Als „Meilenstein“ bezeichnete der Tölzer Landrat und Planungsverbands-Vorsitzende Josef Niedermaier den einstimmigen Beschluss, der am Montag im Planungsausschuss der Region Oberland fiel:
Bad Tölz-Wolfratshausen – Die anwesenden Landräte und Bürgermeister aus den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen hatten die Eckpunkte für zwei wichtige Kapitel des neuen Regionalplans abgesegnet. Dessen Festlegungen mögen zwar abstrakt klingen, beinhalten aber doch wichtige Weichenstellungen für die Entwicklung des Oberlands.
Das gilt insbesondere für das Kapitel „Verkehr“. Vorrang genießt im Regionalplan die Entwicklung des Öffentlichen Verkehrs (ÖV). So ist festgelegt, dass die Flächen entlang von Bahntrassen freigehalten werden sollten, sodass jeweils ein zweigleisiger Ausbau möglich bleibt. Als große Ziele verfolgt die Region außerdem die Elektrifizierung der Strecken der Bayerischen Oberlandbahn und der Pfaffenwinkelbahn sowie – das aber eher als Langzeitvision – eine Ost-West-Schienentangente.
Wolfratshausen, Tölz und Miesbach sind „Engpässe“
Kurz- bis mittelfristig ist für diese Achse eine Verbindung per Expressbus realistischer, die ebenfalls Eingang in den Regionalplan finden soll, und zwar als Teil eines erwünschten Hauptbusnetzes, das alle größeren Orte getaktet anbindet. Hier mahnte die Dietramszeller Bürgermeisterin Leni Gröbmaier an, dass ihr die Verbindung Otterfing – Holzkirchen – Dietramszell – Bad Tölz als angestrebte Hauptlinie fehle. Ihre Penzberger Amtskollegin Elke Zehetner verwies auf die besondere Bedeutung einer Busverbindung aus dem Raum Geretsried-Wolfratshausen nach Penzberg. „Wir haben 600 Mitarbeiter bei Roche, aber sie kommen nicht mit dem Bus zu ihrem Arbeitsplatz. Das treibt unendlich viele Leute in die Autos.“ Niedermaier erklärte, dass zu dieser Busverbindung bereits Abstimmungen zwischen den Kreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Weilheim-Schongau laufen.
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In Sachen Autoverkehr sieht das Leitbild vor, zunächst die Leistungsfähigkeit vorhandener Straßen zu verbessern, bevor diese ausgebaut oder neue Straßen geplant werden. „Wenn ich mir den Zustand der Staatsstraßen anschaue, dann sollte der Ausbau nicht nachrangig sein“, meinte dazu der Lenggrieser Rathauschef Werner Weindl. „Sonst wird auch aus der Hauptbuslinie Dietramszell – Tölz nichts.“
Beim Thema Radeln wird’s schwammiger
Für die Staatsstraßen sprang Weindl erneut in die Bresche, als es um das Regionalplan-Ziel ging, den Verkehr vor allem auf das „hochrangige Straßennetz“ zu lenken und dieses entsprechend auszubauen. Dahinter steckt der Gedanke, Belastungen durch Ausweichverkehr auf kleinen Straßen zu vermeiden. Auf Weindls Einwand räumte Niedermaier ein, dass nicht nur Autobahnen und Bundesstraßen als „hochrangig“ einzustufen seien. „Die Staatsstraße 2072 ist bei uns auch eine Hauptachse“, nannte er ein Beispiel.
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Peitings Bürgermeister Michael Asam befand es in diesem Zusammenhang als widersinnig, wenn die Lkw-Maut den Schwerlastverkehr just von den Bundesstraßen auf Ausweichrouten verlagere – worunter etwa seine Gemeinde leide.
Als „strategische Engpässe“, die laut Regionalplan vordringliche Berücksichtigung bei Ausbauprogrammen erhalten sollen, sind das Autobahnende bei Eschenlohe, Bad Tölz, Miesbach, Wolfratshausen, die A 8 nördlich von Holzkirchen und die A 95 nördlich von Wolfratshausen definiert. Als Ziel steht zudem die Erhöhung von Verkehrsfluss und -sicherheit auf der B 472 durch „Verbesserung der Überholsituation“ im Regionalplan-Entwurf.
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Deutlich kürzer fällt das Kapitel zum Radverkehr aus. Hier ist allgemein von einem Ausbau des Radwegenetzes und schnellen Verbindungen für den Alltagsverkehr die Rede. „Warum steht hier kein konkretes Netz drin?“, fragte Leni Gröbmaier. „Das fällt gegenüber dem Straßen- und Schienennetz doch sehr zurück.“ Das Problem sei, „dass die Radwegekonzepte der Landkreise noch nicht abgestimmt sind“, antwortete Niedermaier. „Es gibt unterschiedliche Planungen, die sich teilweise widersprechen.“
Der Kochler Bürgermeister Thomas Holz machte sich Sorgen, als es um die Festschreibung der „vorrangigen Berücksichtigung der ÖV-Anbindung bei Planung und Ausbau von Freizeit- und Tourismuseinrichtungen“ ging. „Wenn ich keinen Bus zum Hotel habe, bekomme ich dann eine negative Stellungnahme vom Planungsverband?“ Hier beruhigte Niedermaier: „Da geht es eher um Projekte von der Dimension eines Trimini.“