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Trotz vieler Proteste: Für den Platz am Münzgebäude bleibt es beim Namen „Marie Juchacz“ statt „Fronveste“. Kreisheimatpfleger Schmidbauer ist stinksauer.
Schongau – Seit Ende März heißt der Bereich am Schongauer Münzgebäude Marie Juchacz-Platz. Dies hatte der Stadtrat mehrheitlich, aber nicht einstimmig auf Antrag der SPD-Fraktion beschlossen. Mit 15:8 Stimmen entschied man sich damals dafür, die bekannte Frauenrechtlerin und AWO-Gründerin an dieser Stelle zu würdigen. Einerseits nehme Marie Juchacz in der deutschen Geschichte einen bedeutenden Platz ein. Andererseits passe dieser Vorschlag auch zum Adolph-Kolping-Weg, der außerhalb der Stadtmauer am Münzgebäude vorbeiläuft.
Schon in der Stadtratssitzung war damals seitens der CSU-Fraktion der Einwand gekommen, dass man doch bitte den Namen Fronveste verwenden möge, der auch zur Historie des für Schongau so bedeutenden Gebäudes passe. Dies hatte auch Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer vorgeschlagen, wie Fraktionssprecherin Kornelia Funke im März ausführte. Betont wurde auch, dass man keinesfalls die Bedeutung Marie Juchacz’ schmälern wolle, aber an die Reichstagsabgeordnete an anderer Stelle gedacht werden könne.
Schongau-Bezug sollte enger sein
Proteste zur Namensgebung waren im Nachgang der Sitzung seitens der Schongauer Bürgerschaft gekommen, wie sich in zahlreichen Leserbriefen an die Schongauer Nachrichten widerspiegelt. Der Vorschlag „Fronveste“ wurde gelobt, ein engerer Schongau-Bezug vielfach gewünscht und die historische Bedeutung des Platzes angemahnt. In den vergangenen Wochen hätten „ständig aufgebrachte Mitbürger ihren Ärger über diesen Stadtratsbeschluss“ bei ihm abgeladen, so auch Schmidbauer. In einem Schreiben an Bürgermeister Falk Sluyterman bat der Kreisheimatpfleger darum, den Beschluss noch einmal zu diskutieren und eventuell neu zu fassen.
Aus Sicht der Kreisheimatpflege sollten nicht ortsbezogene Benennungen oder Namen mit allgemeinem, gar politischem Inhalt, vermieden werden. „In der historischen Altstadt sollten Straßennamen immer einen deutlichen Erinnerungswert an die Schongauer Stadtgeschichte haben.“ Der Platz bei der Fronveste gehöre ausschließlich der Erinnerung an das Schongauer Amtsgebäude für Rechtsvollzug, Haft und Folterung. Schmidbauer: „Der richtige Name des Platzes wäre ,Bei der Fronveste’.“
Gleiches Ergebnis der Abstimmung
Schmidbauer kritisierte in seinem Schreiben auch, dass der Beschluss zu wenig vorbereitet worden sei und, was mögliche Alternativen betreffe, „recht unprofessionell diskutiert wurde“. Bei der bisherigen Vergabe von Namen habe die Verwaltung dem Stadtrat stets einen „sachlich sauber aufbereiteten Antrag“ zur Entscheidung vorgelegt. In der Regel sei dazu auch der Kreisheimatpfleger um Stellungnahme gebeten worden.
Schmidbauers Ansinnen wurde im Stadtrat inhaltlich gar nicht erörtert. Wie Geschäftsleiterin Bettina Schade erläuterte, werde das Schreiben als „Eingabe“ behandelt wie die Ausführung jedes Schongauer Bürgers. Diese müsse lediglich zur Kenntnis genommen werden.
„Die Frage ist, ob sich ein neuer Sachverhalt ergibt und Sie das Fass noch mal aufmachen wollen“, so Schade. Dies war aus Sicht der Verwaltung jedoch nicht der Fall, der Vorschlag Fronveste sei bekannt gewesen, der Stadtrat habe im März dennoch abgestimmt. Die Mehrheit der Stadträte sah dies in der jüngsten Sitzung genauso – mit dem exakt gleichen Abstimmungsergebnis 8:15 Stimmen.
Damit war der Antrag Kornelia Funkes hinfällig, dem anwesenden Kreisheimatpfleger das Rederecht zu erteilen. Funke hatte daran erinnert, dass es bei der bisherigen Vergabe von Namen immer ein „wunderbares Miteinander“ gewesen sei.
Bürgermeister Falk Sluyterman hingegen wunderte sich öffentlich, dass er im Vorfeld der Sitzung nichts von Schmidbauer, den er im übrigen sehr schätze, gehört habe. „Er kennt meine E-Mail-Adresse.“
Schmidbauer: Bevölkerung nicht gefragt
Schmidbauer zeigte sich nach der Entscheidung äußerst verärgert, vor allem über den Maulkorb, den man ihm mittels eines Kunstgriffs über die Geschäftsordnung verpasst habe, also die Behandlung seiner Ausführung als „Eingabe“. Schmidbauer: „Ich war 29 Jahre in diesem Gremium; nie habe ich erlebt, dass ein Antragsteller so behandelt worden ist.“ Vor allem aber ärgere er sich darüber, dass die Bevölkerung zum Thema nicht gefragt worden sei.
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