VonMagnus Reitingerschließen
So kommt Weilheim wieder auf die Landkarte der Popmusik: Die Band „Kid Empress“ um die Weilheimer Musiker Joscha Arnold und Severin Rauch verzaubert beim Debüt in der Westtorhalle.
Riedhausen – Gut möglich, dass man dieses Konzert dereinst als „legendär“ verklären wird. Nach dem Motto: Weißt du noch, der allererste Auftritt von „Kid Empress“ – damals, 2023, in der kleinen Westtorhalle in Riedhausen? Und wir waren dabei!
Diese Band ist gekommen, um zu bleiben
Jedenfalls könnte vergangenen Freitagabend eine Karriere begonnen haben, die Weilheim mal wieder auf die Landkarte der Popmusik hievt. „Kid Empress“ ist das neue Projekt der Weilheimer Musiker Joscha Arnold (36) und Severin Rauch (37). Und es ist mehr als ein Projekt. Es ist gekommen, um zu bleiben. Schon die ersten Klänge, die ersten Beats dieser Band machen klar: Hier trifft großes Können auf unbedingtes Wollen, langjährige Erfahrung auf anhaltende Neugierde. Einen verheißungsvolleren Start gab es in der Region seit „The Notwist“ nicht mehr.
Alles drin, was die Musiker selbst gern hören
Wobei „Region“ relativ ist: Saxofonist Arnold und Schlagzeuger Rauch, in der Big Band des Gymnasiums Weilheim musikalisch sozialisiert, lernten Sängerin Anna Gosteli und Gitarrist Baf Scheipers im Jazz-Studium in Basel kennen. Was die vier dort und in hundert folgenden Projekten lernten, ist die solide Basis für „Kid Empress“ – und wird nun zu Pop gemacht, der ebenso komplex wie tanzbar ist. Britpop und HipHop, Songwriter-Folk und Drum’n’ Bass, rockiges Rumpeln, elektronische Spielerei und skandinavische Klarheit: Alles, was die Musiker selbst gern hören, verbindet sich hier zu einem stimmigen Ganzen.
„Tiny Moon“ ist eine episch-lyrische Ballade, die sich in aller Ruhe entwickelt, „Kalimba River“ ein treibender Ohrwurm. Melodieselig ist beides. Über Melancholie führt „Kid Empress“ zur Euphorie: Die gut 100 Zuhörer in der Halle genießen mit geschlossenen Augen, tanzen mit, sind auch bei den leisen, versponnenen Stellen hoch konzentriert.
Bei den Ansagen ist die Band ganz „Weilheimer Schule“
Große Ansagen gibt es nicht, da ist das Quartett ganz „Weilheimer Schule“. Einen Großteil des Konzerts singt Anna Gosteli gar seitlich auf einer Box sitzend, introvertiert und expressiv zugleich. Ihre warme Stimme prägt den Charakter von „Kid Empress“, und doch steht sie nicht im Vordergrund. Der Star ist hier die Band – in die sich live nahtlos der famose Pianist und Soundtüftler Sam Hylton als fünftes Rad einfügt.
Am Tag nach dieser Premiere gab „Kid Empress“ im Münchener „Milla“ gleich noch das Großstadt-Debüt, in zehn Tagen erscheint das Debüt-Album „Spit Out Light“: So viel Anfang, so viel Zauber – und Spannung, wo das hinführen wird!
