In Folge der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie werden nun auch die Oberland-Werkstätten zugesperrt.Für viele Betroffene ist das emotional ein schwerer Schritt.
Gaißach – Die gemeinnützigen Oberland-Werkstätten (OLW) haben am Mittwoch ihre vier Betriebe in der Region für vorerst einen Monat zugesperrt. Davon sind auch die Betriebe in Gaißach und Geretsried betroffen, in denen gegenwärtig knapp 300 Menschen mit Behinderung beschäftigt sind.
Wie die Gaißacher OLW-Betriebsleiterin Carolin König berichtet, war das für viele von ihnen ein harter Schnitt: „Viele hatten bei der Verabschiedung am Dienstag Tränen in den Augen. Unsere Werkstätten sind für sie mehr als nur Arbeitsplatz und Teilhabe am Erwerbsleben, die meisten haben hier auch ihre wichtigsten sozialen Kontakte und enge Freundschaften.“
„Unsere Werkstätten sind mehr als nur ein Arbeitsplatz“
So eine Betriebsschließung sei ja auch nicht ganz leicht zu verstehen, weil der Coronavirus quasi ein unsichtbarer Feind ist, erklärt Carolin König. Die letzten Wochen haben aber auch gezeigt, wie die Beschäftigten die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen mitgetragen und verinnerlicht haben: „Sie haben sich zum gründlichen Händewaschen und Desinfizieren sogar gegenseitig ermahnt, weshalb die sonst zu dieser Jahreszeit üblichen Infekte viel seltener aufgetreten sind.“
Viel schwerer sei es ihnen gefallen, die Ermahnung zu beherzigen, ihre emotionalen Bedürfnisse einzuschränken und auf körperliche Nähe und Umarmungen zu verzichten: „Das haben manche wie eine Kränkung empfunden.“
Oberland-Werkstätten vorerst für einen Monat geschlossen
Wie geht es jetzt weiter: Voraussichtlich bis zum 19. April bleiben die betroffenen Menschen mit Behinderung nun in ihren Wohnstätten der Lebenshilfe oder bei ihren Familien. Für Härtefälle haben die Betriebe jeweils eine Gruppe zur Notfall-Betreuung eingerichtet, wobei die Beförderung von den Angehörigen organisiert werden muss.
König: „Falls Sie auf diese Gruppe angewiesen sind, sollten sie die Betriebsleitung in Verbindung kontaktieren.
Wie die Geretsrieder Betriebsleiterin Dietlinde Schoch mitteilt, wird die angebotene Notgruppe offenbar nicht gebraucht: „Alle Angehörigen sind offenbar in der Lage, diese Aufgabe zu schultern.“
Trotzdem laufen die beiden Betriebe weiter: Wie Geschäftsführer Oliver Goselitz mitteilt, werden die Werkstätten ihre Produktion für „systemrelevante Kunden“ im bestmöglichen Umfang aufrechterhalten: „Wir werden selbstverständlich unsere Kunden nicht im Stich lassen, die gerade in dieser außergewöhnlichen Zeit eine wichtige Rolle in unserem System spielen.“ Insbesondere Krankenhäuser sowie Senioren- und Pflegeheime seien jetzt auf die Dienstleistung der Werkstätten-Wäschereien dringend angewiesen.
Betriebe laufen trotzdem weiter
Die angestellten Fachkräfte und Betreuer der Werkstätten werden deshalb nicht nach Hause geschickt, für sie geht die Arbeit jetzt weiter. Auch Carolin König und Dietlinde Schoch sind jetzt dort im Einsatz, wo bislang Menschen mit Behinderung die Maschinen bedient und die Abläufe gewährleistet haben. Gaißach versorgt zum Beispiel das Tölzer Josefistift mit Bettwäsche, Geretsried die Kreisklinik Wolfratshausen und das Augustinum in München. Wie Dietlinde Schoch ergänzt, hält der Betrieb Geretsried darüber hinaus auch seine Außengruppe beim Weltkonzern Roche in Penzberg aufrecht, wo die Mitarbeiter für die Verpackung von Medikamenten zuständig sind.
(Rainer Bannier)
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