VonBettina Sewaldschließen
Vor vier Wochen wurde in Icking der Maibaum eingeholt. Seitdem wird er von den Burschen und Madl bewacht. Anlieger beschweren sich über Ruhestörung und die Verkehrssituation.
Icking – Die Anlieger des Hauserwegs sind verärgert. Seitdem der Maibaum vor gut vier Wochen reingeholt wurde, herrscht vor allem an den Wochenenden Remmidemmi. Ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat jetzt offiziell ein Schreiben an die Gemeinde verfasst, um seinen Unmut kundzutun.
Maibaum-Wache in Icking: Anwohner über nächtliche Ruhestörung verärgert
Er erzählt im Gespräch mit unserer Zeitung: „Das erste Wochenende haben wir noch ganz gut ertragen, doch nach Wochenende zwei und drei war ich so getriggert, dass ich der Gemeinde geschrieben habe.“ Es gehe ja nicht um eine Party oder zwei, die man überstehen müsse, „sondern das geht über viele Wochen mit einer quasi Open-Air-Party-Zone bis teilweise morgens um 6“.
Der Anwohner versuchte es nach eigenen Angaben auf dem direkten Weg. Doch die Kommunikation sei schwierig: „Es ist schon kein ganz gutes Gefühl, wenn man spät nachts dahin geht und um Mäßigung bitten will, wenn man dort auf eine Horde Angetrunkener trifft.“
Bürgermeisterin: „Burschen wollen mehr Rücksicht nehmen“
Ickings Bürgermeisterin Verena Reithmann zeigt sich auf Nachfrage gelassen: „Es ist ein normaler Umstand, dass sich Leute bei uns melden, wenn ihnen etwas nicht passt.“ Sie habe sich in diesem Fall direkt mit den Burschen in Verbindung gesetzt, um eine Lösung zu finden.
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Ihr Eindruck ist, „dass die Burschen wirklich bemüht sind und mehr Rücksicht nehmen wollen“. Darüber hinaus gehe sie aber davon aus, dass der Höhepunkt für die Wachhütten-Events inzwischen überschritten sei. Anfangs habe es, so Reithmann, nur Icking gegeben, jetzt seien viele weitere Mai-Burschenschaften aktiv: „Es gibt ja inzwischen überall Wachhütten, an denen gefeiert wird. Das entzerrt.“
Ärger um Maibaum-Wache in Icking: Anwohner sorgt sich um Verkehrssituation
Doch nicht nur der nächtliche Lärm stört einige Bürger. Eine weitere Anwohnerin, die ebenfalls anonym bleiben möchte, verweist auf die Verkehrssituation: „Da der Hauserweg nur einspurig befahren werden kann, war hier mitunter kein Durchkommen.“ Die Burschen hätten zwar von Anfang an darauf hingewiesen, dass die Gäste außerhalb parken sollen, das sei aber vielfach ignoriert worden. „Hätte da ein Rettungswagen oder Feuerwehrauto durchgemusst, wäre es nicht gegangen“, erzählt sie und erinnert an den Brand im ehemaligen Reitstall.
Laut Verena Reithmann wurde jetzt vereinbart, dass die wachhabenden Mai-Burschen und -Madl künftig noch besser aufpassen und die Autos gegebenenfalls wegfahren lassen. Darüber hinaus hätten sie, so Reithmann, jetzt bei allen Nachbarn ihre Telefonnummern hinterlegt. Die Rathauschefin: „So können die Anwohner kurz Bescheid sagen: ,Bitteschön, es ist zu laut!‘ und müssen nicht im Schlafanzug über die Straße gehen.“
Maibaum in Icking: Oberbursch und Obermadl hoffen auf harmonisches Miteinander
Oberbursch David Lech und sein Obermadl Kathi Feirer hoffen für die verbleibenden drei Wochenenden auf ein harmonisches Miteinander. Sie bereiten sich mit insgesamt 17 Paaren auf eine stimmungsvolle Maifeier vor. So ungünstig gelegen der Standort der Wachhütte für die Nachbarschaft verständlicherweise ist: In Hinblick auf potenzielle Maibaumdiebe ist die enge Wegeführung und die verwinkelte Lage gut gewählt.
Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand das vier Tonnen schwere Traditionsstangerl, gestiftet von Anton Jäger aus Schützenried, heimlich abtransportiert, geht aus Sicht des 22-jährigen Oberburschen gegen null. Lech: „Es gab zwar nächtliche Besuche, aber keine echten Versuche, uns den Baum zu stehlen.“
Aufgestellt wird der 32-Meter-Baum übrigens am Samstag, 29. April, also gut eine Woche vor der Maifeier am 7. Mai. Ab da ist die Wachhütte zunächst einmal Geschichte. Und die Anwohner hoffen, dass sich künftig ein besserer Standort findet. Der Tenor: „Brauchtumspflege ist wunderbar. Und auch Feiern ist gut. Aber eine Wachhütte direkt im Wohngebiet ist einfach ungut.“
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