Schulverband stellt Haushalt vor

So wenige Schüler gab es noch nie in Benediktbeuern

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Peter Mückstein ist seit 2017 Rektor an der Grund- und Mittelschule in Benediktbeuern. Für ihn ist die Talsohle der Schülerzahl jetzt erreicht.
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Eine historisch niedrige Schülerzahl, steigende Verwaltungskosten, hohe Investitionen und eine geschrumpfte Rücklage: Es ist vor allem der Blick hinter die Zahlen, der beim Haushaltsbericht des Schulverbands Benediktbeuern aufhorchen lässt.

Benediktbeuern – Der Haushalt wurde vor wenigen Tagen von der Versammlung im Beisein des Rektors Peter Mückstein verabschiedet. Dem Schulverband gehören neben Benediktbeuern und Bichl auch Bad Heilbrunn, Kochel, Schlehdorf und Penzberg an. Die Gemeinden schicken Bürgermeister beziehungsweise Gemeinderäte in die Sitzungen.

Mit 279 Schülern besuchen in diesem Jahr so wenige Kinder und Jugendliche die Grund- und Mittelschule Benediktbeuern wie noch nie zuvor. 99 gehen auf die Mittelschule, 180 Kinder verteilen sich auf die Grundschule. Vor zehn Jahren waren es 516 Kinder. Betrug damals die Verwaltungsumlage (Fixkosten, zum Beispiel für Gebäudeunterhalt) je Schüler knapp 1300 Euro, sind es heuer rund 2400 Euro.

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„Auf unser pädagogisches Konzept hat die geringe Schülerzahl keine Auswirkung“, sagt Mückstein auf Nachfrage unserer Zeitung. Sowohl der Rektor als auch der amtierende Verbandsvorsitzende Benedikt Pössenbacher und Kämmerer Florian Hlawatsch gehen davon aus, dass in punkto Schülerzahl die Talsohle erreicht ist. Laut Pössenbacher kommen nun wieder geburtenstarke Jahrgänge, sagt der Bichler Bürgermeister mit Blick auf die vollen Kindergärten. „Wir gehen davon aus, dass sich die Schülerzahl in den nächsten Jahren bei 300 bis 350 einpendelt“, sagt Kämmerer Hlawatsch.

Das entspricht dann in etwa der Schülerzahl von vor fünf Jahren. Wie viele der Grundschüler sich dann für die Mittelschule entscheiden, bleibt freilich abzuwarten. „Man vermisst leider in unserer Gesellschaft die Wertschätzung der Mittelschulen“, bedauert Pössenbacher. „Dabei werden im Handwerk Fachkräfte dringend gesucht.“

Der Standort der Schule sei nicht gefährdet, betonen sowohl Pössenbacher als auch Mückstein. „Ich gehe in den kommenden fünf Jahren von einer stabilen Einzügigkeit aus“, sagt Mückstein. Er hofft, dass man bei steigender Schülerzahl wieder einen gebundenen Ganztagsunterricht anbieten kann. Dieser ist in Bayern nur möglich, wenn man zweigleisig fahren kann. „Wegen der geringen Schüler geht das aber bei uns nicht“, bedauert der Rektor. Derzeit läuft der offene Ganztag in Benediktbeuern mit zwei Gruppen. Hier kann man aber nachmittags keinen Regelunterricht anbieten.

Die meisten Schüler kommen derzeit aus Benediktbeuern (104), gefolgt von Bichl (89), Kochel (42), Heilbrunn (34), Schlehdorf (neun) und Penzberg (ein Kind). Im Haushalt wurden Investitionen für 546 000 Euro verabschiedet. 40 000 Euro gehen ins bewegliche Anlagevermögen, also zum Beispiel iPads, Monitore, Stühle und Pausenkisten.

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506 000 Euro sind für die seit langer Zeit geplante neue Heizung vorgesehen. „Zwei in die Jahre gekommene Ölkessel müssen ausgetauscht werden“, sagt Pössenbacher, zudem kostet die Reparatur von den drei kleinen Blockheizkraftwerken viel Geld. Deshalb wurde beschlossen, in eine Hackschnitzelheizung zu investieren.

Heuer wird das aber nichts mehr. Schule und Verband möchten die lauten Bauarbeiten unbedingt in den Sommerferien durchführen. Würde man jetzt noch mit diesem Zeitrahmen eine Ausschreibung durchführen, bekäme man wahrscheinlich sehr teure Angebote. „Wir möchten die Ausschreibung im Winter machen, damit dann in den Sommerferien 2020 gearbeitet werden kann.“ Das, so hofft Pössenbacher, gebe auch den Firmen mehr Luft bei der Planung ihrer Arbeiten.

Die Rücklage wird am Jahresende bei 74 000 Euro liegen, 2018 waren es noch 390 000 Euro. Was bedeutet das? „Eine hohe Rücklage mit rund 390 000 Euro ist für einen Zweckverband eher ungewöhnlich, da sich dieser aus den Umlagen der Mitgliedsgemeinden finanziert“, erklärt Kämmerer Hlawatsch. Grundsätzlich müsste deshalb im Schulverband keine Rücklage vorgehalten werden. Für den Heizungsumbau sei das jedoch von Vorteil, „weil die Investitionsumlage dadurch geringer ausfällt“.

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