Planung kommt noch einmal auf den Prüfstand

Realschule: Gemeinde Gmund hadert mit Standort für Erweiterungsbau

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An dieser Stelle vor dem Schulgebäude soll der Erweiterungsbau der Realschule in Gmund nach Vorstellung des Landkreises entstehen. Schulleiter Tobias Schreiner (l.) und sein Stellvertreter Stephan Wörle hoffen, dass der Anbau zügig kommt.
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Die Realschule in Gmund platzt aus allen Nähten. Der Landkreis treibt daher die Planungen für eine Erweiterung voran. Doch die Gemeinde Gmund ist nicht glücklich mit dem anvisierten Standort.

Gmund – Dass der Anbau bitter nötig ist, leuchtet allen Beteiligten ein: Mit 27 Klassen – und damit einer mehr als bisher – wird die Realschule Tegernseer Tal nach den Sommerferien ins Schuljahr 2019/2020 starten. Dabei stehen in dem 2014 erbauten Schulgebäude gerade einmal 19 reguläre Klassenzimmer zur Verfügung. „Das ist eine sehr herausfordernde Situation“, sagt Schulleiter Tobias Schreiner. Acht Räume, die eigentlich für den Fachunterricht oder andere Zwecke dienen sollten, müssen nun als Klassenzimmer herhalten. „Das führt dann schon mal dazu, dass fürs Fach Biologie die Exponate mit dem Rollwagen durch die Gegend gefahren werden müssen“, berichtet Schreiner. Insgesamt eine schwierige, wenig erbauliche Situation.

Das hat auch der Landkreis erkannt. „Die Erweiterung der Realschule Tegernseer Tal hat für die Landkreisverwaltung eine sehr hohe Priorität“, versichert Behörden-Sprecher Birger Nemitz. Ende 2018 hatte der Kreistag beschlossen, den Erweiterungsbau nicht in öffentlich-privater Partnerschaft von der Firma Vinci Facility SKE GmbH errichten zu lassen, sondern in Eigenregie zu bauen. Grund für die Entscheidung waren die aus dem Ruder gelaufenen Kosten.

Es gibt bereits einen fertigen Plan für einen zweigeschossigen Anbau vor der Realschule

Inzwischen gibt es laut Nemitz eine vom Kreisausschuss favorisierte und beschlossene Planung. Demnach soll auf dem Gelände vor dem Schulgebäude – dort, wo sich derzeit noch ein Grünstreifen mit Fahrradständern befindet – ein zweigeschossiger Erweiterungsbau entstehen. Fünf neue Klassenräume könnten darin untergebracht werden, drei im Erdgeschoss, zwei im oberen Stockwerk. Die zweigeschossige Bauweise habe den Vorteil, dass in Zukunft bei Bedarf nochmals aufgestockt werden könnte. Und: „Eine solche Bebauung würde auch optisch abgestuft zum Hauptgebäude wirken“, betont Nemitz. Dies erachte der Landkreis als „architektonisch hochwertiger“ als etwa eine mögliche Bebauung des Übergangs zwischen Schule und Turnhalle oder einen dreigeschossigen Bau.

Doch just beim Thema Optik gehen die Meinungen des Landkreises und der Gemeinde Gmund auseinander. Der Gemeinderat, der sich im Mai und im Juni in nicht öffentlichen Sitzungen mit dem Thema befasste, sei mit der städtebaulichen Situation nicht glücklich, erklärt Bürgermeister Alfons Besel (FWG) auf Nachfrage. Der recht stattlich geplante Riegel erstrecke sich weit nach Süden und überschreite zudem die Baugrenzen. Die derzeit offene Platzsituation werde beeinträchtigt. „Dadurch verschlechtert sich aus unserer Sicht das Ortsbild“, sagt Besel.

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Eine Mehrheit im Gremium würde den Erweiterungsbau lieber im rückwärtigen Bereich der Schule – hinter der Turnhalle oder im Bereich des Pausenhofs – sehen. Sei dies nicht möglich, wäre es schön, wenn der Landkreis zumindest innerhalb der Baugrenzen bleiben könnte, meint Besel. Dies habe man dem Landkreis in einem offenen Dialog mit auf den Weg gegeben.

„Hier gibt es einen kleinen Zielkonflikt, der ausdiskutiert werden muss“, betont der Rathaus-Chef. „Ich bin mir aber sicher, dass wir zueinander finden werden.“ Schon in der Juli-Sitzung könnte das Thema erneut diskutiert werden – dann auch öffentlich, wie Besel sagt.

Klar ist: Weil wegen der Überschreitung der Baugrenzen der bestehende Bebauungsplan geändert werden muss, braucht der Landkreis für seine favorisierte Variante die Zustimmung der Gemeinde. Doch auch der Landkreis sei zuversichtlich, so Nemitz, dass man im Sinne der Schulfamilie „bald eine mit der Gemeinde abgestimmte Planung“ erreichen könne. Ziel sei es, möglichst bald mit dem Bau zu beginnen – wenn irgendwie möglich noch heuer. Der Landkreis geht derzeit von Gesamtkosten zwischen 2 und 2,3 Millionen Euro aus.

So sieht Schulleiter Tobias Schreiner die Planung für die Erweiterung der Realschule

Tobias Schreiner, Leiter der Realschule Tegernseer Tal, wünscht sich natürlich eine möglichst rasche Umsetzung der Erweiterungspläne. Er will aber auch realistisch bleiben. „Es ist noch ein weiter Weg bis zum Ziel“, sagt er. Zunächst müssten die Pläne durch den Gemeinderat genehmigt werden, danach folge die Ausschreibung, Baufirmen müssten gefunden werden. „Und die haben ja momentan volle Auftragsbücher“, weiß Schreiner. Er rechnet deshalb damit, dass noch ein bis zwei Schuljahre vergehen werden, bis der Anbau tatsächlich steht.

Ganz klar sagt Schreiner aber auch: „Wir haben sehr viel Unterstützung und Rückenwind in der Landkreis-Verwaltung erfahren.“ An den Plänen werde mit Nachdruck gearbeitet, die Schulleitung sei eng in den Prozess eingebunden gewesen. Die Lösung, die seitens des Landratsamtes favorisiert werde, „ist aus schulischer Sicht optimal“, erklärt der Rektor. Durch die Lage vor dem Schulhaus würden weder der Sportbetrieb in der Halle noch der Schulbetrieb beeinträchtigt. „Hier würden vollwertige Klassenzimmer und zwei Büros entstehen, die wir dringend brauchen.“ Zudem würde der zweigeschossige Erweiterungsbau über eine Brücke mit dem bestehenden Schulgebäude verbunden und habe damit eine enge Anbindung ans bestehende Raumprogramm. Schüler und Lehrer hätten dadurch auch in Zukunft kurze Wege.

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