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Die Schongauer Topografie stellt Planer vor eine Herausforderung. Der Fußweg beim Münzgebäude wird neu gestaltet. Der Stadtrat entschied sich mehrheitlich für die steilere Variante.
Schongau – Der erste Schritt für die Freianlagen am Münzgebäude wie auch für den ersten Bauabschnitt rund um die Neugestaltung des Schongauer Stadtmauerumfelds ist getan. In seiner Sitzung am Dienstag verabschiedete der Stadtrat einen Vorentwurf für den Bereich nördlich des Stadtzugangs sowie den Vorplatz südlich des Münzgebäudes und östlich Richtung Stadtfriedhof.
Ursula Hochrein vom Münchener Büro Lohrer-Hochrein, das den Wettbewerb Stadtmauerumfeld gewonnen hatte, stellte für den Fußweg zwei Varianten vor. „Das wäre der einzige Zugang zur Stadt, den man barrierefrei entwickeln könnte, so die Planerin. „Aber wenn wir 100-prozentig nach den DIN-Normen arbeiten, dann ergibt das einen Zickzackkurs mit vielen Handläufen.“ Die Variante zwei mit dem flacheren, langen Weg beinhaltet gleichzeitig einen direkten Weg mit diversen Stufen – was im Winter auch das Schneeräumen erschweren könnte. In Variante eins dagegen sei die derzeitige Wegeführung ab der Ampel optimiert worden – inklusive einem Handlauf für die Treppenstufen im Ampelbereich, die aber auch über einen flachen Weg umgangen werden können. Die Planerin wägte ab, präferierte aber die steilere Variante. Auch seitens der Verwaltung sah man „leichte Vorteile für den pragmatischen Weg“, so stellvertretender Stadtbaumeister Robert Thomas.
Porsche-Rohrer: „Unbedingt behindertengerecht planen“
„Das ist nicht ganz in Ordnung.“ Marianne Porsche-Rohrer (CSU) störte sich an den Ausführungen nach dem Motto, in Schongau könne ohnehin nicht alles behindertengerecht gestaltet werden, „dann ist es hier auch schon wurst“. Schließlich spreche man nicht nur von Rollstuhlfahrern, sondern auch von Rollatoren und Kinderwagen. Thomas gab zu bedenken, dass es sich bei der behindertengerechten Variante um einen erheblich längeren Weg handele. „Auch innerhalb der Stadt stößt man rasch an die Grenzen, wo die sechs Prozent Steigung nicht mehr eingehalten werden können“, gab Stadtbaumeister Sebastian Dietrich zu bedenken.
Friedrich Zeller (SPD) lobte „die erstklassige Planung“ und befürwortete Variante eins mit direktem Weg und etwas geringerer Neigung als heute. „Bei Variante zwei versucht man nur glattzubügeln, was nicht glattzubügeln ist.“ Gregor Schuppe (ALS) ließ dies alles nicht gelten und fand klare Worte: „Wir leben im Jahr 2019. Wie kann man da diskutieren, ob etwas barrierefrei gebaut wird oder nicht – das ist beschämend.“ Die schwächste Gruppe der Bevölkerung müsse bestimmen, wie der Stadtrat entscheide.
Schnabel: Behindertengerechte Variante „unlogisch und sinnfrei“
Dem schloss sich Ilona Böse, Fraktionsvorsitzende der SPD, „ein stückweit“ an – im Gegensatz zu Ralf Schnabel (UWV): „Wir erschließen die Stadt auf 100 Metern barrierefrei, aber davor und danach machen wir uns keine Gedanken“, kritisierte er. „Die Variante zwei durchzuziehen, ist unlogisch und sinnfrei.“ Robert Thomas verwies darauf, dass auch der West-Zugang zum Friedhof auf keinen Fall barrierefrei werden könne. Dies sei bereits untersucht worden. „Dann müssten sämtliche Parkplätze im Hof fallen.“
Mit 18:5 Stimmen entschied sich der Stadtrat für die Variante eins mit direktem Weg. Was die Kosten anbelangt, lagen beide Planungen ohnehin ganz nah beieinander – mit nur rund 3000 Euro Unterschied. Die Kostenschätzung beläuft sich für den Vorentwurf Variante eins auf rund 661 000 Euro. Hinzu kommen Planungskosten in Höhe von 150 000 Euro.
Stadtrundgang mit den Bürgern im Mai
Mit der Rahmenplanung insgesamt sei man noch nicht viel weiter, hatte Ursula Hochrein eingangs ausgeführt, in jedem Fall wolle man das Bild der von Grün eingerahmten Stadtkrone herausarbeiten. Die Planerin kündigte an, dass es im Mai einen gemeinsamen Stadtrundgang auch mit Bürgern geben werde. Bei diesem könnten wichtige, erhaltenswerte Bäume ebenso festgehalten werden wie Sträucher, die man zugunsten besserer Blickbezüge besser entfernt.
Was die weitere Gestaltung im Innenhof des Münzgebäudes anbelangt, schlug die Planerin vor, zunächst einmal Muster von Pflastern zu legen. Die Idee des Architekten Benedikt Sunder-Plassmann, am Münzgebäude und beim Stadtmauerrundgang Cortenstahl zu verarbeiten, wird für den Friedhofszugang aufgenommen. Vor dem Münzgebäude könnte eine kleine Brunnenanlage einen Akzent setzen. Auf der Ostseite wird ein Garten angelegt, Richtung Friedhof eine Multifunktionsfläche inklusive Parkplätzen.
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