VonElke Robertschließen
Im Frühjahr 2020 starten die Arbeiten am Schongauer Bahnhof. Bei Gleis zwei und drei entsteht ein Mittelbahnsteig, Flächen für Räder und Autos sind geplant.
Schongau – Seit Jahren ist die Stadt Schongau mit der Bahn in Verhandlungen. „Seit 2015 sind wir immer wieder vertröstet worden“, so Bürgermeister Falk Sluyterman in der jüngsten Stadtratssitzung. Nun kann es doch endlich losgehen in Schongau. Bequemer werden soll es für Reisende mit einem Mittelbahnsteig inklusive zweier Wartehäuschen. Geeinigt hat man sich auf eine Bahnsteighöhe von 55 Zentimeter, wie Martin Blockhaus vom Stadtbauamt erläuterte.
Wohl ein Traum bleibt erst einmal die Anbindung des Krankenhauses und der Stadt Landsberg. Zwar ist die optionale Verlängerung der Strecke berücksichtigt, „eine Realisierung derzeit laut Deutscher Bahn aber nicht möglich“, so Blockhaus. Das alte Stellwerk mit „mittelalterlicher Seilzugtechnik“ (Stadtrat Friedrich Zeller, SPD) habe Bestandschutz, eine Erneuerung koste einen zweistelligen Millionenbetrag und sei nach Auskunft der Bahn „nur mittelfristig möglich“, so Blockhaus.
Bahnsteig kann später erhöht werden
Möglich sei es, den Bahnsteig nachträglich auf 76 Zentimeter zu erhöhen, so Blockhaus – für eine spätere Elektrifizierung der Strecke. Ein Vertrag mit Elektrifizierung sei frühestens ab dem Jahr 2034 möglich, wusste Andreas Holzhey, Eigentümer des Schongauer Bahnhofs wie auch des Bürgerbahnhofs in Landsberg und in Murnau. Auf die Möglichkeit, die Bahnsteige baulich erhöhen zu können, hatte Sluyterman bei den Verhandlungen besonderen Wert gelegt, um eine gewünschte schnelle Direktverbindung nach München zu verwirklichen, ein „Express“, wie es Stephan Hild (UWV) nannte. „Es ist zäh, aber bitte weiter anregen“, bat Hild.
Noch heuer beginnen erste Umweltmaßnahmen. In der zweiten Jahreshälfte sollen Blindschleichen und Zauneidechsen, die sich offensichtlich auf dem Bahnhofsareal recht wohlfühlen, versetzt werden. Vorarbeiten für den Umbau an den Gleisen starten dann im Frühjahr 2020, die große Baustelle läuft von Juni bis Oktober kommenden Jahres. Nach Informationen der DB sollen alle Bauarbeiten während des laufenden Zugverkehrs passieren.
Einheitliches Gesamtbild am Bahnhof
Noch etwas warten muss das Bahnhofsumfeld, „auch, um ein einheitliches Gesamtbild zu erhalten“, so Blockhaus. Der Stadtrat entschied sich mehrheitlich (22:2 Stimmen) für die Variante zwei, bei der die Kastanienallee weitgehend erhalten bleibt – und die alte Güterhalle. „Die Güterhalle hat auch ideellen Wert“, so Stadtbaumeister Sebastian Dietrich. Die Stadt hofft, im Rahmen von ISEK, dem Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept, ein Sanierungsgebiet ausweisen zu können. Möglich seien dann Förderungen von 60 Prozent.
Städtebaulich sei es eine sehr homogene Lösung“, führte Martin Hofmann vom Büro „Hofmann und Dietz“ aus. Hochgerechnet könnten nach derzeitigem Planungsstand 59 „Park & Ride“-Parkplätze zur Verfügung stehen. Auch vier Stellplätze für Fahrzeuge mit Elektroantrieb sind südlich des Bahnhofs eingeplant, wobei Stefan Konrad (SPD) hinterfragte, ob man diese Anzahl mit Blick auf die Zukunft nicht erweitern müsse.
Die Gestaltung nicht aus den Augen verlieren
Vizebürgermeister Tobias Kalbitzer (ALS) warnte vor sehr engen Einfahrten „beim komischsten Kreisverkehr der Welt“ im südlichen Bahnhofsbereich. „Wir dürfen gestalterisch nicht aus den Augen verlieren, dass das die Einfahrtsstraße von Schongau ist“, so Ilona Böse (SPD). Für die Güterhalle solle man sich im Voraus eine Nutzung überlegen, um einen Leerstand zu vermeiden, so Böse. Der Auftrag seitens der Bürgerschaft und des ISEK-Steuerkreises sei klar, verdeutlichte Dietrich: „Ein Raum für Kultur und für die Jugend – sich gegen dieses Votum zu stellen, ist nicht gut.“
Parkplatz für viele Räder geplant
Die „perfekte Situierung der Fahrradanlage“ lobte Friedrich Zeller (SPD). Angedacht ist eine überdachte
Anlage im östlichen Bereich des Bahnhofsvorplatzes mit bis zu 96 Stellplätzen. Das Areal gehört der Bahn, die noch zustimmen muss. Von einer „individuellen Lösung“, wie sie sich Bettina Buresch (ALS) wünschte, wurde abgeraten. Realisiert werden die Radlstellplätze aber erst, wenn der Bahnsteig fertig ist.
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