Riesiger Ansturm

5. Hexennacht lockt Besucher in Scharen in die Schongauer Altstadt

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Passend kostümiert präsentierten sich viele Besucher der Schongauer Hexennacht.
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Wenn die Hexen los sind, dann kommen sie alle: Die Hexennacht hat am gestrigen Freitag Hunderte Besucher in die Schongauer Altstadt gelockt. Der Ansturm bei idealem Wetter war so groß, dass sich in der Münzstraße zeitweise ein langer Stau bildete. Auch in den Geschäften brummte der Laden.

Schongau – Schon um 18 Uhr strömen die Besucher in Scharen auf den Marienplatz, viele haben sich dem Anlass entsprechend in Schale geworfen. Kleine Hexen stapfen munter an der Hand ihrer Eltern, gruselige Gestalten nutzen die Hexennacht als vorgezogene Halloween-Feier. „Es kommen immer viele in Verkleidung“, sagt Anna Schmid, die selbst im Hexen-Outfit vor der Goldschmiede steht. An ihrem Schaufenster drängen sich bereits Groß und Klein, um sorgsam die Hexen zu zählen. Die Hexen-Rallye ist auch heuer wieder ein voller Erfolg.

Auf der Bühne stimmen die jungen Musiker der Schongauer Band „Yokio“ das erste Lied an, am Marienbrunnen haben die ersten eifrigen Kürbisschnitzer ihr Werk abgeliefert. Wem diesmal der kreativste Kürbiskopf gelungen ist, wird sich später am Abend bei der Prämierung zeigen (Bericht folgt).

Während im Ratsstüberl im Ballenhaus leuchtende Kinderaugen gebannt an den Lippen von Märchenerzählerin Christl Haseitl hängen, kommt Kornelia Funke gerade von der Kinderstadtführung mit Hexenkind Hagasusa zurück. 40 junge Zuhörer seien diesmal beim Rundgang durch die Geschichte gewesen. „So viele waren es noch nie“, schwärmt die Sprecherin der Werbegemeinschaft. Hinter ihr leuchten Stefan Konrad und Michael Reith mit ihren Laternen, als Nachtwächter machen sie heute die Altstadt unsicher. Konrad, der SPD-Mann im schwarzen Gewand, CSU-Freund Reith im roten. An einem solchen Abend ist alles erlaubt, sagen sie grinsend.

Mit ihrer Tanzshow sorgten die „Hiphop“-Hexen der Tanzschule „dance&more“ für Begeisterung bei den zahlreichen Besuchern am Marienplatz.

Die gute Stimmung, sie ist in dieser schaurig-schönen Nacht überall zu spüren. Familie Dressel ist aus Hohenpeißenberg nach Schongau gekommen. Die Hexennacht, eine super Aktion finden Tanja und Alex Dressel. Ihre Tochter Valentina (7) in ihrem Hexenkostüm nickt verstohlen. „Sie hat regelrecht hingefiebert auf diesen Abend“, verrät ihre Mutter.

Die Dressels sind nicht die einzigen, die einen längeren Weg auf sich genommen haben. Aus Starnberg, Garmisch, ja sogar aus Augsburg seien bereits Kunden im Laden gewesen, sagt Maria Mader. Die Chefin vom Frauenzimmer und eine der Organisatorinnen strahlt glücklich hinter der Theke ihres Ladens. Ob draußen schon viel los sei, will sie wissen. Weil der Andrang so groß ist, hat Mader es bis 19.30 Uhr noch nicht einmal vor die Tür geschafft. Tatsächlich nutzen viele Besucher die Gelegenheit, für eine Shoppingtour. Bis 22 Uhr haben die teilnehmenden Geschäfte geöffnet, die Hexennacht ist auch eine lange Einkaufsnacht.

Vor der Bühne am Marienplatz hat die Party endgültig begonnen. Zum Gassenhauer „Hulapalu“ tanzen kleine Gespenster und Hexen um die Wette, auch bei den Erwachsenen ertappen sich einige beim Mitsingen. An den Essensständen bilden sich Schlangen, Die Feuerwehr entzündet derweil die Feuerschalen fürs Stockbrot.

Stars am Brunnen: Die liebevoll gestalteten Kürbisse waren auch heuer ein beliebtes Fotomotiv.

Stadtbaumeister Sebastian Dietrich schiebt sich durch die Menge. „Viel los hier“, sagt er. „So soll es sein.“ Die Fußgängerzone voller Menschen, das könnte öfter so sein. Etwas ruhiger geht es im Löwenhof zu, wo das Team von Friseur Daniel Mayr jungen Hexen die passenden Frisuren verpasst.

Im Stadtmuseum sitzt Helmut Schmidbauer an der Kasse und macht aufmerksam Striche für jeden Besucher. Später wird der Kreisheimatpfleger über den Schongauer Hexenprozess sprechen, seine Lesung ist gut besucht. „Schön, dass was los ist – aber der Verkehr“, sagt Schmidbauer.

Tatsächlich ist in der Münzstraße streckenweise kein Durchkommen, viele fahren mit dem Auto in die Altstadt. Auch auf dem Gehweg herrscht Hochbetrieb, am Stand der EA Schongau drängen sich die Leute. Gleiches gilt fürs Kinderschminken in der Passage. Weiter unten haben sich zwischenzeitlich die „Brass Boyz“ aufgebaut und heizen den Zuhörern kräftig ein.

Lob gibt’s in dieser Nacht von allen Seiten zu hören für eine rundum gelungene Veranstaltung. Deren Magie kann sich auch Manfred Wodarczyk nicht entziehen. „Endlich ist was los hier“, freut sich der Schongauer Sommer-Chef. Dann eilt er weiter. Zum Marienplatz. Wo die Hexen toben.

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