Gedankenspiele

Gaskrise: Wie kann die Seesauna in Tegernsee künftig mit Energie versorgt werden?

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Die Seesauna in Tegernsee wird mit Gas versorgt, über Alternativen macht man sich jetzt Gedanken.
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Energiesparen ist das Gebot der Stunde. Das gilt auch für die Seesauna monte mare in Tegernsee. Sollte die Regierung die Maßnahmen verschärfen und die dritte Stufe des „Notfallplans Gas“ in Kraft treten, könnte sogar die Schließung drohen. Über alternative Energieerzeugung wird nachgedacht.

Tegernsee – 32 Grad draußen, bis zu 90 Grad drinnen. „Trotz der warmen Sommertemperaturen haben wir unsere Stammgäste“, sagt Daniela Hidalgo, Betriebsleiterin der monte mare Seesauna in Tegernsee. Über 100 seien es dieser Tage, dazu doppelt so viele im Strandbad. Gewolltes Schwitzen war in allen sieben Saunen möglich, auch das Eintauchen im 33 Grad warmen Solebecken und Blubbern im 33 Grad warmen Whirlpool.

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Dennoch: Weil Energiesparen das Gebot der Stunde ist, wurden bereits Maßnahmen eingeleitet. „Die Temperaturen im Solebecken und Whirlpool wurde bereits um jeweils zwei Grad gesenkt, der Gas-Kamin in der Kaminlounge wird derzeit nicht eingeheizt, Licht und sämtliche Geräte, die bisher im Stand-by-Modus gelaufen sind, werden ausgeschaltet“, berichtet die Betriebsleiterin. „Wir tun eben das, was alle Privathaushalte derzeit tun, um Energie zu sparen.“

Ein großer Einschnitt könnte freilich drohen, wenn die dritte Stufe des Notfallplans Gas durch die Bundesregierung in Kraft treten sollte. Dann nämlich wäre eine flächendeckende Schließung der öffentlichen Saunaanlagen kaum zu verhindern. „Der Deutsche Saunabund hat bereits einen Brief an Minister Habeck geschickt“, so Hidalgo. Darin wird bereits ein Ausgleich der wirtschaftlichen Verluste in voller Höhe gefordert. Überdies wird das Saunabaden als systemrelevant bezeichnet.

Was das auch für die Seesauna bedeuten könnte, daran will die Betriebsleiterin noch nicht denken. „Das wäre alles Spekulation. Wir werden jedenfalls kurzfristig reagieren.“ Reagiert hat monte mare bereits mit einer Preiserhöhung. „Allerdings bekommen die Besucher auch eine höhere Aufenthaltsqualität“, sagt Hidalgo. So wurde die Besucherzahl, die wegen Corona von 160 um 15 Prozent gesenkt wurde, bisher nicht wieder erhöht.

Der Tegernsee als Energielieferant: Ein Modell für die Zukunft?

Die 2008 eröffnete Seesauna, die von der monte mare Tegernsee GmbH betrieben wird, die wiederum zur Hälfte den stadteigenen Tegernseer Kur- und Versorgungsbetrieben (TKV) gehört, wird mit einem Blockheizkraftwerk betrieben. Dieses wird mit Gas versorgt und erzeugt Strom und Wärme. Ein ebenfalls mit einem Gasbrenner betriebener Spitzenlastkessel kann bei Bedarf, vor allem im Winter, dazu geschaltet werden. 2018 wurde das erste BHKW durch eine neue Anlage ersetzt. Beim E-Werk Tegernsee als Stromversorger macht man sich bereits Gedanken über Gas-Alternativen – auch wenn derzeit laut Frank Thinnes, Technischer Leiter und Stellvertretender Werkleiter des E-Werks, „noch alles offen“ sei. „Kurzfristig wäre ohnehin nichts möglich“, sagt Thinnes. Er räumt ein, dass das E-Werk „die Manpower für Gedankenspiele“ liefere. Entscheiden müssten dann die TKV.

Diese Gedankenspiele reichen von Solarthermie über Photovoltaik bis zur Wärmepumpe als Ersatz für das BHKW. Nachgedacht werde hier nicht nur über eine herkömmliche Luft-Wärmepumpe, sondern auch darüber, den Tegernsee mit einer Seewasser-Wärmepumpe zu nutzen. „Das Seewasser, das in der Tiefe vier Grad hat, dient dabei als Eingangsgröße“, so Thinnes. Mittels einer Pumpe könnte Seewasser an Land befördert, dort nutzbar gemacht und wieder in den See befördert werden – „ohne Nachteile für die Ökologie im See“. Thinnes geht von einem sehr aufwendigen Genehmigungsverfahren aus, hält diese Technik aber für die Zukunft nicht für ausgeschlossen. Und sie ist nicht neu: Auch am Zürichsee ist so eine Seewasser-Wärmepumpe im Einsatz. Angesichts der aktuellen Versorgungskrise hält Thinnes dies für ein „Zukunftsmodell“.

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