Mit 14:10 Stimmen hat der Stadtrat die Weichen für einen Bebauungsplan für ein touristisch geprägtes Kerngebiet in der inneren Buchener Straße gestellt. Die Familie Sedlmayr darf ihr Sanatorium, für das sie keine Perspektiven mehr sieht, also nicht in Wohnungen umwandeln.
Bad Tölz – Ein wichtiger Kostenträger des kleinen 30-Zimmer-Hauses ist weggefallen. Ob man die erwarteten 40 Prozent Verlust in einem schwierigen Gesundheitsmarkt auffangen kann, darüber traute sich auch Kurdirektorin Brita Hohenreiter kein Urteil abzugeben. Sie habe Verständnis für die Sorgen, die die Betreiberfamilie Sedlmayr quälten. Dennoch dürfe es dem Stadtrat nicht um Einzelschicksale gehen. Seine Aufgabe sei, die Strukturen für den touristischen Bedarf zu sichern. So sah es auch Bürgermeister Josef Janker: „Hier geht es um ein städtebauliches Thema, um die Zukunft des Gesundheitsstandorts Bad Tölz.“
Der Gegenwind aus den Reihen der Stadträte war beachtlich. Peter von der Wippel (FWG) war zwar für das neue touristische Kerngebiet, fragte sich aber, „warum man den Bauwerber ins offene Messer hat laufen lassen“. Die Sedlmayrs hatten im Sommer gegenüber Bürgermeister Josef Janker auf die drohende Schließung hingewiesen und waren zu dem Vorbescheid – beantragt war die Umwandlung des Sanatoriums in Wohnungen – ermutigt worden. Das Rahmenkonzept Badeteil erlaube Wohnungen, erwiderte Janker. Gewissheit habe es nur durch einen Vorbescheid geben können.
Redner aus allen Fraktionen monierten die unentschlossene Politik der Stadt im Badeteil und plädierten für den Gleichheitsgrundsatz (Richard Hoch, Grüne). Das Haus Iris an der äußeren Buchener Straße sei jüngst problemlos in Wohnungen umgewandelt worden, die Aufgabe des rund 200 Meter Luftlinie entfernten Hotels Alexandra sei auch hingenommen worden.
Anton Mayer (CSU) legte den Finger tief in die Wunde, als er an die Aufgabe des Sondergebiets Badeteil im Jahr 2005 erinnerte. Seitdem habe die Stadt kein Instrument mehr, um flächenmäßig den Tourismus zu erhalten. Das Rahmenkonzept Badeteil habe nur Wohnungen gebracht. Das, was man versäumt habe, solle nun nachgeholt werden. Zum konkreten Fall Sedlmayr prognostizierte er, „dass wir in zwei Jahren eine Ruine dastehen haben, die verkauft wird, und dann kommt Wohnbebauung“.
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Peter Wiedemann (FWG) ergänzte: „Mit Verordnungen ist der Tourismus nicht zu retten.“ Tölz müsse sich im Hotelbereich neu aufstellen. Das sei der richtige Weg. Richard Hoch erinnerte an die Umwandlung des Minigolfplatzes neben dem Sanatorium in Wohnblöcke. „Touristisches Zentrum, das war mal.“ Bauamtsleiter Christian Fürstberger hatte zuvor dazu Interessantes kundgetan: Bei der Umwandlung des Minigolfplatz-Areals durch Anton Hoefter „ist uns suggeriert worden, dass das für den Erhalt des Betriebs ist“. Die Vergleiche mit Haus Iris und Hotel Alexandra hinkten seiner Meinung aber. Das seien andere Grundstücke und Lagen. In der inneren Buchener Straße habe man aber mehrere touristische Betriebe (Haus Theresa, Alpenhof, Sedlmayr), die zu schützen seien. Das sei auch ein wichtiges Ziel des in Planung befindlichen Sanierungsgebiets Badeteil. Die Stärkung der anderen Fremdenverkehrsbetriebe war auch Michael Lindmairs (FWG) Beweggrund für die Entscheidung zugunsten eines Bebauungsplans. Die Kritiker unter den Stadträten seien, so kam es bei Fürstberger an, mit dem Herz bei den Eigentümern. „Der Städtebau hat aber nicht so viel Herz.“
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CSU-Redner wie René Mühlberger folgten ihm. Man dürfe nicht von der Tagesaktualität abhängig sein, sondern müsse „rote Linien“ abstecken. Er erwarte dringend Ergebnisse aus der Diskussion um das Sanierungsgebiet Badeteil. Diese sollen im Frühjahr vorliegen, so Fürstberger.
Ulrike Bomhard (FWG) plädierte in ihrem Fazit für einen Aufschub der Entscheidung und eine Denkpause. Die Sedlmayrs hätten 30 Jahre lang vorbildlich ihren Betrieb geführt und wollten und könnten jetzt nicht mehr. „Da muss man sich schon in sie hineinversetzen.“ Richard Hoch empfand es sogar so, dass „hier ein Exempel statuiert wird“.
Roswitha und Winfried Sedlmayr, die beide anwesend waren, wollen sich nun erst einmal beraten. Aufgeben wolle man noch nicht. Wichtig war der Geschäftsführerin des Hauses der Dank für die „menschliche Haltung“ der Stadträte, für die „nicht nur Recht und Gesetz“ gezählt hätten.
Die Abstimmung
Für die Aufstellung eines Bebauungsplans und eine Veränderungssperre stimmten: J. Janker, Botzenhart, Heufelder, Mehner, Steigenberger, K. Bauer, Mühlberger, L. Janker (alle CSU), Grundhuber (Grüne), A. Wiedemann, Lindmair, von der Wippel (alle FWG), Renner, Streicher (beide SPD). Dagegen: L. Bauer, A. Mayer (beide CSU), Hoch, Priller, F. Mayer (Grüne), Bomhard, Rein, P. Wiedemann, Harrer (alle FWG) und Plöckl (SPD).