Merkur-Redakteur macht den Selbstversuch

Schwitzen mit Abstand: So fühlt sich Fitness in Corona-Zeiten an

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Merkur-Redakteur Sebastian Grauvogl beim Brustmuskeltraining im Miesbacher Fitness-Studio X-Fit. Der Mundschutz diente allerdings lediglich zur Illustration, normalerweise darf er an den Geräten schon abgenommen werden.
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Fitness mit Mundschutz und Abstand: Wie sich das Training in Corona-Zeiten anfühlt, hat Merkur-Redakteur Sebastian Grauvogl ausprobiert. Geschwitzt hat er auf jeden Fall.

Miesbach – Wie eingerostet ich nach drei Monaten ohne Fitness bin, merke ich schon auf dem Parkplatz. Trotz meiner Yoga-Einheiten im Homeoffice zwänge ich mich im Auto ziemlich ungelenkig in mein Sport-T-Shirt. Die Hose hab ich vorsichtshalber schon daheim angezogen. Weil die Umkleiden im Studio wegen der Corona-Auflagen geschlossen sind, darf ich dort nur meine Schuhe wechseln. Gespannt und mit Mundschutz im Gesicht betrete ich das X-Fit in Miesbach. Der erste Öffnungstag nach dem langen Shutdown – und ich bin mittendrin.

Bis kurz vor 19 Uhr war ich skeptisch, ob es überhaupt klappt mit dem Training am Montagabend. Normalerweise ist der Andrang zu dieser Zeit groß im Studio. Doch wie viele Leute dürfen angesichts der Abstandsregeln überhaupt rein? Ich weiß es nicht, habe mir aber zuvor die App meines Fitnessclubs aufs Smartphone geladen. Den ganzen Nachmittag über habe ich die Auslastung verfolgt. Als die Ampel auch abends noch auf Grün stand, habe ich mir Handtuch und Trinkflasche geschnappt und bin los.

Der erste Blick ins Studio gibt mir recht. Alles ziemlich ruhig hier. Ich scanne meine Mitgliedskarte und steuere Richtung Trainingsfläche. Doch ich werde gestoppt. „Bitte erst noch das Formular ausfüllen“, erklärt mir eine freundliche Mitarbeiterin hinter Mundschutz und Plexiglasscheibe an der Theke. Eine Selbstverpflichtung, dass ich keine Krankheitssymptome habe, nicht unter Quarantäne stehe, etc. Meine entsetzte Frage, ob der Schreibkram jetzt vor jedem Training notwendig ist, verneint die Angestellte. „Wir heften das ab.“ Immerhin.

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Um die Abstände einzuhalten, waren einige Maschinen gesperrt.

Noch nicht in Betrieb ist das neue Drehkreuz am Eingang. Wie mir Inhaber Thomas Viola am nächsten Tag auf Nachfrage am Telefon erklärt, kann das Studio so sicherstellen, dass wirklich jeder vor dem Training eincheckt. „Nur so können wir bei einem Infektionsfall alle Kontaktpersonen ermitteln.“

Damit es nicht so weit kommt, hat das X-Fit-Team in den vergangenen Wochen einiges umgebaut. Die Geräte stehen weiter auseinander, einige sind mit Plexiglasscheiben voneinander abgetrennt, manche zur Sicherstellung des Abstands sogar ganz gesperrt. Auch mein Trainingsplan wird dadurch etwas eingedampft. Unterer Rücken und die Sit-ups auf der Schrägbank fallen weg. Allzu traurig bin ich ehrlich gesagt nicht. Ich bin auch nach acht Geräten fertig genug. Die lange Pause steckt mir in den Knochen.

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Das Training selbst läuft wie immer. Meinen Mundschutz packe ich schnell weg, weil ich angesichts der wenigen Leute ohnehin niemandem zu nahe komme. Und weil es mir nicht unbedingt hygienischer vorkommt, wenn mir das Stück Stoff im verschwitzten Gesicht klebt. Dafür wische ich alle Griffe der Geräte mit einem Desinfektionstuch aus den aufgestellten Boxen ab. Die Sitzpolster bedecke ich – wie vor Corona auch – mit meinem Handtuch.

In den Ruhepausen lasse ich den Blick durchs Studio schweifen. Während ich sonst ungläubig auf die Gewichtsanzeige der angehenden Bodybuilder schaue, beobachte ich diesmal, wie schwer sie schnaufen – Stichwort Aerosolausstoß. Ob sie auch alle ihre Geräte sauber machen so wie ich? Na ja, die meisten schon. Die Rückmeldungen des Personals seien positiv gewesen, versichert mir Viola. „Es hat keinerlei Beschwerden gegeben.“

Als meine Muskeln schwer werden, freue ich mich auf eine heiße Dusche zur Entspannung. Fast wäre ich schon Richtung Umkleide gesteuert, da fällt mir ein: Geht ja gar nicht. Also wechsle ich schnell meine Schuhe, checke aus und sprinte durchgeschwitzt durch den Nieselregen zum Auto. Spätestens da kommt mir die Erkenntnis: Fitness in Corona-Zeiten ist eben nichts für Warmduscher – aber gut für die Gesundheit ist es allemal.

sg

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