Erneut Sachstandsbericht im Gemeinderat

Schlierseer Hof: Der Bauherr macht beharrlich Tempo

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Seeseitige Fassade: So stellen sich die Planer den neuen Schlierseer Hof vor. Das vermeintlich unterste Geschoss ist tatsächlich das erste Obergeschoss, die Fläche überdacht das Erdgeschoss.

Die Familie de Alwis drückt bei ihren Neubauplänen für den Schlierseer Hof mächtig aufs Gaspedal. Bereits zum vierten Mal in diesem Jahr erhielt der Gemeinderat einen Sachstandsbericht – begleitet von einem emotionalen Appell des Bauherrn.

Schliersee – Eigentlich steht das Vorhaben noch ganz am Anfang, doch schon jetzt wurden die Planer des Schlierseer-Hof-Neubaus im Gemeinderat vorstellig, um Fassaden herzuzeigen. Das hatten sie sich als Aufgabe vom vergangenen Treffen mitgenommen, wie etwa Daniel Bleierer vom gleichnamigen Büro erklärte. Der brachte den Gemeinderat dann auch auf den Sachstand des Vorhabens. Bei weiteren Gesprächen mit Fachbehörden habe man zwei Knackpunkte im wesentlichen lösen können. So habe das Wasserwirtschaftsamt in Sachen Retentionsflächen angedeutet, im Zweifelsfall dem Fluten eines Teils der Tiefgarage (etwa 50 Zentimeter hoch) zuzustimmen. Diese Lösung zur Vermeidung eines weiteren (minimalen) Aufstauens des Sees im Hochwasserfall war im Juli noch skeptisch betrachtet worden (wir berichteten). Auch bei der Verkehrsführung sei man in Gesprächen mit Gemeinde, Polizei und Bauamt Rosenheim weitergekommen, hieß es. Details werden im Bebauungsplanverfahren festgezurrt, im Zuge dessen die Behörden noch zweimal die Möglichkeit haben werden, Stellung zu beziehen.

Tropfen-Optik: Ein 1:2-Modell eines Fassadenelements, das den Standort am Wasser aufgreift. Missfallen erntete die Optik vor allem von Projektgegnern.

Daran erinnerte auch der von der Gemeinde beauftragte Bebauungsplanarchitekt Christoph Rickert, als Gerhard Waas (Grüne) doch einigermaßen giftig nachhakte, auf welcher Grundlage denn zum Beispiel die Berechnung eines hundertjährlichen Hochwassers denn beruhe. Dies und die ablehnenden Wortmeldungen Bernd Mayer-Hubner und Babette Wehrmann (beide Grüne) zur Fassade bewogen den Bauherrn Walter de Alwis dann zu einem etwas emotionaleren Appell an die Gemeinderäte, das Hotel als Zukunftsprojekt zu unterstützen. Die Auslastung der Hotels in der Region sinke, begann er seine Einlassung. „Wir stehen im internationalen Wettbewerb.“ Die Menschen würden nach Griechenland fliegen, obwohl es dort zwischenzeitlich erhebliche Probleme gegeben habe. Der Ort Schliersee benötige ein Vorzeige-Hotel, am besten mehrere, um Gäste und damit Kaufkraft anzulocken.

Walter de Alwis. „Mit Mittelmaß ist es schon vorbei.“

Auch am Tag nach der Sitzung bekräftigt de Alwis gegenüber unserer Zeitung: „Wir müssen etwas Besonderes schaffen. Die Leute suchen Erlebnisse.“ Sehe man sich um, finde man die Top-Hotels in Österreich und Südtirol. Auch für Mitarbeiter, Investoren und Multiplikatoren sei man nur mit etwas Speziellem interessant. „Mit Mittelmaß ist es schon vorbei.“ Die sinkende Auslastung sei ein „Warnschuss“.

Bauherr: Unter 100 Zimmern ist der Betrieb kaum möglich

Bekanntlich wollen Vater de Alwis und vor allem Sohn Marcel das „begehrenswerteste Hotel Deutschlands“ schaffen, das allein schon Grund für einen Urlaub ist und auch viele öffentlich zugängliche Flächen bietet. Die Größe von mindestens 100 Zimmern, das betonte de Alwis einmal mehr, brauche es aus wirtschaftlichen Gründen. Und weil auf dem Gelände zwischen See und Seestraße nur begrenzt Platz ist, muss es eben in die Höhe gehen. Fünf Stockwerke plus Dachgeschoss sind bekanntlich geplant.

Diskussion über Gebäudehöhe eigentlich abgeschlossen

Die Diskussion um diese Höhe, von Waas erneut aufgegriffen, betrachtet CSU-Fraktionssprecher Florian Zeindl als abgeschlossen an. Der Gemeinderat habe mit 14:5 (damals ohne Waas) beschlossen, diesen Weg einzuschlagen. „Mir ist bewusst, dass dies kontrovers diskutiert wird im Ort.“

Gegner- und Befürworter-Wortmeldungen halten sich am Ende die Waage

Für die nun vorgestellte Fassadengestaltung trifft das auch auf den Gemeinderat zu. Unbehandelte Lärche in Tropfen-Optik, eingefasst von Metallrahmen soll die seitlichen Wände des dreiteiligen Komplexes zieren. Die Optik zum See hin ist von den Balkonen der Zimmer geprägt. Neben den kritischen Stimmen meldeten sich dann doch auch Befürworter, Florian Reinthaler (CSU) etwa und von den Schlierseern Uschi Bommer – in Richtung Kritiker: „Ich finde es schwach, immer nur ,Nein, nein, nein‘ zu sagen“, – und Architekt Philipp Krogoll. „Natürlich etwas Gewagtes und Unbekanntes, worüber man sich streiten kann.“ Ihm gefalle die Fassade aber. „Schön, dass sie überhaupt aus Holz ist.“

Auch das bedeutet im übrigen nicht unerhebliche Kosten, so de Alwis. Der hofft nun, bei dem Projekt „für die nächste Generation“, Investitionsvolumen: über 30 Millionen Euro, zügig weiter zu kommen.

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