Freilicht-Theater ist immer eine besondere Herausforderung. Bei hochsommerlicher Hitze hat die erste Gesamtprobe zum Henkerstochter-Historienspiel stattgefunden.
Schongau – Während sich am Samstag Henkerstochter-Erfinder Oliver Pötzsch die Ehre gab, der bei der Premieren-Vorstellung wieder eine kleine Rolle übernehmen wird, war am Sonntag mit der ersten Kostümprobe schon richtig etwas fürs Auge geboten. Schön anzusehen sind die historischen Gewänder.
Sie sind aber auch nicht für Hitze gemacht, da waren Schattenplätze unter den Bäumen gefragt. Auch, wenn mit einigen Tricks gearbeitet wurde, wie zum Beispiel beim Kostüm von Frank Seelig: Unter dem schwarz-goldenen Brokat-Gehrock trägt er nur ein halbes Hemd. Einen Hemdenlatz, der mit Bändern in der richtigen Position gehalten wird. Selbst die Manschetten, die aus dem Ärmel lugen, beginnen erst am Ellbogen.
Strumpfhose gehört mit zum Kostüm
Dafür hat er es „untenrum“ schön warm: „Mir ist immer noch nicht klar, warum statt Knie-Strümpfen eine Strumpfhose zu meinem Kostüm gehört“, beschwerte er sich bei Isolde Lerch. Die musste angesichts der Maskerade und des improvisierten Hemds erst einmal lachen. Seit 1992 war sie für die Kostüme des Historienspiels zuständig. Der inzwischen riesige Fundus wurde von ihr mit 13 Helferinnen entworfen und genäht.
Inzwischen hat sie die Aufgabe abgegeben an Kathrin Lohr-Berens, die mit Fundus-Verwalterin Karin Weiser die Kostüme verteilt. „Wir haben damals bei Null angefangen“, erzählt Lerch. Inzwischen ist ein Grundstock an Kostümen vorhanden.
Die rund 70 Darsteller mit passenden Gewändern zu versehen, ist allerdings immer noch eine große Herausforderung. Da wird geändert, kombiniert und geändert. Und zwar bis zur letzten Minute. „Einige nehmen durch den Probenstress richtig ab. Zum Beispiel war der Henkersdarsteller vergangenes Jahr vor der Premiere um acht Kilo leichter“, verrät Lohr-Berens.
Kostüme auf den Leib geschhneidert
20 Kostüme hat sie neu angefertigt und den Hauptdarstellern quasi auf den Leib geschneidert. „Im März 2018 haben wir mit Entwürfen und Stoffauswahl begonnen, im Januar 2019 war das erste Hauptkostüm fertig“, ergänzt sie. Die Ideen dazu holte sie sich aus historischen Filmen. „Die Schauspieler müssen sich in ihrem Kostüm wohlfühlen, um ihre Rolle authentisch verkörpern zu können“, sagt die gelernte Schneiderin.
„Toll ist es, wie die Schneiderinnen mit viel Mühe aus allem etwas machen“, schwärmte Statistin Karin Ostler, die eine reiche Dame darstellt. Das elegante Haarnetz auf ihrem Kopf war einmal eine Öko-Einkaufstasche. Lohr-Berens sitzt derweil an einem Tisch und nimmt Wünsche, Anregungen und Arbeitsaufträge entgegen. Fast jeder hat noch etwas zu ändern oder zu verbessern, und ihre Liste wird immer länger.
Regisseur Maximilian Geiger ist gefordert
Gefordert, allerdings auf der Bühne, ist auch Regisseur und Autor Maximilian Geiger, der den sechsten Henkerstochter-Roman von Oliver Pötzsch szenisch umgesetzt hat. „Wichtig ist mir, dass das Stück einen Bezug zu Schongau hat, und im Hinblick auf die Passion im nächsten Jahr war natürlich auch das Thema Oberammergau interessant“, begründete er seine Wahl.
Mit den Proben ist er bislang sehr zufrieden. Viele waren schon beim vergangenen Mal dabei, und man hat schon eine gewisse Routine. Allerdings dürfen sich die Besucher auf neue Effekte freuen. Dieses Mal wird laut Theatervereins-Chef Michael Boos ein eigens zusammengestellter Chor mit dabei sein. Und es gibt neben vielen kleineren Überraschungen einen richtigen Knalleffekt, der aber natürlich nicht verraten werden soll.
Ursula Fröhlich
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