Schon 120.000 Euro Planungskosten investiert

Zukunft des Klosters Schlehdorf: Wohngenossenschaft München stellt Weichen für Kauf

+
Die Wohngenossenschaft München prüft, den ehemaligen Schwesterntrakt und Bildungsbereich (im Bild vorne) von den Missions-Dominikanerinnen zu kaufen.
  • schließen

Schritt für Schritt tastet sich die Wogeno München an den Kauf des Klosters Schlehdorf heran. Derzeit läuft es gut. Eine endgültige Entscheidung soll heuer im Sommer fallen.

Schlehdorf – „Die Signale mehren sich, dass sich die Genehmigungsseite positiv gestaltet“, sagt Peter Schmidt, einer von drei Vorstandsmitgliedern der Wohngenossenschaft (Wogeno) München. Schmidt ist mit der Immobilie am Kochelsee befasst, die die Wogeno „Cohaus Kloster Schlehdorf“ nennt. Wie berichtet, prüft man derzeit, den ehemaligen Schwesterntrakt und den Bildungsbereich zu kaufen. Geplant sind ein Wohnprojekt mit Gästehaus und Seminarbetrieb. Kirche und Realschule sind von den Plänen der Wogeno nicht tangiert. Die Missions-Dominikanerinnen sind vor knapp einem Jahr in neue Gebäude gezogen, die sie auf ihrem eigenen Grund errichtet haben.

Auf Anraten von Landrat Josef Niedermaier habe die Wogeno einen Projektsteuerer ins Boot geholt, einen Architekten, berichtet Schmidt. Bei diesem laufen alle genehmigungsrechtlichen Fäden zusammen, zum Beispiel hinsichtlich Brandschutz und Statik. Demnächst findet wieder eine Besprechung mit dem Kreisbauamt statt. Auch die beteiligten Behörden würden Ressourcen bereitstellen, „um sich die Komplexität des Klosters in der Tiefe anzuschauen“, sagt Schmidt. In den vergangenen Wochen musste der Projektsteuerer „wie ein Jäger und Sammler“ sehr viele Unterlagen beschaffen, unter anderem Baugenehmigungen seit den 1920er-Jahren. Trotzdem, sagt Schmidt, komme man in Bezug auf das riesige Projekt zufriedenstellend voran. „Ich bin guter Dinge.“

Zur Gemeinde Schlehdorf bestehe ein sehr guter Kontakt. „Bürgermeister Jocher setzt sich sehr für uns ein und bietet an, bei den verschiedenen Planungsschritten dabei zu sein.“

Die Wogeno will das alte Kloster in die Zonen Wohnen, Gewerbe (Büro- und Seminarbereich) und Öffentlichkeit (zum Beispiel Ausstellungen, Konzerte) unterteilen. Eine Zonierung ist auch wegen der unterschiedlichen Brandschutzauflagen wichtig. Die ehemaligen Schwesternzimmer (schon mit Bad) sollen teils dauerhaft, teils vorübergehend vermietet werden. Die Rede ist von 40 Zimmern. Eine Dauernutzung ist zum Beispiel für Mitarbeiter des neuen Pflegeheims vorgesehen. Ihnen stehen in einer Art WG-Form gemeinsame Auftenthaltsbereiche, etwa eine Küche, zur Verfügung. Geplante Kosten: 340 Euro netto plus Nebenkosten.

Die vorübergehende Vermietung richtet sich an Seminarteilnehmer und Feriengäste. Zudem werden Ateliers vergeben, etwa an Künstler. Voraussetzung ist jedoch, Mitglied der Wogeno zu sein.

Gemeinschaftliches Leben ist ein Wesensmerkmal der Wogeno, die sich auch als Vorreiter von neuen Wohnformen sieht. „Eine exklusive Drei-Zimmer-Wohnung wird es hier im Kloster nicht geben. Das entspricht auch nicht dem Charakter des Hauses“, sagt Schmidt.

Seit wenigen Tagen gibt es eine sogenannte „Co-Working-Area“ im Bereich der ehemaligen Hauswirtschaftsschule rechts neben der Pforte. Diese Räume nutzte bislang die Pfarrgemeinde, die im Tausch nun Räume erhält, die näher am Kirchenschiff liegen.

Für die reine Planung hat die Wogeno seit Juni 2018 laut Schmidt rund 120 000 Euro investiert. „Das ist nicht gerade wenig für unsere Genossenschaft.“ Von Seiten der Mitglieder gebe es für das Projekt fast ausschließlich Zuspruch. Das Interesse an der Nutzung sei nicht nur aus den eigenen Reihen hoch, sondern man merke schon Nachfrage von Institutionen, die Seminare anbieten wollen. Noch sind bautechnische Fragen und – sehr wichtig – Details mit Denkmalschützern zu klären. „Wir hoffen auf Unterstützung von allen Seiten“, sagt Schmidt. Eine endgültige Entscheidung zum Kauf will die Wogeno diesen Sommer treffen.

Lesen Sie auch: Deshalb ist Bad Tölz „eine Stadt mit besonderer Note“

Kommentare