„Richtungsweisend für die nächsten zwei bis fünf Jahre“

Der Schulden-Rucksack wird leichter: Fischbachaus Haushalt für 2019 steht

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Großer Posten: das Neubaugebiet am Wolfsee.
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Ein Rekord-Investitionsprogramm bei gleichzeitigem Schuldenabbau: Dieses Kunststück vollführt der Fischbachauer Gemeinde-Haushalt für 2019. So sieht die clevere Strategie aus.

Fischbachau – Als Gemeinderat in Fischbachau ist man große Zahlen gewohnt. Dennoch wurde Manfred Kreuzmayr (FWG) stutzig, als er die Summe der Kreditaufnahme in den von Kämmerin Veronika Rauscher erstellten Unterlagen betrachtete. „Ist da nicht eine Null zu viel?“, fragte Kreuzmayr schmunzelnd. Rauscher kommentierte den Tippfehler ebenso humorvoll und feixte zurück: „Habt ihr’s also doch gemerkt.“

Doch auch mit einer Neuverschuldung von „nur“ zwei Millionen Euro hat der erste Haushalt aus der Feder der erst 31 Jahre jungen Kämmerin gleich einen neuen Rekord aufgestellt. Mehr als 20 Millionen Euro umfasst der Vermögenshaushalt, alleine zwölf Millionen fließen in Investitionen. „So was haben wir hier drinnen noch nie gesehen“, sagte Rauscher.

Das liegt in erster Linie an den Projekten, die sich die Gemeinde für heuer vorgenommen hat. Schwergewichte wie die Erschließung des Baugebiets am Wolfsee (3,8 Millionen Euro), der neue Bauhof (zwei Millionen) oder der Kauf und die Modernisierung der Wolfseehalle (1,5 Millionen) treiben die Ausgaben kräftig nach oben.

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Dass ihr trotz dieses Höhenflugs nicht die Luft ausgeht, liegt an der ebenfalls üppig ausgestatteten Einnahmenseite. Auch 2019 wird die Verwaltung einen Überschuss von 1,1 Millionen Euro erwirtschaften. Straßenerschließungsbeiträge werden rund zwei Millionen in die Kasse spülen. Der alles überragende Posten sind jedoch die Grundstücksverkäufe vor allem am Wolfsee, die mit 7,8 Millionen Euro einen Großteil der Investitionen refinanzieren sollen. „Das hilft uns heuer hoffentlich viel“, sagte Rauscher.

Das gilt auch für die zu erwartenden Zuschüsse in Höhe von 3,6 Millionen Euro. Da die aber erst nach erfolgten Investitionen fließen, muss Fischbachau besagte zwei Millionen Euro Kredit aufnehmen. Weitere 2,2 Millionen wurden mit dem Nachtragshaushalt Ende 2018 freigegeben. Kein Beinbruch bei einer Zinsbelastung von weniger als 20 000 Euro pro Jahr, erklärte Bürgermeister Josef Lechner (CSU).

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Überhaupt ist die Gemeinde auch heuer auf dem Finanzmarkt aktiv und schichtet ihre Schulden um. Eine außerordentliche Tilgung von fünf Millionen Euro ist geplant. „Damit werden alte Darlehen mit höheren Zinssätzen abgelöst“, erläuterte Lechner. Das gehe aber wegen der Zinsbindung nicht überall. Eine vorzeitige Rückzahlung sei meist mit „irren“ Vorfälligkeitsentschädigungen verbunden.

Dennoch sieht der Rathauschef seine Gemeinde gut aufgestellt. Zwar sei die Pro-Kopf-Verschuldung mit rund 1600 Euro doppelt so hoch wie im bayernweiten Schnitt, bis Jahresende soll der Schuldenstand aber von 9,4 auf 8,3 Millionen Euro sinken. Abzüglich der Rücklagen von 1,54 Millionen steht Fischbachau dann mit 6,7 Millionen Euro in der Kreide.

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 Rechnet man noch die rentierlichen Schulden heraus – beispielsweise Investitionen in Wasserversorgung, Kläranlage, das Kraftwerk Birkenstein oder die vermietete Caritas-Siedlung in Hundham, die sich selbst amortisieren –, sei seine Kommune 2020 zum Ende der Legislaturperiode hin aus den roten Zahlen heraus, betonte Lechner. „Damit haben wir unser gemeinsames Ziel, die Gemeinde fit für die Zukunft zu übergeben, erreicht.“

Das stellte auch Vize-Bürgermeister Andreas Auracher (CSU) heraus. „Das ist ein richtungsweisender Haushalt für die nächsten zwei bis fünf Jahre“, sagte er. Für 2019 müsse gelten, das Programm „mit Disziplin“ abzuarbeiten und die langfristigen Ziele im Blick zu behalten. Der Gemeinderat segnete den Haushaltsplan ohne kritische Einwände ab – zur spürbaren Erleichterung der Kämmerin. „Für mein erstes Jahr“, sagte Rauscher lächelnd, „ist das kein so verkehrtes Werk.“

Der Fischbachauer Haushalt in Zahlen

Verwaltungshaushalt: 11,5 Millionen Euro. 

Größte Einnahmen: Einkommensteuer (3,7 Mio), Verwaltung und Betrieb (2,9 Mio), Realsteuern (2,1 Mio), Schlüsselzuweisungen (2,1 Mio). 

Größte Ausgaben: Kreisumlage (3,1 Mio), Verwaltung und Betrieb (2,9 Mio), Personal (2,6 Mio), Zuweisungen/Zuschüsse (1,3 Mio), Zuführung zum Vermögenshaushalt (1,1 Mio).

Vermögenshaushalt: 20,1 Millionen Euro. 

Größte Einnahmen: Veräußerung von Grundstücken und Sachen (7,8 Mio), Kreditaufnahme (4,2 Mio), Zuweisungen (3,7 Mio), Straßenerschließungsbeiträge (2,1 Mio), Zuführung vom Verwaltungshaushalt (1,1 Mio). 

Größte Ausgaben: Sonstige Baumaßnahmen (7,8 Mio), Tilgung von Krediten (5,4 Mio), Erwerb von Grundstücken (3,7 Mio), Zuführung an Rücklage (1,5 Mio), Straßenbaumaßnahmen (1,2 Mio).

Wesentliche Investitionen:

Baugebiet Wolfsee (3,8 Mio), Bauhof (2,0 Mio), Wolfseehalle mit Umgriff (1,5 Mio), Straßen und Wege (1,2 Mio), Tourismus mit Schaustollen Deisenried (825 000), Grundschule Elbach/Mittelschule Fischbachau (620 000).

Schuldenstand zum 31. Dezember 2019: 8,26 Millionen Euro.

Rücklagen: 1,54 Millionen Euro.

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