Die besondere Stadtführung, die im Rahmen der Henkerstochter-Festspielwochen derzeit in Schongau angeboten wird, ist ein voller Erfolg.
Schongau – „Wir wussten nicht, was uns erwartet“, sagte Stadtführerin Renate Zöpf, die mit Kornelia Funke, Susanne Siegl und Gisela Sporer diese besondere Stadtführung jeweils vor der Aufführung des Henkerstochter-Stücks anbietet. Die eineinhalbstündige Wanderung durch Schongau führt an verschiedenen Plätze vorbei, die man aus dem Buch kennt – sehr zur Freude der 50-köpfigen Führungsgruppe.
Fast alle Gruppenmitglieder hatten den historischen Roman gelesen und freuten sich, nun Originalschauplätze wie die Ratsstube im Ballenhaus, den Katzenweiher, den Klosterhof und weitere Orte in Augenschein nehmen zu dürfen. Eine hervorragende Idee also der vier Stadtführerinnen, die schon am ersten Tag gut angenommen wurde.
Begeisterte Pötzsch-Leser bei der Stadtführung
„Ich habe meinen Mann gebeten, mich extra wegen der Führung hierhinzufahren“, sagte Stefanie Klaws, die zur Zeit mit ihrer Familie in Sonthofen Urlaub macht. Die Hamburgerin ist ein eingefleischter Fan der Reihe über die Henkerstocher von Schongau. „Ich habe alle Bücher gelesen“, so Klaws. Und so verfolgte sie mit den anderen gespannt die interessanten Ausführungen von Stadtführerin Zöpf.
Das Epitaph des Schongauer Gerichtsschreibers Johann Lechner zu besichtigen, war schon einmal ein interessanter Einstieg, denn danach traf man sich, geführt von Susanne Siegl, im Ballenhaus. Lechner, der in dem Buch eine zentrale Figur ist, war Ratsherr und Gerichtsschreiber mit eigener Amtsstube, die man auch besichtigen konnte. Über verschiedene andere Schauplätze gelangte die Gruppe in den jetzigen Klosterhof. Zur Zeit der Henkerstochter, um das Jahr 1660 herum, hieß der Ort „Liedlische Gärten“, in dem diverse Kräuter angebaut wurden, die sowohl der Apotheker, als auch der Henker selbst verwendete. „Denn nur wer vollkommen gesund war, durfte getötet werden“, erklärte Zöpf.
Die Gefolterten müssen gepflegt werden
Und die Zuhörer wussten ja auch aus dem Buch, dass der Henker nicht nur tötete, sondern auch folterte. Danach musste er dann mit allerhand Kräuterkunst die geschundenen Menschen wieder gesund pflegen.
Nach der Besichtigung der früheren „Fronveste“, dem heutigen Amtsgebäude, kam die Gruppe auch am ehemaligen Katzenweiher vorbei. Katz bedeutete Bollwerk, also ein mit Wasser gefüllter Verteidigungsgraben an der an dieser Stelle flachen Stadtmauer. Er war auch die Hinrichtungsstätte für ledige Kindsmütter, die dort ertränkt wurden. Eine wunderbare Idee war es, dass die Interessierten nach Beendigung der Führung auf Wunsch hinter die Kulissen der Festspielbühne schauen durften. Eine halbe Stunde vor Beginn der Aufführung nahm sich Schauspieler Martin Kriwan – schon im Kostüm –, die Zeit für einen kurzen Rundgang. In einem Zelt wurde eifrig noch geschminkt, die Haare geflochten und umgezogen.
Lampenfieber steigt minütlich
Kriwan, der im Schauspiel den Oberammergauer Ratsvorsitzenden Konrad Faistenmantel spielt, wurde auch gefragt, ob er Lampenfieber habe. „Jetzt noch nicht“, sagte er 15 Minuten vor Beginn der Vorstellung. „Aber wenn sich langsam die Reihen füllen, dann schon.“
Regina Wahl-Geiger
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