Zwischen weltweiten Terminen machte das berühmte deutsche Schumann-Quartett am Sonntagabend Station in Bad Tölz.
Bad Tölz – Das zweite Konzert des neuen Streichquartett-Zyklus’ „Quartettissimo“ im Kurhaus, für den die Tourist-Info mit dem Verein „Klangerlebnis“ zusammenarbeitet, nahm das Publikum ebenso begeistert auf wie das erste. Das hochgelobte Zusammenspiel der vier Musiker bereitete den knapp 200 Zuhörern einen tief beeindruckenden Abend.
Das Programm war musikalisch eher ernst. Das Ensemble, bestehend aus den drei Brüdern Erik und Ken (Violine) sowie Mark (Cello) Schumann und der estnischen Bratschistin Liisa Randalu, hatte sich drei höchst anspruchsvolle Meister ausgesucht: den äußerst selbstkritischen Johannes Brahms, den reifen Beethoven und den modernen, der Alten Musik verschriebenen Arvo Pärt.
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Wer Arvo Pärts „Fratres“ nicht kannte, konnte durchaus verstört auf das Werk reagieren. Wer sich aber darauf einließ, wurde unweigerlich in seinen Bann gezogen. Das Schumann-Quartett hat seine Version von „Fratres“ mit Pärt persönlich einstudiert und aufgenommen. Die zweite Violine spielte während des ganzen zehnminütigen Stücks nur die Töne g und d. Die anderen Instrumente stimmten eine sehr ruhige, „asketische“ Melodie an, wie es Susanne Kessler, 2. Vorsitzende von „Klangerlebnis“, im Programmheft nannte. Pärt lässt die Melodie achtmal wiederkehren, das Cello setzte mit drei dunklen Stakkatos die Absätze des musikalischen Gebets. Das Stück veränderte mit zunehmender Intensität und Lautstärke seinen Charakter. Die hohen, langen Töne der ersten Violine zu Beginn erinnerten an Winterkälte. Bei tieferer Tonlage wurde schließlich doch so etwas wie wärmender Herzschlag erreicht. Doch die letzte Melodiewiederholung – im Unterschied zum Beginn zwei ganze Oktaven tiefer – war ein Requiem. Das Publikum reagierte ergriffen zunächst mit Schweigen, bevor lauter Applaus aufkam.
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Die Streichquartette von Brahms und Beethoven, c-Moll und a-Moll, warteten mit gewaltigen Extremen an Tonlagen, Tempi und Lautstärke auf. Das Schumann- Quartett brachte diese Meisterwerke brillant und packend zur Aufführung. Die Musiker beherrschten das intensive und kraftvolle Zusammenspiel ebenso wie höchst einfühlsame Töne.
Die Zuhörer erlebten eine spannende Balance zwischen Solisten und Ensemble. So hielt das Quartett das Publikum den langen Beethoven hindurch, der allein den zweiten Teil des Programms beanspruchte, in Atem.
Verblüffend war, dass Beethovens mittlerer Satz, dem „Dankgesang eines Genesenen“, fast an den Pärt erinnerte, der kurz zuvor erklungen war. Mark Schumann sprach vor der Zugabe selbst vom „Brocken Beethoven“.
Das Quartett dankte dem aufmerksamen Publikum mit zwei Sätzen aus Mozarts Divertimento d-moll. Die vier Virtuosen begeisterten die Zuhörer nach dem anstrengenden Programm mit einem musikalischen Feuerwerk.
Birgit Botzenhart