VonAndreas Högerschließen
Er ist leicht zu bestellen, fährt zuverlässig und kostet nur zwei Euro: Der Rufbus Hoki wird fleißig genutzt. Bisher musste er an den Gemeindegrenzen umdrehen, doch das soll sich 2024 ändern. Otterfing, Valley und Warngau wollen ins Hoki-Netz.
Holzkirchen – Der Rufbus Hoki, der bisher nur innerhalb der Marktgemeinde unterwegs war, bekommt ein größeres Revier. Die Nachbarn Otterfing, Valley und Warngau (mit dem nördlichen Gemeindeteil) wollen zusteigen. Zwar stehen diese Woche noch einige Abstimmungen an; doch es sieht so aus, als könnte der Hoki schon Anfang nächsten Jahres auch die Nachbargemeinden bedienen.
Die Abstimmungen sind nötig, weil die hoheitliche Aufgabenträgerschaft für den ÖPNV grundsätzlich beim Landkreis Miesbach liegt. Für den Bedarfsbus Hoki, der nur auf Bestellung bestimmte Haltepunkte anfährt und eine Mischung aus Bus und Taxi darstellt, übertrug der Landkreis diese Aufgabe auf die Marktgemeinde. Das On-Demand-Linienbussystem der Holzkirchner startete im September 2022.
Diese Prozedur muss jetzt für die Beitritts-Gemeinden nachgeholt werden. Otterfing hat den Aufnahme-Antrag bereits beschlossen, am heutigen Dienstag (14. November) wollen Valley und Warngau folgen; heute steht auch eine Abstimmung im Marktgemeinderat Holzkirchen an, der damit seine Bereitschaft signalisiert, auch den vergrößerten Hoki-Betrieb zu organisieren.
Dann fehlt nur noch am Donnerstag, 16. November, ein entsprechender Beschluss des Kreisentwicklungs-Ausschusses. Dabei geht es nicht nur um die hoheitliche Übertragung der ÖPNV-Zuständigkeit (zu der auch Rufbusse zählen), sondern auch um einen finanziellen Zuschuss. Bisher stemmte der Markt Holzkirchen das Angebot aus eigener Kraft, da nur das Gemeindegebiet bedient wurde. Da jetzt aber interkommunale Fahrten anstehen, sehen die vier Nordgemeinden auch den Landkreis finanziell in der Pflicht.
Laut Beschlussvorlage geht die Holzkirchner Standortförderung davon aus, dass künftig 15 Prozent aller Hoki-Fahrten zwischen den Gemeinden stattfinden. Daraus errechnet sich ein jährlicher Landkreis-Zuschuss von etwa 93 000 Euro. Um einen Puffer vorzuhalten, sollen vorsorglich 150 000 Euro in den Landkreis-Haushalt 2024 eingestellt werden. Eine Zweckvereinbarung zwischen Landkreis und den Gemeinden wird die Rahmenbedingungen festschreiben.
Angedacht ist, das Modell vorläufig bis Ende August 2027 laufen zu lassen. Laut Kalkulation muss die Marktgemeinde künftig gut 100 000 Euro jährlich in den Hoki stecken. Auf Otterfing entfallen demnach 41 000 Euro, auf Valley 28 000 Euro und auf Warngau 20 750 Euro. Holzkirchen sagte zu, sich um staatliche Rufbus-Fördergelder zu bemühen. Fahrgäste zahlen bisher zwei Euro für eine Fahrt.
Die Fahrdienstleistung übernimmt weiter das Murnauer Unternehmen Omobi. Laut Standortförderung Holzkirchen dürfte ein zusätzliches Auto reichen, um das erweiterte Rufbus-Netz bedienen zu können. Omobi betreibt bereits ein Rufbus-Angebot in Murnau und hat jüngst den Zuschlag für ein kleines Netz im Landkreis Traunstein bekommen (rund um den Waginger See).
Der Markt Holzkirchen hatte das digital gestützte On-Demand-Bussystem als Pilotprojekt im ländlichen Raum vor einem Jahr gestartet. Die digitale Erfassung ermöglicht eine genaue Abrechnung. Ein Algorithmus berechnet Routen so, dass alle schnellstmöglich ans Ziel kommen. Die Rufbusse sind ständig auf Achse. Bis Ende Oktober stiegen 35 000 Passagiere ein.
