Auf Weltreise

„Segeljungs“ nach 5000 Seemeilen noch lange nicht am Ziel

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Im Paradies: (v. li.) Tim Hund, Michael Bischof, Vincent Goymann und Tom Schwarz auf einer Palme in der Karibik. So entspannt gestaltet sich die Reise allerdings nicht immer.
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Vor einem halben Jahr stachen vier junge Männer aus dem Landkreis in See, um die Welt zu umsegeln. Ans Aufgeben haben die „Segeljungs“ seitdem noch nie gedacht – auch wenn sie immer wieder vor großen Herausforderungen stehen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Schwallartig schießt kaltes Meerwasser ins Cockpit. Alles trieft vor Nässe. Der Wind heult mit knapp 30 Knoten um das Segelboot. Vier Meter hohe Wellen treiben die „Eira“ über die aufgewühlte See. Gerade endet die dritte Nacht der Atlantik-Überquerung. An Schlaf war wegen des Seegangs erneut kaum zu denken. „Was mach’ ich hier eigentlich?“, fragt sich Michael Bischof aus Sachsenkam nicht zum ersten Mal.

Mit ihrem Segelboot „Eira“ haben die Vier bereits 5000 Seemeilen zurückgelegt.

Jener Morgen im Februar gehört zu den wenigen Tiefpunkten des Abenteuers, zu dem sich Bischof und seine drei Freunde Vincent Goymann, Tom Schwarz (beide aus Königsdorf) und Tim Hund aus Gaißach am 20. September des vergangenen Jahres aufgemacht haben. Wie berichtet wollen die vier jungen Männer zwischen 18 und 21 Jahren in drei Jahren die Welt umsegeln. Von Booten und vom Navigieren hatte nur Tim Hund Ahnung.

Trotzdem haben die Vier unbeschadet bereits rund 5000 Seemeilen hinter sich gebracht, das entspricht rund 9300 Kilometern. Die größte Herausforderung bisher stellte der Sprung über den Atlantik dar. 22 Tage mitten im Nirgendwo auf einem 14-Meter-Boot. Einzige Verbindung zur Außenwelt: ein Satellitentelefon. Enge und Langeweile schlugen auf die Stimmung. Ohne Internet konnten die „Segeljungs“, wie sie sich selbst nennen, nicht einmal ihre rund 7500 Anhänger auf Youtube und Instagram mit Infos und Bildern über ihre Reise versorgen. Dann auch noch ein Riss im Großsegel. „Wir haben aber nie daran gedacht, freiwillig aufzugeben“,

sagt Vincent Goymann. Auch dank der Wale.

20-Meter-Blauwal begleitet Segelboot stundenlang

Die vier dösen gerade in Badehosen auf dem Vorderdeck, als sie ein lautes Pusten hören. „Kaum zu glauben, aber es ist gerade wirklich ein riesiger Wal neben uns aufgetaucht“, schreibt Bischof später in seinen Blog im Internet. Stundenlang begleitet der Meeresriese die vier Deutschen. Mit seinen 20 Metern ist er sechs Meter länger als das Boot.

Mit Zwergwalen gehen die Vier ein andermal sogar ins Wasser. Angst verspüren sie nicht. „Ein bisschen gruselig war es nur, wenn wir die Tiere nicht gesehen haben“, gibt Vincent Goymann zu.

Aktuell befinden sich die „Segeljungs“ in der Dominikanischen Republik. Mit Motorrädern erkunden sie das Landesinnere des Karibikstaates – und sind einmal mehr überwältigt von der Gastfreundschaft und Lebensfreude, die ihnen überall entgegengebracht wird. „Dabei haben die Menschen oft selbst nichts“, sagt Vincent Goymann. Auf der Insel Tortola zum Beispiel sind nach Hurrikan „Irma“ im Jahr 2017 noch immer viele Häuser zerstört. Der Schmerz steht den Menschen ins Gesicht geschrieben, heißt es im Blog. Vincent Goymann denkt inzwischen oft darüber nach, welche Nichtigkeiten er zuhause in Königsdorf als Probleme empfunden hat. Die Reise hat ihn und die anderen verändert. „Wir sind erwachsener geworden, ja.“

Zu diesem Prozess gehört auch, dass die Vier kein Problem damit hätten, für einige Wochen auf dem Bau zu arbeiten, um ihren Traum leben zu können. „Bislang finanzieren wir uns aber übers Crowdfunding“, sagt Vincent Goymann. Gemeint ist eine Art Online-Spendensammlung. Feste Sponsoren haben die Vier noch nicht.

Nächstes Ziel: Kuba

Die nächsten Ziele auf der Reiseroute heißen Kuba, Jamaika und Panama. Nächsten Monat bekommen die Jungs Besuch von Familie und Freunden. Tim Hunds Oma und sein Bruder haben sich angemeldet. Auch die Eltern von Tom Schwarz und Vincent Goymann wollen vorbeischauen. Mama Elke Maurus-Goymann freut sich schon sehr. „Am Anfang hatten wir schon Bedenken, weil sie nicht segeln konnten und noch so jung sind“, sagt die Königsdorferin. Inzwischen sind sie und die anderen Familienmitglieder aber sehr stolz auf ihren Nachwuchs. „Sie machen das wahnsinnig gut.“

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