VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Wie viel CO2 wird in den vier Landkreisen der Region Oberland ausgestoßen? Die Antwort gab es am Donnerstag in der Sitzung des Planungsausschusses. Fakt ist: Wenn sich nichts ändert, wird die Region ihre Klimaziele bis 2035 auf keinen Fall erreichen.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Die in der Region Oberland zusammengeschlossenen Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau haben sich alle dem von der Energiewende Oberland vorgegebenen Ziel verschrieben: Ab 2035 soll hier keine Energie mehr aus fossilen Brennstoffen kommen. Das Fazit, das Andreas Süß, Klimaschutzmanager des Landkreises, am Donnerstag am Ende seiner Präsentation im regionalen Planungsausschuss zog, war ernüchternd. „Das Ziel ist in weiter Ferne.“ Gehe es mit der Energiewende in diesem Tempo weiter, sei es keinesfalls zu erreichen. Aber: „Wir haben die Chance, das noch zu ändern“, sagte Süß.
Gemeinsam mit Christiane Regauer von der Energiewende Oberland hatte er zuvor Zahlen erläutert. Alle vier Landkreise haben für 2016 eine eigene Energie- und CO2-Bilanz erstellt. Diese wurden nun zusammengeführt, um ein Bild für das ganze Oberland zu haben. Der gesamte Energieverbrauch für Strom, Wärme und Verkehr liegt bei 14 120 Gigawattstunden pro Jahr. „Rund vier Millionen Tonnen CO2 werden dadurch im Oberland ausgestoßen“, sagte Süß. Strom- beziehungsweise Wärmeerzeugung und Verkehr haben einen jeweils fast gleich hohen Anteil daran. „Es wird die große Frage sein, wie wir von diesen großen Brocken runterkommen.“
Der verbrauchte Strom stammt in der Jahresbilanz nur zu 41 Prozent aus regenerativen Quellen wie Wasserkraft oder Fotovoltaik. Wobei die Wasserkraft hier ganz klar den Löwenanteil ausmacht, was auch an großen Anlagen, wie dem Walchenseekraftwerk liegt. „In Bereich Strom haben wir noch einen weiten Weg zu gehen“, sagte Süß.
Dringender Handlungsbedarf bei Wärmeerzeugung
Noch weiter ist der Weg bei der Wärmeerzeugung. Gerade einmal zehn Prozent des Bedarfs wird hier aus erneuerbare Energien wie Biomasse gedeckt. Überwiegend setzen die Menschen in der Region nach wie vor auf Erdgas und Heizöl. Süß erkannte hier „einen extremen Handlungsbedarf“. Jede Kommune könnte aktiv werden – und einige sind das auch schon. Beispiel: Lenggries. Die 10 000-Einwohner-Gemeinde baut gerade ein Nahwärmenetz, das viele kommunale Einrichtungen mit Wärme aus Hackschnitzeln versorgt.
Dass gerade in diesem Bereich dringender Handlungsbedarf besteht, zeigt eine Hochrechnung für die Region. „Der Anteil von Ölheizungen würde 2035 immer noch bei einem Viertel liegen, selbst wenn der Einbau von neuen Ölheizungen heute verboten würde“, sagte Süß.
Landrat Niedermaier: „Ist der Weg länger als der Karren, wird gefahren“
Erheblich zum CO2-Ausstoß trägt auch der Sektor Verkehr bei. Drei Viertel der verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen werden im Oberland von Pkws verursacht „Die großer Herausforderung wird sein, wie wir das verlagern können“, sagte Süß. Tatsächlich wäre das eine oder andere relativ leicht zu machen. Denn auch extrem viele sehr kurze Strecken werden mit dem Auto zurückgelegt. 36 Prozent der ein bis drei Kilometer langen Strecken beispielsweise, wie Süß erläuterte. Bei den drei bis fünf Kilometer langen Wegen sind es sogar 50 Prozent. „Ganz nach dem Motto: Ist der Weg länger als der Karren, wird gefahren“, sagte Landrat Josef Niedermaier.
Es müsse darum gehen, die Menschen davon zu überzeugen, vor allem diese kurzen Strecken mit dem Rad oder zu Fuß zurückzulegen, ergänzte Süß. Wichtig wäre auch, bei der künftigen Siedlungsentwicklung in der Region darauf zu achten, dass manche Wege gar nicht mehr nötig werden, in dem man Wohnen, Arbeiten und Versorgungseinrichtungen möglichst nah beieinander plant. „Und natürlich müssen wir uns überlegen, wie wir eine Verlagerung auf den Öffentlichen Nahverkehr schaffen“, sagte Süß. „Es ist ein gesamtgesellschaftlicher Wandel gefordert“, ergänzte Niedermaier. Aber auch die Rahmenbedingungen müssen sich ändern, um den Umstieg auf erneuerbare Energien attraktiver zu machen, sagte Süß. Er erhofft sich beispielsweise viel von der geplanten CO2-Abgabe. va
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