VonNadja Orthschließen
Gegen Rammstein-Frontmann Till Lindemann stehen schwere Vorwürfe im Raum. Nun fordert eine Petition die Stadt München auf, die Konzertreihe abzubrechen.
München - Nach den schweren Vorwürfen gegen Till Lindemann war am Mittwoch (7. Juni) ein ereignisreicher Tag in München. Im Olympiastadion fand das erste Konzert seit den öffentlichen Anschuldigungen von jungen Frauen gegen Lindemann statt, gleichzeitig war es für Rammstein der Auftakt zu einer geplanten Konzertreihe in München mit insgesamt vier Auftritten.
Neben tausenden Fans fand dabei auch eine Demonstration vor dem Olympiastadion gegen Rammstein statt. Jetzt wurde außerdem eine Eil-Petition ins Leben gerufen. Darin werden die Verantwortlichen der Landeshauptstadt aufgefordert, die Konzertreihe abzubrechen.
Wegen Lindemann: Eil-Petition fordert OB Dieter Reiter auf, Rammstein-Konzerte in München abzusagen
„Es ist für uns inakzeptabel, dass Till Lindemann mit den geplanten Konzerten eine Plattform bekommen soll, um seine Übergriffe fortzuführen“, heißt es in der Petition der Aktionsgruppe „Sirens Collective“, die sich selbst als „Online Archiv für sexuelle Belästigung“ beschreibt - wobei es sich bisher um Vorwürfe handelt, eine Verurteilung gibt es nicht.
Die Organisatorinnen richten ihre Petition unter anderem an die Geschäftsführerin des Olympiaparks, Marion Schöne, und an Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter. „Wir fordern eine genaue Untersuchung der Vorfälle, bevor die Aussagen der Betroffenen wieder durch neue Konzerte überrollt werden können.“
„Sirens Collective“ hatte die Petition am Mittwoch auf Twitter geteilt und die Menschen aufgefordert, Solidarität mit den Betroffenen zu zeigen. Nicht nur in München, sondern auch in Berlin sollten ihrer Meinung nach die anstehenden Rammstein-Konzerte ausfallen. Man wolle damit ein Zeichen für die Betroffenen setzen. „Signalisieren Sie, dass Sie die Vorwürfe ernst nehmen und Ihren Worten Taten folgen lassen“, heißt es weiter. Bis 8.6., 14.30 Uhr haben mehr als 13.000 Menschen die Petition auf innn.it unterzeichnet. Ob sie erst am Mittwochnachmittag ins Leben gerufen oder nur an diesem Datum auf Twitter veröffentlicht wurde, ist unklar.
Vor dem zweiten Konzert in München lässt nun die Band Rammstein ihre Anwälte für sich sprechen. Seit Tagen sieht sich Frontsänger Till Lindemann mit schweren Vorwürfen des Missbrauchs von mehreren Frauen konfrontiert.
Die Vorwürfe seien „ausnahmslos unwahr“, heißt es in einer Stellungnahme der Anwälte. Gegen einzelne Personen, die behaupten, von Lindemann unter Betäubungsmitteln gesetzt und so gefügig gemacht worden zu sein, gehe man nun rechtlich vor. Auch die Berichterstattung vieler Medien werde geprüft und dagegen gegebenenfalls rechtliche Schritte eingeleitet.
Petition will Rammstein-Konzertreihe in München abbrechen: KVR-Chefin äußert sich zur Forderung
Das Kreisverwaltungsreferat hatte am Mittwoch unterdessen mitgeteilt, Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der Rammstein-Konzertbesucher zu gewährleisten. Am Donnerstag äußerte sich KVR-Chefin Hanna Sammüller-Gradl gegenüber tz.de zu der gestarteten Petition: „Ich kann persönlich verstehen, dass Menschen sich wünschen, Till Lindemann nicht auf einer Bühne zu sehen. Rechtlich ist ein Verbot der Veranstaltung jedoch nicht möglich“, so Sammüller-Gradl. „Wir haben aber alle rechtlich möglichen Maßnahmen ergriffen, Auflagen erteilt, diese engmaschig kontrolliert und der Veranstalter auf kooperativem Weg ein Awarenessteam beauftragt und ein Awareness-Zelt aufgestellt.“ Sie selbst verfolgte die „Row Zero“ vor Ort.
Einige Fans hatten ihre Tickets nach den Anschuldigen freiwillig verkauft. Rammstein hatte sich während des Konzerts am Mittwochabend nicht zu den Vorwürfen geäußert, verzichtete bei ihrem Auftritt aber auf den bekannten Song „Pussy“, den sie normalerweise spielen. Ein Statement der Band war am Samstag, den 3. Juni, erfolgt. (nz)
Transparenzhinweis vom 8. Juni 2023, 19.,30 Uhr: Dieser Artikel wurde mit den Aussagen von Till Lindemanns Anwälten ergänzt.
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