VonSilke Schederschließen
Mit dem Sportstudio Hirsch schließt Ende Oktober eine Tölzer Institution. Hinzu kommt, dass die BKK-Aktivwochen – ein nicht unwichtiger Tourismusfaktor – nun einen neuen Veranstaltungsort brauchen.
Bad Tölz – Im Februar 2021 würde das Sportstudio Hirsch sein 40-jähriges Bestehen feiern. Doch die Party fällt aus: Wie berichtet schließt Betreiber Karl „Charly“ Hirsch schweren Herzens sein Studio an der Tölzer Bockschützstraße zum 31. Oktober dieses Jahres. In einem Pressegespräch am Mittwoch erklärten Hirsch, seine Frau Birgit und Stiefsohn Martin Litvan ihre Beweggründe.
„Wenn sich die Investitionen über die nächsten Jahre nicht rechnen, muss man die Konsequenzen ziehen“, sagte Karl Hirsch. Acht Jahre lang hatte er versucht, zusammen mit der Stadt eine Lösung für die Standortfrage zu finden. Bekanntlich sollte das Studio umziehen: Zunächst wegen des Spas „Natura Tölz“. Nach dem Scheitern dieses Projekts soll es einem Hotelneubau weichen.
Monatliche Belastung und Risiko einfach zu hoch
Wurde beim Spa noch das Thema Kooperation mit dem Projektentwickler großgeschrieben, prüfte die Familie in jüngster Vergangenheit den Neubau des Studios aus eigener Kraft auf dem öffentlichen Parkplatz südlich des bisherigen Geländes. „Wir waren bis zum Schluss optimistisch und haben gedacht, wir schaffen das irgendwie“, sagte Hirsch. Als dann aber vor zwei Wochen der Finanzierungsplan auf dem Tisch lag, war klar: Die monatliche Belastung – und das Risiko – wären zu hoch. „Wir hätten alles investieren müssen, was wir als Familie besitzen, und hätten trotzdem noch einen einstelligen Millionenbetrag aufnehmen müssen“, sagte Martin Litvan. Die immer weiter explodierenden und damit unkalkulierbaren Baukosten waren neben dem zunehmenden Bürokratismus weitere Gründe, warum sich die Familie am Ende für die Schließung entschied.
Emotionale Reaktionen
Viele der rund 500 Mitglieder reagieren den Betreibern zufolge ungewöhnlich emotional. „Hoffentlich erlebe ich das nicht mehr“, habe ein älterer Herr geseufzt. „Da sieht man erst einmal, wie wichtig der soziale Faktor ist“, sagte Martin Litvan. Die 38 Mitarbeiter zeigten sich ebenfalls sehr betroffen, als sie am Samstag von der Schließung erfuhren. „Sie wollen gar nicht wissen, wie viele Tränen geflossen sind“, sagte Karl Hirsch. Seine Angestellten weiter zu vermitteln, gehört aktuell zu den größten Sorgen des 70-Jährigen.
Brita Hohenreiter machte Hirsch Mut: „Es gibt keinen Grund, den Trainer-Stamm zu wechseln“, sagte die Kurdirektorin. Auf Honorarbasis könnten die Hirsch-Mitarbeiter auch weiterhin die Teilnehmer der BKK-Aktivwochen betreuen. Allerdings müsse noch das Raumproblem gelöst werden. Die Aktivwochen selbst, die der Stadt jedes Jahr 630 bis 700 Buchungen bescheren, seien nicht in Gefahr. Es wird auf jeden Fall weitergehen“, sagte Hohenreiter – und machte das auch in einer Mail an besorgte Gastgeber in Bad Tölz deutlich. Mitte April will die Tourist-Info ein Konzept vorlegen.
Senior-Chef will sein Wissen weitergeben
Martin Litvan macht sich keine Sorgen um seine Zukunft: Der 36-jährige Fitness-Wissenschaftler will in Richtung betriebliches Gesundheitsmanagement gehen. „Der Bedarf ist da.“ Sein Stiefvater wird nach der Schließung ein paar Monate Zeit brauchen. „Die letzten Jahre haben mich viel Kraft gekostet“, sagte Karl Hirsch. Danach will der staatlich geprüfte Sportlehrer das Wissen, das er sich in den vergangenen knapp 40 Jahren angeeignet hat, in irgendeiner Form weitergeben.
Weniger zu investieren, um einen Neubau stemmen zu können, wäre für Karl Hirsch übrigens nicht in Frage gekommen: Sonst hätte die Qualität gelitten. „Auch, wenn es ein bisschen größenwahnsinnig klingt: Ein Studio in der Art wird es nicht noch einmal geben.“
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