Bär nachgewiesen

Schutzstatus überdenken: Bär und Wolf ernst nehmen – Situation im Kreis Garmisch-Partenkirchen „eskaliert“

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Die Bestände sind nicht mehr bedroht: Die Stimmen, die Schutzbestimmungen bei Wolf und Bär zu lockern, werden lauter (Symbolbild).
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Der Nachweis eines Braunbären im Landkreis Miesbach wird auf politischer Ebene sehr ernst genommen. So fordert der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan (CSU) die Entscheidungsträger dazu auf, auf den tödlichen Angriff im Trentino zu reagieren.

Rottach-Egern - „Wir können bei Bär und Wolf so nicht weitermachen“, mahnt der Rottacher. „Es hat geheißen, dass dem Menschen nichts passiert. Nun haben wir das Gegenteil erlebt.“

Die Konsequenz ist für ihn klar: „Man muss sich rechtlich und organisatorisch vorbereiten und die bestehenden Hürden angehen.“ Das Problem dürfe nicht verniedlicht werden – auch wenn bei manchem das Wildtier über Mensch und Nutztier stehe.

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Schutzstatus von Bär und Wolf überdenken – „in dieser Form nicht mehr nötig“

In einem ersten Schritt geht es laut Radwan darum, den Schutzstatus von Wolf und Bär zu überdenken. „Die Populationen sind gestärkt. Wir haben ein Niveau erreicht, auf dem ein Schutzstatus in dieser Form nicht mehr nötig ist.“ Gerade mit Blick auf den Alpenraum, der als Bereich für Arbeit und Freizeit diene, werde es nun zu eng. „Es muss nicht immer so sein, dass durchstreifende Tiere weiterziehen. Es kann auch sein, dass es der Start einer Entwicklung ist wie in Südtirol. Es muss möglich sein, zu handeln.“

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Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen erlebe man gerade, wie „die Situation eskaliert“. Offiziell sind dort vier Wölfe sesshaft, darunter ein Paar. Zuletzt wurden sieben Risse innerhalb von acht Tagen gemeldet. Radwan: „Wir müssen präventiv handeln.“

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Landrat warnt Naturfreunde – Bestand von Wolf und Bär müsse reguliert werden

Miesbachs Landrat Olaf von Löwis (CSU) mahnt nicht nur, die Nachweise ernstzunehmen, sondern warnt auch Naturfreunde. Sie sollten sich vor einem Ausflug in die Berge über die richtigen Verhaltensweisen bei einem Zusammentreffen mit einem großen Beutegreifer informieren – „rein vorsorglich“. Denn aufgrund der sehr starken touristischen und natursportlichen Prägung der Bergwelt im Oberland könne man nicht ausschließen, dass künftig „große Beutegreifer und Menschen aufeinandertreffen“.

Von der pauschalen Entnahme eines jeden durchziehenden Wolfs oder Bären hält Löwis nichts. „Tatsächlich muss aber der Bestand von allen großen Beutegreifern – da mache ich keinen Unterschied zwischen Wolf, Luchs und Bär – sinnvoll reguliert werden.“ Auffällige Tiere, die sich dem Menschen nähern, müssten „schnellstmöglich und ohne große Bürokratie“ entnommen werden dürfen.

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Landrat fürchtet radikale Veränderung der Alpen

Erst vergangene Woche hat Löwis einen offenen Brief an Umweltminister Thorsten Glauber (FW) geschrieben, mit der Forderung, sich für die Herabsetzung des europäischen Schutzstatus des Wolfs einzusetzen. Denn eines müsse allen klar sein, betont der Landrat: „Mit einer Population von Wölfen oder Bären wird sich die Kulturlandschaft unserer Alpen radikal verändern.“

Almen werden nicht mehr bewirtschaftet. Kleinbäuerliche Landwirtschaft, wie sie in jeder Sonntagsrede gefordert wird, wird es nicht mehr geben. Berge werden verbuschen, geschützte Tier- und Pflanzenarten werden aussterben.“ Und Bergsport werde nur noch eingeschränkt möglich sein. (ddy)

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