- VonWalter Kieflschließen
Der Bezirksausschuss fordert genaue Zahlen zu Baumfällungen und Ersatzpflanzungen, nachdem die Baumbilanz negativ ausfällt.
München – Gleich mehrfach beschäftigte sich der Sendlinger Bezirksausschuss (BA) in seiner jüngsten Sitzung mit Bäumen und Grünflächen. Dabei ging es um die Baumbilanz des Stadtviertels, die Qualitätssicherung von Baumgutachten und die Entsiegelung von Flächen.
Negative Baumbilanz
Im Jahr 2024 wurden im Zuge regulärer Baumpflegemaßnahmen in städtischen Parks und auf Grünfläche auf Veranlassung des Bauamtes 2100 Bäume gefällt und 4500 neue Bäume gepflanzt. Dem sich daraus ergebenden Überschuss von rund 2400 Bäumen steht jedoch ein Vielfaches an Baumfällungen durch private Grundstückseigentümer gegenüber. Da sich diese durch Zahlung einer Ablösesumme von der gesetzlichen Pflicht zu Ersatzpflanzungen freikaufen können ergibt sich – ungeachtet der Wichtigkeit von Bäumen für das Stadtklima – eine insgesamt negative Baumbilanz.
Klage über fehlende Kontrolle
Die Sendlinger Baumschutzbeauftragte Florentine Schiemenz (ÖDP) beklagte deshalb, dass bei den genehmigten Baumfällungen offenbar keine ausreichende Kontrolle der Ersatzpflanzungen stattfindet. Ihr Antrag an das Baureferat beinhaltet darum nicht nur eine aktuelle Bestandsaufnahme der Bäume und der Baumfällungen im Stadtviertel, sondern auch die Bitte um Informationen darüber, wo die geforderten Nach- und Ersatzpflanzungen vorgenommen wurden und wie häufig bisher ein Freikauf erfolgt ist. Das Gremium stimmte dem einstimmig zu.
Zwei Gutachten mit widersprüchlichen Aussagen
Bei den beantragten Baumfällungen im Hinterhof des Hauses Lindenschmitstraße 25 wurden indessen zwei unterschiedliche Gutachten über den Zustand von fünf alten Bäumen vorgelegt. Während das erste Gutachten die Bäume als krank bezeichnete, stellte das zweite Gutachten fest, dass vier der fünf Bäume gesund seien und das Wurzelwerk des fünften Baumes erst durch das geplante Projekt vorbereitende Baumaßnahmen geschädigt wurde.
Frage nach Kontrolle durch Lokalbaukommission
Damit stellt sich für den BA die Frage, wie die Lokalbaukommission (LBK) mit derart unterschiedlichen Gutachten umgeht beziehungsweise wie seitens der Stadt die Qualität von Baumgutachten gesichert wird. Ein entsprechender Antrag der Baumschutzbeauftragten wurde vom Sendlinger Bezirksausschuss ebenfalls einstimmig angenommen.
Ein weiterer, mehrheitlich angenommener Antrag zum Baumschutz und zur konsequenten Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips betraf den Ersatz der Beton-Baumscheiben durch die Bepflanzung mit winterharten Bodendeckern am Harras und an den ihn umgebenden Straßen – also auf dem Platz vor der (bald ehemaligen) Post und vor der Ladenzeile an der Plinganserstraße.