VonAndreas Steppanschließen
Im Tölzer Badeteil regt sich Unmut. Das wurde deutlich, als sich vor wenigen Tagen eine kleine Runde zum „1. Treffen der Familienunternehmer“ versammelte.
Bad Tölz – Zusammengebracht hatte die Gruppe die Verärgerung über die Veränderungssperre, die die Stadt Bad Tölz über zwei Gebiete an der Buchener und der Kyreinstraße verhängt hat. Dem wollen die Betroffenen ein neues Miteinander entgegensetzen und fordern bessere Rahmenbedingungen für den Tourismus.
Die Initiative zu dem Treffen hatte Roswitha Sedlmayr ergriffen – als Geschäftsführerin des Sanatoriums Sedlmayr akut Hauptbetroffene der Veränderungssperre. Zur Erinnerung: Familie Sedlmayr hatte vergangenes Jahr bei der Stadt einen Vorbescheidsantrag eingereicht, um herauszufinden, ob sie ihr Sanatorium an der Buchner Straße möglicherweise in ein Haus mit Mietwohnungen umwandeln könnte. Denn durch den Wegfall eines Kostenträgers, der die Kuren in dem Haus bezahlte, haben sich die wirtschaftlichen Aussichten deutlich verschlechtert. Das Ende vom Lied war, dass der Stadtrat stattdessen beschloss, für das Gebiet nördlich der Buchener Straße und westlich der Kyreinstraße sowie östlich der Kyreinstraße und nördlich der Rieschstraße einen Bebauungsplan aufzustellen, um hier touristische Nutzungen zu sichern. Bis dahin gilt eine Veränderungssperre – sprich, die Nutzung muss bleiben, wie sie ist. Die Sedlmayrs haben somit nach aktuellem Stand keine Aussichten, die Umwandlung in Wohnungen genehmigt zu bekommen.
„Schock, Ohnmacht und Wut“ habe sie mittlerweile überwunden, erklärte Roswitha Sedlmayr. Doch sie bleibt dabei: „Hier ist eine Grenzüberschreitung passiert.“ Ihr Gerechtigkeitsempfinden sei zutiefst verletzt: Nachdem sie und ihre Familie über Jahrzehnte viel Energie und Geld in den Betrieb und somit in den Tourismus in Tölz gesteckt hätten, gleiche die Veränderungssperre nun einer „Enteignung“. Winfried Sedlmayr erklärte, das Haus sei dadurch nur noch ein Drittel wert.
Bei Gesprächen mit anderen Gastgebern in der Umgebung habe sie festgestellt, dass viele die gleichen Themen und der gleiche Frust umtreiben, berichtete Roswitha Sedlmayr. Einige Betroffene hätten noch nicht einmal gewusst, dass ihre Häuser im Gebiet der Veränderungssperre liegen. Um „ein kraftvolles Wir“ zu bilden, hatte sie kurzfristig zu dem Treffen eingeladen.
Gekommen waren außer dem Ehepaar Sedlmayr vier Vertreter von Familienunternehmen. Mittlerweile haben laut Roswitha Sedlmayr aber sieben weitere angekündigt, sich anzuschließen. Als Zuhörer nahmen die Stadträte Anton Mayer (CSU) und Ulrike Bomhard (FWG) teil.
Mit einem Thesenpapier hatte Roswitha Sedlmayr einen Rahmen vorgegeben. Neben mehr „Wertschätzung und Respekt“ sowie wirtschaftlicher Entscheidungsfreiheit für ihre Familie forderte sie konkret: „mehr Fachkompetenz in der Tourist-Info“ (TI), eine Verkehrsberuhigung, mittelfristig die Schaffung einer Therme mit angeschlossenem Innen- und Außenbecken sowie ein „radikales Vorwärtsstreben“ der Stadt, um ihre Differenzen mit Anton Hoefter beizulegen. Dazu regte Sedlmayr externe Moderatoren und Coaches an.
Auch Wolfgang Suttner, Inhaber des „Leonhardihofs“ an der Seppstraße, wünschte sich ein „Leuchtturmprojekt“ – aber nicht so eines wie das verworfene „Natura Tölz“, das „von Anfang an zum Scheitern verurteilt“ gewesen sei, denn: „Wer geht schon in die Sauna?“ Ein Bad müsse vielmehr „alle ansprechen: Familien, Erholungsuchende und Skifahrer, die nach der Piste noch ins Wasser wollen“. Als Gastgeber schäme er sich oft, wenn er Urlauber zum Baden nach Bad Aibling oder ins Kochler „Trimini“ schicken müsse.
Ihm fehle in der Tölzer Tourismus-Politik eine klare Richtung, sagte Suttner. „Was will Bad Tölz werden? Eine Wohnstadt für reiche Rentner?“
Der Ansatz, Gäste über Großereignisse nach Bad Tölz zu locken, wie ihn die TI verfolge, sei dagegen grundlegend falsch. „Zu den Geno-Winterspielen hatten wir das Haus zwar zwei Nächte voll. Aber diese Gäste kommen nicht wieder. Und der Lärmpegel war für die anderen Gäste nicht zumutbar.“
Auch Anna Förg, Tochter der Inhaber des benachbarten „Landhaus Theresa“, kritisierte eine „falsche Marketingpolitik“ der TI. Die setze zu sehr auf Tagestouristen. „Aber das ist nicht das, wovon wir profitieren und leben.“ Anna Förg zeigte sich überzeugt, dass der Trend wieder zu längeren Aufenthalten von zwei bis drei Wochen gehe.
Durch Veränderungssperren könne man den Tourismus jedenfalls nicht am Leben halten. „Das stellt für uns eine Wertminderung dar“, sagte Anna Förg. Die Veränderungssperre sei „eine Barriere, die der jungen Generation vor die Füße geworfen“ werde. „Wenn ich den Betrieb übernehmen soll, dann sicher nicht, weil ich dazu gezwungen werde“, sagte sie.
Suttner befürchtete, die Veränderungssperre könne zu weiteren Bauruinen wie dem Haus Bruckfeld führen. Er merkte auch an, dass bereits eine ganze Reihe von ehemals touristischen Betrieben in Wohnungen umgewandelt worden sei. „Andere können machen, was sie wollen.“ Diese Ungleichbehandlung führe zu „Zwist, Ärger und Neid“, sagte Roswitha Sedlmayr. „Ich will aber nicht, dass wir uns alle verfeinden.“
Die Initiatorin möchte nun zunächst im Namen der Gruppe einen Brief an den Bürgermeister verfassen und die Familienunternehmer regelmäßig zum „Jour fixe“ einladen. Auch Suttner hofft, dass sich dafür noch mehr Unternehmer mobilisieren lassen. „damit die Stadt merkt, dass sie nicht an uns vorbei planen kann“.
