- VonKilian Pfeifferschließen
Beim 150-jährigen Jubiläum des DAV in Berchtesgaden fordert die Jugend mehr Selbstversorgung auf Hütten. Die Debatte zeigt unterschiedliche Perspektiven. Doch wie lässt sich ein Miteinander auch gestalten?
Berchtesgaden – Mehr Einfachheit auf Berghütten, mehr Selbstverantwortung für junge Bergsteiger: Die Jugend des Deutschen Alpenvereins (JDAV) fordert ein klares Bekenntnis zur Selbstversorgung auf Hütten. Sie trifft damit einen Nerv. Beim 150-Jahr-Jubiläum des DAV im AlpenCongress in Berchtesgaden wurde genau darüber diskutiert: Wie lässt sich das Miteinander von Jugendgruppen und Hüttenwirten gestalten?
Bereits im Oktober 2023 hatte die Jugendversammlung des JDAV einen Beschluss gefasst, der die Selbstversorgung auf Alpenvereinshütten stärken soll. Sie sei nicht nur eine Option, sondern ein zentrales Element der pädagogischen Arbeit, betonten Jugendleiter. Wer selbst koche, übernehme Verantwortung, lerne Organisation und Rücksichtnahme – und schone nebenbei auch das knappe Budget.
Selbstversorgung auf Hütten bedeutet: Das Essen wird mitgebracht – vom Frühstücksmüsli über Nudeln und Konserven bis hin zu Gemüse, Käse oder Tee. Jeder spült sein Geschirr, der Müll wird wieder ins Tal getragen. Es ist schlicht, manchmal umständlich, aber gemeinschaftlich. Für viele Jugendliche ist genau das ein wesentlicher Teil des Bergerlebnisses. Wer selbst für seine Mahlzeit sorgt, erlebt die Hütte nicht als Serviceeinrichtung, sondern eigenverantwortlich. Gerade für junge Menschen mit weniger finanziellen Mitteln ist diese Form des Aufenthalts oft die Voraussetzung dafür, überhaupt auf eine Hütte zu gehen. Allerdings: Den Hüttenwirten bringt das wenig.
Die Forderung der JDAV: Selbstversorgung als pädagogisches Element und Budgetfrage
Beim Jubiläumsabend des Deutschen Alpenvereins in Berchtesgaden war das Thema fester Bestandteil einer prominent besetzten Diskussionsrunde unter dem Motto „Berghütten im Wandel“. Auf der Bühne standen der langjährige Stahlhaus-Wirt Heli Pfitzer, der ehemalige Sektionsvorsitzende und Hüttenreferent Beppo Maltan sowie DAV-Vizepräsident Ernst Schick. Letzterer stellte sich deutlich hinter die Forderung der Jugend: „Die Jugend will mehr Selbstbestimmung, auch beim Essen“, sagte Schick. Hütten dürften nicht zu Spitzenrestaurants werden, sondern müssten ihrem ursprünglichen Charakter durchaus treu bleiben. Die Selbstversorgung sei ein „lange existierendes Recht“, das nicht infrage gestellt werden dürfe. Im Gegenteil: Es müsse sogar gestärkt werden. Schließlich wollten auch junge Leute „dort oben sein am Berg“, auch wenn sie weniger Geld hätten.
Dass sich die Jugend dabei lautstark zu Wort melde, sei „völlig in Ordnung“, so Schick weiter. Man wolle sie auf dem Weg mitnehmen, nicht ausbremsen. Dabei sei es entscheidend, die Bedürfnisse junger Menschen zu verstehen: „Was braucht die Jugend, was sieht sie anders? So etwas muss bekannt sein und geklärt werden.“ Gleichzeitig sprach Schick den Hüttenwirten seine Anerkennung aus: „Wir sind natürlich froh, dass es sie gibt.“ Und: Jede Hütte müsse sich für den DAV am Ende auch wirtschaftlich tragen können. Deshalb könne es nicht darum gehen, Hütten pauschal mit Vorgaben zu überziehen. „Was man darf und was man nicht darf, das kann man den Hütten nicht einfach überstülpen“, sagte Schick.
Wie Hüttenwirte und Jugendinteressen in Einklang gebracht werden können
Helmut „Heli“ Pfitzer war mehr als drei Jahrzehnte lang Hüttenwirt des Carl-von-Stahl-Hauses, einer Alpenvereinshütte der Sektion Salzburg des Österreichischen Alpenvereins auf der deutsch-österreichischen Grenze in den Berchtesgadener Alpen. Er befürchtet, wenn die Selbstversorgung überhandnimmt, dass dies zu Nachteilen für die Wirte führen könnte.
Beppo Maltan zeigte sich grundsätzlich offen für die Diskussion, machte aber auch deutlich, wo für ihn die Grenzen liegen. „Es gibt heute schon einige Leute, die ihr Essen mitbringen, das ist Realität“, sagte er. Problematisch werde es jedoch, wenn das zur Regel werde. Denn: „Am Wirt bleibt ohnehin schon alles hängen: Vom Bettenmachen über das Holzholen bis zu den Reservierungen.“ Wenn dann jeder kommt und sich selbst versorgt, ohne sich in den Betrieb einzufügen, werde es schwierig. Die Belastung für die Wirte sei schon jetzt hoch, nicht zuletzt durch Auflagen, Bürokratie und Personalmangel. Er warnte vor einer Entwicklung, die den ohnehin knappen wirtschaftlichen Spielraum vieler Hüttenbetriebe zusätzlich gefährden könnte.
Trotz teils unterschiedlicher Perspektiven wurde bei der Diskussion eines deutlich: Der Wunsch nach einer Lösung, die sowohl Jugend als auch alle anderen mitnimmt. Selbstversorgung, ja, aber eben nicht um jeden Preis. Der DAV steht vor der Aufgabe, eine gewachsene Tradition, Interessen junger Menschen und die Realität in den Hüttenbetrieben miteinander in Einklang zu bringen, da sind sich die Referenten sicher. Ernst Schick brachte es zum Schluss auf den Punkt: „Wir müssen alle unter einen Hut bringen.“ (kp)
