Verhandlungen mit Generalunternehmer erfolglos beendet

Weil die Kosten zu hoch geworden wären: Landkreis baut Realschul-Erweiterung allein

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Braucht weitere Klassenzimmer: die Realschule Tegernseer Tal. Weil der Landkreis den Erweiterungsbau nun doch in Eigenregie errichten lässt, ist eine Änderung der Pläne notwendig.
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Der Generalunternehmer ist raus. Weil die Kosten zu hoch geworden wären, lässt der Landkreis den Erweiterungsbau der Realschule Tegernseer Tal nun in Eigenregie errichten.

Gmund – Irgendwann wurde es Gerhard de Biasio zu bunt. „Wir haben intensiv diskutiert, aber sind uns nicht handelseinig geworden“, berichtete der Kreiskämmerer im Kreistag aus seinem Gespräch mit der Mannheimer Firma Vinci Facility SKE GmbH über den Erweiterungsbau der Realschule Tegernseer Tal. Die Kosten wären deutlich über dem Budget gelegen, unter anderem wegen „horrender Planungszuschläge“. Also zog de Biasio die Reißleine. Die Konsequenz: Vinci ist raus, der Landkreis lässt das Gebäude in Eigenregie errichten.

Eine Kehrtwende, durch die auch die Form der öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) zwischen dem Landkreis und dem Generalunternehmer keine Fortsetzung findet. In dieser Form nämlich wurde die Realschule 2013 geplant und gebaut. Auf den Bestand soll die Entscheidung keine Auswirkung haben, betonte de Biasio. Vinci bleibe weiterhin Betreiber der Schule. Mit der Errichtung des Erweiterungsbaus habe die Firma nun aber nichts mehr zu tun. „Wir machen das als Landkreis autark“, sagte der Kämmerer.

Wie berichtet, waren ursprünglich 1,1 Millionen Euro für vier neue Klassenzimmer vorgesehen. Sie sollten in einem Verbindungsbau oberhalb des Wegs zwischen Schule und Turnhalle entstehen. Ende November begann sich die Preisschraube dann zu drehen. Vinci legte eine überarbeitete Planung vor. Zwar mit Platz für fünf Klassenzimmer, aber auch mit einer Kostensteigerung auf 2,7 Millionen Euro. Die Kreisräte schluckten die Pille und stimmten dem Vorhaben erneut zu. Im Gespräch sei nun klar geworden, dass auch dieses Budget überschritten worden wäre. Da war für den Kämmerer das Ende der Fahnenstange erreicht.

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Die erneute Planänderung wirkt sich dabei nicht nur auf das Vertragswerk, sondern auch auf die bauliche Gestaltung aus. Mit der Abkehr von Vinci hat sich der Landkreis auch von dessen Entwurf für den Erweiterungstrakt verabschiedet. Dieser soll nun laut de Biasio als eigenständiges, zweigeschossiges Gebäude errichtet werden. Entweder auf der Ostseite des Pausenhofs oder auf der noch freien Grünfläche vor der Schule.

In beiden Fällen könne man sich die teure und aufwendige Aussteifung des Kellers sparen, an die der Anbau zwischen Schule und Sporthalle gestoßen wäre. Zudem könne man selbst flexibel über den Neubau verfügen und – beispielsweise bei sinkenden Schülerzahlen – über eine andere Nutzung nachdenken. Nachteile für die Realschule sollen nicht entstehen, betonte de Biasio. Nach den Weihnachtsferien sollen die neuen Pläne vorliegen, um keine Zeit zu verlieren. Die Schulleitung sei in die Entscheidung eingebunden gewesen und habe „recht begeistert“ darauf reagiert.

Auch im Kreistag gab es Lob dafür. „Danke für die schnelle und klare Reaktion“, sagte Robert Wiechmann (Grüne). Das ÖPP-Modell habe zwar anfangs süß geklungen, aber nun auch seine andere Seite gezeigt. Martin Walch (SPD) sprach gar von einem „Bumerang“ und wollte wissen, ob der Ausstieg rechtlich abgesichert sei. Der Kämmerer bejahte dies. „Unsere Juristen waren beim Gespräch dabei.“ Noch zu lösen seien „Schnittstellenprobleme“ wie die Frage nach dem Unterhalt des Neubaus.

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Vor den Kopf gestoßen habe man Vinci aber nicht, meinte de Biasio. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie ein großes Interesse an dem Projekt hatten.“ Dennoch werde man das Unternehmen als Betreiber der Schule am Prozess beteiligen, um Probleme im laufenden Betrieb zu vermeiden.

Eine Lanze für die ÖPP brach Georg von Preysing (CSU), der als früherer Bürgermeister den Neubau der Schule in Gmund begleitet hatte. So habe die Partnerschaft in erster Linie finanzielle Gründe gehabt. „Wenn wir das nicht gemacht hätten, würde da heute keine Schule stehen.“

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