machen müssen. Deshalb schlug von Miller vor, ein eventuelles Aufstocken des Anbaus zu Gunsten der Anwohner völlig zu untersagen. Mit dem zweistöckigen Nebengebäude bleibe ihnen wenigstens der Ausblick auf die Berge erhalten.
Lesen Sie hier: Politiker rätseln: Woher kommen all die neuen Schüler für die Gmunder Realschule?
Bei der Abstimmung konnten sich außer Bernd Ettenreich (FWG) und Helga Wagner (Grüne) alle Anwesenden zu einem Ja für den Anbau mit zwei Stockwerken durchringen – der Schule zuliebe.
Rektor Schreiner war nach der Sitzung erleichtert: „Wir sind wahnsinnig froh und dankbar, dass die politischen Entscheidungsträger unserer Gemeinde den Anbau genehmigt haben. Das wird die Schulfamilie sehr entlasten.“ Noch geklärt werden muss allerdings, wo die Fahrradständer, die der geplante Anbau verdrängt, künftig untergebracht werden.
Valerie Haberle